Beatrix von Storch in Hanau

Protest gegen AfD: Lautstark und friedlich

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Eine „Bannmeile“ von rund zehn Metern trennte die Demonstranten gegen die AfD von deren Sympathisanten. Mit Sprechchören und Plakaten kritisierten Hunderte Rassismus und Nationlismus in der AfD.

Steinheim -  Mit lautstarkem, aber friedlichem Protest begleiteten gestern Abend rund 250 Demonstranten eine Kundgebung der Alternative für Deutschland (AfD) in der Steinheimer Kulturhalle. Von Dirk Iding

Dort hatten sich etwa ebenso viele Anhänger der Partei versammelt, um unter anderem Beatrix von Storch, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der AfD im Bundestag, zu hören.
Zu der Gegenkundgebung hatte unter anderem der DGB Südosthessen aufgerufen. In Sprechchören wie „Es gibt kein Recht auf Nazi-Propaganda“ oder „Ob Ost, ob West - nieder mit der Nazi-Pest“ und Plakaten kritisierten die Demonstranten rassistische und nationalistische Tendenzen innerhalb der AfD. Sprecher mehrerer Gewerkschaften, von Bündnissen gegen Rechts und antifaschistischen Gruppen zogen dabei immer wieder Parallelen zum aufkeimenden Nationalsozialismus in den 30er-Jahren, der in die Verfolgung und Vernichtung von Millionen Menschen und in den Weltkrieg geführt habe. Deshalb gelte es heute, sich Rassismus, Ausgrenzung und Spaltung der Gesellschaft frühzeitig entgegenzustellen, war der Tenor mehrerer Reden.

Zuhörer, die in die Kulturhalle kamen, wurden mit „Nazis raus“-Sprechchören begleitet, dafür revanchierten sich einige von ihnen mit provozierenden Gesten in Richtung Demonstranten.

Ein stattliches Polizeiaufgebot sorgte dafür, dass sich AfD-Sympathisanten und Gegendemonstranten nicht zu nahe kamen. Zwischen Kulturhalle und Straße wurde ein etwa zehn Meter breiter Streifen zur „Bannmeile“ erklärt, die für beide Seiten Tabu war. So mussten AfD-Ordner, die einen Dreiecksständer der Partei dort aufstellen wollten, diesen sofort wieder wegräumen.

Derweil ließ Beatrix von Storch ihre Anhänger lange warten. Mit fast einstündiger Verspätung begann die Kundgebung. Von Storch hatte durch einen Nebeneingang die Halle betreten, da hatten sich die meisen der Demonstranten, die immerhin fast zwei Stunden in der prallen Sonne ausgehalten hatten, bereits auf den Heimweg gemacht.

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Derweil gab Alexander Tassis, AfD-Bundestagsabgeordnete und Historiker, in der gut gefüllten Kulturhalle zur Eröffnung der Veranstaltung sein Verständnis von der deutschen Geschichte zum Besten und vereinnahmte dafür auch Graf von Stauffenbergs letzte Worte „Es lebe das heilige Deutschland“ für seine krude Geschichtsdeutung.

Auch der Hanauer AfD-Landtagskandidat Walter Wissenbach bezog sich auf das historische Datum des gescheiterten Hitler-Attentats und schlug einen Bogen zum Widerstands-Paragrafen Artikel 20 IV im Deutschen Grundgesetz. Der sei so einschränkend formuliert, dass es de facto kein Recht auf Widerstand gebe. Dîe AfD leiste aber Widerstand gegen jedes „Weiter so“, erklärte Wissenbach. Man müsse Widerstand leisten, wenn die Bundesregierung das hart erarbeitete Geld der Steuerzahler „rechtswidrig“ verschwende. Als Beispiel nannte Wissenbach die Griechenland-Rettung.

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Beatrix von Storch nutzte ihren Auftritt für einen in weiten Teilen polemischen Parforceritt durch aktuelle Themen. Sie schlug einen Bogen vom UN-Migrationspakt ( „Es gibt kein Recht auf Migration. Es gibt ja auch kein Recht in meine Wohnung einzuziehen.“) über Pro Asyl („Das sind die Asyltourismus-Reiseleiter“) bis hin zum EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker („Jeder in Brüssel weiß, dass der ein Alkoholiker ist“). Von Storchs Polemik stieß auf große Begeisterung.

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