Corona-Pandemie

Hygieneteam in Hanau kontrolliert regelmäßig die Einhaltung der Corona-Regeln

Im Gespräch mit der Leiterin eines Cafés, in dem es keinen Grund zu Beanstandungen gibt: Uwe Niemeyer und die Stadtpolizisten Andreas Gärtner und André Komander (rechts). Elf der 23 Stadtpolizisten sind im Bereich Sicherheit und Ordnung tätig, die übrigen in der Verkehrsüberwachung.
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Im Gespräch mit der Leiterin eines Cafés, in dem es keinen Grund zu Beanstandungen gibt: Uwe Niemeyer und die Stadtpolizisten Andreas Gärtner und André Komander (rechts). Elf der 23 Stadtpolizisten sind im Bereich Sicherheit und Ordnung tätig, die übrigen in der Verkehrsüberwachung.

Im Rahmen der Corona-Krise ist ein Hygieneteam in Hanau unterwegs um die Einhaltung der Pandemieauflagen zu überprüfen. Wir haben sie begleitet.

Hanau - Im Laufe der Kontrolle werden die Worte von Uwe Niemeyer zunehmend deutlicher, der Ton strenger. Denn das, was er vorfindet, gefällt ihm immer weniger. Erst die Bedienung ohne Mundschutz, dann ein wüstes und völlig unvollständiges Sammelsurium von Zetteln, auf denen die Daten der Gäste festgehalten sind. Die Datensammlung ist Vorschrift in Corona-Zeiten. Aber nicht so. In dem kleinen Schnellrestaurant in der Innenstadt wird das offenbar äußerst lax und lückenhaft gehandhabt. Und der Betreiber zeigt wenig Einsicht. „Wir sind nicht hier, um sie zu ärgern, sondern es geht um Sicherheit“, sagt Uwe Niemeyer vom städtischen Hygieneteam bei der Kontrolle.

In dem Gastrobetrieb, der auf ganz eigene Art zur Zettelwirtschaft geworden ist, lag schon vor sechs Wochen bei einer Kontrolle in Sachen Corona-Regeln einiges im Argen, berichtet Niemeyer. Darum setzt es diesmal ein Bußgeld. 50 bis 200 Euro können allein für den fehlenden Mundschutz fällig werden. Und der wiederholte Verstoß gegen die Pflicht zur vierwöchigen Sammlung der Gästedaten in Lokalen kann gar einige hundert Euro kosten, schätzen die Stadtpolizisten Andreas Gärtner und André Komander, die Niemeyer gestern Mittag beim Kontrollgang begleiten. Der Fall wird ans Kreisgesundheitsamt weitergegeben, das letztlich das Bußgeld verhängt.

Stadtpolizei Hanau führt seit Mitte März Kontrollen durch

Seit Mitte März hat die Stadtpolizei in Hanau insgesamt 1548 Corona-Kontrollen durchgeführt, berichtet Marco Aprigliano beim Vorgespräch in der Wache der Stadtpolizei im Rathaus. 166 schwere Verstöße wurden dem Gesundheitsamt gemeldet. 91 davon betrafen Privatpersonen, der Rest Gewerbebetriebe. Das Spektrum reicht von Verstößen gegen das Kontaktverbot in der Anfangsphase des Lockdowns bis zur Missachtung der Maskenpflicht bei Friseuren. Letzteres sei gar nicht so selten, sagt Aprigliano.

Vieles, was die Kontrolleure bemängeln, lässt sich hingegen schnell regeln. Ohne offiziellen Papierkram. Wie gestern zu Beginn des Kontrollgangs von Niemeyer, Gärtner und Komander in der Innenstadt. Auf dem Wochenmarkt, wo nach wie vor auch ein von der Stadt beauftragter privater Sicherheitsdienst nach dem Rechten sieht, winken die Stadtpolizisten einen jungen Mann heran, der auf einem Cityroller unterwegs ist – ohne Mundschutz. Nach einer Rüge setzt er ihn prompt auf. Ebenso zwei Frauen, die von einer Mitarbeiterin des Sicherheitsdienstes und den Stadtpolizisten auf die Maskenpflicht hingewiesen werden. Im ersten kontrollierten Laden in der Innenstadt ist dann kaum etwas zu bemängeln. Die Gästelisten werden sauber geführt. Nur auf die Abstände der Kunden an der Verkaufstheke müsse besser geachtet werden, sagt Niemeyer.

Lob von der Stadtpolizei Hanau

Im nächsten Gastronomiebetrieb gibt es gar ein „Das gefällt mir“ als Kommentar vom Kontrolleur. Die säuberlich geordneten Personendaten der Gäste sind in diesem Fall rasch zur Hand, und alle vom Personal tragen Mundschutz. „Wir loben auch“, sagt der Mann vom Hygiene-Team. Auch bei der nächsten Kontrollstation, einem Lokal in einer Seitenstraße in der Innenstadt, gibt es dafür allen Grund. Alles prima, die Gästelisten sind akkurat geführt.

Auf die Gästelisten der Gastronomiebetriebe legen die Kontrolleure ein besonderes Augenmerk.

Seit Wiedereröffnung der Gastronomie hätten die Kontrollteams einen besonderen Fokus auf die vorgeschriebenen Gästelisten gelegt, heißt es vom Hygieneteam und der Stadtpolizei. Schließlich gehe es darum, im Falle einer Covid-Erkrankung etwa einer Bedienung die möglichen Kontaktpersonen schnell aufzuspüren, erläutert Uwe Niemeyer. Gastronomen berichten freilich, dass immer mal wieder Gäste gegen die Datensammlung opponieren. Auch eine gestern kontrollierte Café-Betreiberin erzählt das. Jemand, der in einem Gastronomiebetrieb etwas an einem Tisch konsumieren möchte, seine Personenangaben aber nicht hinterlassen will, „darf nicht Ihr Gast sein“, erklärt Uwe Niemeyer der Betreiberin.

Seit Ende Juni gibt es gemeinsame Kontrollen der Stadtpolizei Hanau und des Hygieneteams

Seit 23. Juni gibt es gemeinsame Kontrollgänge von Mitgliedern des Hygieneteams und der Stadtpolizei – anfangs täglich, mittlerweile drei- bis viermal pro Woche. „Manchmal sind Betriebe, bei denen man es nicht vermutet, in Sachen Corona-Regeln bestens geführt“, sagt Niemeyer. Und manchmal sei es genau umgekehrt.

Gestern gab es auch für den Kontrolleur eine Überraschung. Ein kleiner Friseurladen am Rand der City hält sogar Einweg-Frisierumhänge für seine Kunden parat. Aus hygienischer Sicht vorbildlich. Und nach dem Bußgeldverfahren im Schnellrestaurant davor ist das dann wieder ein Grund für ein Lob aus berufenem Mund.

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