HSB will neues Rufbus-System starten

Revolution im Nahverkehrsplan? London-Taxis für Klein-Auheim

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Laut HSB-Chef Thomas Schulte soll das für Hanau innovative Rufbus-System nun doch früher starten als zuletzt erwartet. Zudem will die HSB mehr Busse einsetzen und mehr Leistungen anbieten – das kostet aber auch mehr Geld. 

Bus fahren auf Bestellung, zur gewünschten Zeit und auf flexibler Route von A nach B – schon diesen Sommer könnte diese Zukunftsvision im Hanauer Nahverkehr Wirklichkeit werden.

Hanau – Das Konzept „Bus on Demand“ steht im Entwurf des neuen lokalen Nahverkehrsplans (NVP), der laut Stadtrat Thomas Morlock (FDP) bereits den Magistrat passiert hat und jetzt zur Beratung in die Gremien geht. Versuchsfeld für den neuen Service soll zunächst Klein-Auheim sein.

Die Idee ist nicht ganz neu, funktioniert laut Thomas Schulte, Geschäftsführer der Hanauer Straßenbahn GmbH (HSB), bereits in Städten wie Duisburg, München und Berlin. Unter dem Titel Anruf-Sammeltaxi (AST) hat sich ein ähnliches System für verkehrsschwache Zeiten und Gegenden auch in der Region bewährt. Im Unterschied zum AST sollen die Demand-Busse aber nicht auf festen Routen fahren, die Tour entsteht jeweils bedarfsorientiert entlang von regulären Haltestellen und so genannten Points of Interest wie etwa Einkaufszentren oder Arztpraxen.

Rufsystem in Klein-Auheim

Fahren sollen handelsübliche Neunsitzer-Kleinbusse oder schwarze London-Taxis, die in der Startphase zunächst einmal den Binnenverkehr zwischen Klein- und Großauheim abdecken. Über ein solches Rufsystem für Klein-Auheim hatte zuerst unsere Zeitung berichtet. Dann hieß es, die Einführung werde noch länger dauern. Nun kommt sie offenbar schneller als erwartet.

Nutzer buchen ihre Verbindung online oder per Telefon. Einen Mehrwert für die Auheimer Kunden erhoffen sich Schulte und die Planer der Lokalen Nahverkehrsorganisation (LNO), einer HSB-Tochter, von der Kopplung mit einem gleichlaufenden Experiment, das die Nachbarn im Kreis Offenbach im angrenzenden Bereich Seligenstadt/Hainburg/Mainhausen angeschoben haben. Mit der dortigen Kreisverkehrsgesellschaft (KVG) laufe eine intensive Abstimmung, so Schulte. Funktioniere der Versuch, könnten nach und nach auch andere Hanauer Randbereiche mit der Nachbarschaft vernetzt werden. 

HSB-Chef Thomas Schulte

Gedacht ist das neue Angebot ausdrücklich nicht nur als Notnagel für verkehrsschwache Zeiten, sondern auch als Kompensation für Umschichtungen im Hanauer Liniennetz. So soll die HSB-Buslinie 6 außer im Schülerverkehr künftig nicht mehr bis Klein-Auheim, sondern nur noch bis zur Großauheimer Waldsiedlung fahren. Für große Omnibusse sei der Bedarf auf dieser Strecke einfach zu gering, bekräftigte der HSB-Chef erneut.

Abstriche macht der neue NVP auch an anderer Stelle im Stadtgebiet: Die Linie 9 fährt nicht mehr bis zur Hohen Tanne, sondern biegt am Beethovenplatz Richtung Westen ab. Die Linie 3 fährt künftig nicht mehr durch das Hafengebiet.

ÖPNV in Hanau: Mehr Spätfahren auch am Wochenende

Mit mehr Fahrten angebunden werden soll dagegen der Hanauer Westen mit Kesselstadt, wo die Verkehrsplaner noch Fahrgastpotenziale sehen. Mit zusätzlichen Linien und dichteren Takten deutlich gestärkt wird zudem das Verbindungsnetz im Bereich Großauheim/Wolfgang. Laut Schulte und Morlock hat das vor allem mit den neuen Wohnvierteln auf Konversionsflächen dort und Zuwächsen bei Industrie- und Gewerbe zu tun. Mittelbuchen mit seinem riesigen Neubaugebiet kann ebenfalls mit mehr Nahverkehrsangeboten rechnen.

Weitere Akzente setzt der neue NVP, der bereits am 17. Juni in der Stadtverordnetenversammlung beraten werden und nach seiner Verabschiedung bis 2023 gelten soll, unter anderem mit einer generellen Ausweitung der Hauptverkehrszeit mit dichteren Takten und größeren Fahrzeugen bis 19 Uhr und mit mehr Spätfahrten zu den Wochenenden hin.

Geplant ist auch eine weitere Schellbuslinie über Pioneer-Gelände und Fraunhofer-Science-Park. Der fortgeschriebene NVP sei nur ein Rahmen und noch keine konkrete Fahrplanung, stellte Thomas Schulte klar. Soweit Neuerungen auf den Linien anstünden, träten diese nach aktueller Planung mit dem Fahrplanwechsel Ende dieses Jahres in Kraft.

Insgesamt will die HSB ihren Kunden zusätzliche Leistungen von 260 000 Kilometern jährlich anbieten, neun Prozent mehr als bisher. Benötigt würden dafür vier bis fünf zusätzliche Busse und bis zu zwölf neue Mitarbeiter. Der jährliche Zuschussbedarf soll laut Kalkulation von zuletzt 3,9 auf dann 4,3 Millionen Euro steigen.

VON OLIVER KLEMT

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