Nichts für Weicheier

Hanau ist Hochburg des Armwrestling-Sports

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Training in der August-Schärttner-Halle: Andreas Höffner (links) ist Deutscher Meister in der Klasse bis 90 Kilogramm. Er trainiert bis zu fünfmal wöchentlich.

Hanau - Dass Hanau die Stadt der Brüder Grimm ist, wissen viele. Dass die Brüder-Grimm-Stadt aber auch eine Hochburg des Armwrestling-Sport ist, das wissen nur Eingeweihte. Von Dieter Kögel

Dabei haben die Sportlerinnen und Sportler des Hanauer Armwrestler-Clubs „Over the Top“ erst jüngst bei den Deutschen Meisterschaften erneut ihre absolute Ausnahmestellung unterstrichen. Mit 18 Pokalen und mehreren Meistertiteln kehrten die Hanauer Armwrestler von der 29. Deutschen Meisterschaft im Armwrestling in Münster-Breitfeld zurück. Hanau, so Clubvorssitzender Jürgen Baumann stolz, bliebt die „absolute Hochburg des Armwrestling-Sports.“

Eine Position, die sich die Hanauer Armwrestler schnell erarbeitet hatten, nachdem aus der 1987 gegründeten Trainingsgemeinschaft 1990 der Verein „Over The Top“ wurde und der Weg zur Teilnahme an offiziellen Wettbewerben damit offen stand. Begonnen hat die Trainingsgemeinschaft mit rund 25 Aktiven, erinnert sich Winfried Lind, der von Anfang an dabei war. Die Grundlagen des Kraftsports bekamen die Aktiven damals von dem Gewichtheber Günther Heiss vermittelt. Der Besuch von Wettkämpfen, unter anderem auch einer Weltmeisterschaft in den USA, ließ die Begeisterung für den Sport noch stärker werden. Und so legten die Hanauer Armwerstler bald zusammen, um den Armwrestling-Champion Clive Myers für einen mehrtägigen Workshop nach Hanau zu holen, erinnert sich Lind. Jener Clive Myers, der auch Silvester Stallone für seine Rolle in dem Armwrestling Film „Over The Top“ trainiert hat. „Wir wurden regelrechte Armwrestling-Freaks,“ so Lind.

Armwrestling ist ein „Kraftsport, gepaart mit Schnelligkeit, Technik, Willens- und mentaler Stärke“, weiß Vorsitzender Jürgen Baumann. Ein Sport, bei dem beileibe nicht nur die Arme arbeiten. Der ganze Körper ist einbezogen, so ziemlich jeder Muskel wird beansprucht, wenn die Kraft im Arm durch die Körperarbeit von Kopf bis Fuß unterstützt wird. Nichts für Weicheier. Denn nach einem Wettkampftag, wenn das Adrenalin verflogen ist, kommen die Schmerzen. „Da spürst Du jeden Muskel.“ Aber die Armwrestler wissen, wofür sie leiden. „Wenn du siegst, ist das dieser unglaublich schöne, magische Moment, der sich für immer in dein Herz einbrennt. Keine Urkunde, Medaille und kein noch so großer Pokal können dieses Gefühl ersetzen“, beschreibt Petra Spatz, achtfache Weltmeisterin im Armwrestling, das überwältigende Gefühl des Siegens.

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Doch Siege im Armwrestling kommen nicht von selbst. Man muss schon bereit sein, vier bis fünf mal pro Woche hart zu trainieren, um an der Spitze mitzumischen. Dann aber stellt sich auch der Lohn ein. Wie bei der 29. Deutschen Meisterschaft, bei der der Andreas Höffner (bis 90 Kilo) den Meistertitel holte, ebenso wie Kevin Berberich in der Klasse bis 80 Kilo und Katrin Mook bei den Damen.

Konkurrenz am Wettkampf-Tisch, „klar, die ist da“, sagt Petra Spatz. Aber nach dem Kampf gibt es den freundschaftlichen Schlag auf die Schulter, Respekt und Anerkennung ohne Groll für den Sieger. „Wir sind so etwas wie eine große Familie.“ Nicht nur innerhalb des Vereins mit seinen derzeit 44 Mitgliedern. Sondern auch international. Denn Armwrestling ist „kein Massensport“, also kennt man sich auch auf internationaler Ebene gut und pflegt die Freude am gemeinsam betriebenen Sport ebenso wie die Freundschaften.

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