Bildung

Holaner haben Grund zur Freude: Kultusministerium macht Abordnung des stellv. Schulleiters vorerst rückgängig

Viel zu lachen hatten Eltern, Lehrer und Schüler der Hola in letzter Zeit nicht. Nun gibt es eine gute Nachricht, denn das Kultusministerium setzt die Abordnung des Konrektors nach Wiesbaden aus.
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Viel zu lachen hatten Eltern, Lehrer und Schüler der Hola in letzter Zeit nicht. Nun gibt es eine gute Nachricht, denn das Kultusministerium setzt die Abordnung des Konrektors nach Wiesbaden aus.

Die große Personal-Rochade an der Hohen Landesschule (Hola) ist abgewendet. Wie ein Pressesprecher des Hessischen Kultusministeriums auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigte, bleibt Helge Messner stellvertretender Schulleiter an der Hola. „Vorerst“, betont der Sprecher jedoch. Denn wann und ob Messner überhaupt nach Wiesbaden abgeordnet wird, sei derzeit unklar. „Wann sich das klären wird, kann ich heute nicht sagen“, so der Sprecher weiter. Überdies äußert er die Hoffnung, dass das Bewerbungsverfahren für die seit einem Jahr unbesetzte Schulleiterstelle an der Hola bald beendet werden könnte.

Hanau – An der Hola, dem Hanauer Gymnasium mit rund 1450 Schülern, gibt es seit einem Jahr keine Schulleitung. Noch vor einigen Wochen drohte der Weggang des Konrektors Messner, der seit Juni die Schule kommissarisch führt. Der Digitalisierungs-Experte sollte eigentlich Anfang Oktober nach Wiesbaden ans Hessische Kultusministerium abgeordnet werden. An der Hola hätte sich der Personalengpass daher besonders zugespitzt. Nun haben die Verantwortlichen reagiert, und Messner wird seinen Schreibtisch in Hanau behalten.

Fast scheint es, als hätte der öffentliche Druck Wirkung beim Kultusministerium und beim Staatlichen Schulamt Hanau gezeigt. Denn es gab nicht nur offene Briefe der Eltern- und Schülervertreter ans Kultusministerium, sondern auch Schreiben der Stadt Hanau und von politischen Parteien, die alle gegen die Abordnung Messners protestiert haben. Jüngst hat sich an der Hola in der Lehrerschaft sogar ein privates Aktionsbündnis gegründet und sich für eine Besetzung der offenen Schulleiterstellen an der Hola ausgesprochen.

Auch hinter den Kulissen wurden dem Vernehmen nach viele Gespräche geführt, unter anderem von Elternvertretern und politischen Vertretern der Stadt. Wie es scheint, mit einem ersten Erfolg, auch wenn die Besetzung der Schulleitungsstelle weiter ungeklärt bleibt.

Eine Woche zuvor hatte sich das Kultusministerium anders zu der Situation in der Hohen Landesschule Hanau geäußert

Noch vor einer Woche beantwortete die Pressestelle des Kultusministeriums unsere Presseanfragen nach dem Stand des Besetzungsverfahrens für die Hola-Schulleitung, der Anzahl der Bewerber sowie nach Konkurrentenklagen in vier knappen Sätzen: „Bitte haben Sie .(...) Verständnis, dass wir uns nach Diskussionen und auch der Berichterstattung der vergangenen Tage vorerst nicht mehr zur Schulleiterstellenbesetzung der Hohen Landesschule Hanau äußern werden. Es handelt sich weiterhin um ein laufendes Verfahren. Sobald dieses abgeschlossen ist und eine Entscheidung getroffen wurde, teilen wir dies der Öffentlichkeit mit. Wir gehen aber davon aus, dass dies bald der Fall ist.“

Auch aus internen Kreisen ist zu hören, dass es bei der Besetzung der Schulleitung „Bewegung“ gebe. Das wäre wünschenswert, immerhin ist Sabine Schaetzke, die letzte Hola-Schulleiterin, seit September 2019 nicht mehr im Amt. Die Bewerbungsfrist für die vakant gewordene Stelle ist schon Ende vergangenen Jahres abgelaufen.

Dem 120-köpfigen Hola-Kollegium fehlt nicht nur die Schulleitung, auch das Schulleitungsteam ist seit Monaten nicht komplett – und das ausgerechnet in der Corona-Krise.

Bei Abordnung von Messner wären drei von sechs Stellen in der Schulleitung unbesetzt geblieben

Sonja Litzenberger, die kommissarische Amtsleitung des Staatlichen Schulamtes erklärt auf schriftliche Nachfrage zum stark reduzierten Schulleitungs-Team der Hola: „Drei von vier Stellen im Bereich Studiendirektorin/Studiendirektor zur Wahrnehmung von Schulleitungsaufgaben sind besetzt. Die vierte Stelle ist seit April 2020 vakant. Die Ausschreibung der vakanten Stelle ist erfolgt, die Bewerbungsfrist ist abgelaufen.“ Zum Hintergrund: Normalerweise hat das Leitungsteam eines Gymnasiums einen Schulleiter, einen Stellvertretenden Schulleiter, einen Oberstufenleiter sowie drei Fachbereichsleiter (Sprachen, Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften). An der Hola gibt es keinen Schulleiter, der Stellvertreter soll nach Wiesbaden abgeordnet werden und der Fachbereich Naturwissenschaften ist seit einem halben Jahr unbesetzt. Wäre Helge Messner wie geplant nach Wiesbaden abgeordnet werden, wären drei von sechs Stellen unbesetzt geblieben.

Zwar hat das Staatliche Schulamt ab dem 1. Oktober Ingo Wintermeyer mit einer halben Stelle als kommissarischen Schulleiter eingesetzt, aber auch nur zeitlich begrenzt. Seine Abordnung sei bis 1. Februar 2021 befristet, informierte Wintermeyer, der eigentlich Schulleiter am Lichtenberg Oberstufengymnasium in Bruchköbel ist, vor einigen Tagen im Rahmen einer Versammlung des Schulelternbeirats. Er wurde an die Hola abgeordnet – so lautet der beamtenrechtliche Begriff dafür, einem Beamten an anderer Stelle eine Aufgabe zu geben. Wird jemand abgeordnet, behält er seine ursprüngliche Stelle, diese kann für die Dauer der Abordnung nicht neu ausgeschrieben und richtig neu besetzt werden.

GEW kritisiert Situation an der Hohen Landesschule Hanau

Genau in diesen Abordnungen sieht auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Main-Kinzig ein großes Problem. „Das ist keine wirkliche Personalpolitik“, sagt Anja Saling vom Vorstand der GEW und findet klare Worte für die ihrer Meinung nach „brisante Situation“ an der Hola: Die Personalentscheidung, Helge Messner mit seiner vollen Stelle nach Wiesbaden zu berufen, hätte vom Kultusministerium nicht getroffen werden dürfen. „So ist an der Hola keine Kontinuität und keine Verlässlichkeit für Eltern, Lehrer und Schüler möglich.“ Die Belastung für das Kollegium sei immens, gerade unter den Corona-Bedingungen, wo es gelte, kurzfristige Vorgaben vom Kultusministerium und Gesundheitsamt rasch umzusetzen.

Leider würden die Verantwortlichen im Schulamt und im Kultusministerium, vakante Stellen zu oft mit Abordnungen füllen, erklärt Saling. Grund sei ihrer Meinung nach der geringere Verwaltungsaufwand im Vergleich zu einer Versetzung. Um im Beispiel zu bleiben: Würde Messner nach Wiesbaden versetzt werden, würde seine Stelle an der Hola vakant und könnte neu besetzt werden, müsste nicht provisorisch von anderen Kollegen mit erfüllt werden. „Aber einer Versetzung muss unter anderem der Gesamtpersonalrat zustimmen, eine Abordnung kann einfach angeordnet werden und geht darum viel schneller“, so Saling.

Wann und ob nun der Konrektor der Hola nach Wiesbaden wechselt, bleibt vorerst unklar. Christina Hohmann vom Staatlichen Schulamt sagte gestern in Vertretung der Amtsleiterin Litzenberger dazu: „Die Abordnung von Herrn Messner wird ausgesetzt, bis die Schulleitungsstelle an der Hola wieder besetzt ist.“ Und dann? Das sei unklar, sagt Hohmann. So bleibt die Forderung der GEW und des Lehrer-Aktionsbündnis „Die Hola steht auf“ bestehen, dass es eine Versetzung des stellvertretenden Schulleiters geben sollte. Um den Weg frei zu machen für eine Neubesetzung dieser Stelle.

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