Start mit zwei Klassen

Im August will die Waldorfschule in Hanau den Betrieb aufnehmen

Das Lehrerkollegium der künftigen Waldorfschule Hanau um Schulleiter Professor Christian Kast stellte sich interessierten Eltern vor und beantwortete Fragen.
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Das Lehrerkollegium der künftigen Waldorfschule Hanau um Schulleiter Professor Christian Kast stellte sich interessierten Eltern vor und beantwortete Fragen.

Seit 1984 besteht der Waldorfkindergarten im Gebäude der ehemaligen Geibel-Schule an der Philippsruher Allee.

Hanau – Noch dieses Jahr soll es außerdem eine Freie Waldorfschule nach der Pädagogik von Rudolf Steiner geben, die zum Schuljahresbeginn 2020/21 den Betrieb aufnehmen will – mit mindestens zwei Jahrgängen.

Bei einem Info- und Schnuppernachmittag konnte Dr. Gundula Pfältzer, Mitglied der Gründungsinitiative Freie Waldorfschule Hanau, zahlreiche Eltern und Kinder in Räume des Kindergartens begrüßen. Es ging darum, sich auszutauschen, Lehrer kennenzulernen und Fragen zu stellen. Gleichzeitig durften Mädchen und Jungen in vier Schulfächer hineinschnuppern, um eine Idee davon zu erhalten, wie etwa der Hauptunterricht, Englisch, Spanisch oder Handarbeit an der Waldorfschule stattfinden.

Unterricht im Sinne der Waldorfpädagogik unterscheidet sich deutlich vom Unterricht an einer staatlichen Grundschule. Dennoch würden die Kinder den Wissensstand entsprechend dem vorgegebenen Lehrplan erreichen und auf die jeweiligen Schulabschlüsse vorbereitet, sagte Professor Christian Kast, Leiter der Freien Waldorfschule Hanau.

Ab dem ersten Schuljahr werde täglich Englisch und Spanisch unterrichtet, erläuterte Kast, der mit Lehrerfahrung in Deutschland, Österreich und Kanada zur Waldorfpädagogik gewechselt ist, zeigte sich von der Stärke und dem Engagement der Initiative überzeugt. Man habe sehr schnell das Konzept umsetzen können.

Unterrichtet werden die Kinder nicht in einem 45-minütigem Stundenplan, sondern die Einteilung des Lehrinhalts erfolge in vier- bis sechswöchigen Epochen. Die Inhalte seien aufeinander abgestimmt und gingen ineinander über. Freude am Lernen wolle man rauskitzeln, auch über das bildhafte Tun. Die Neugier solle im Kind geweckt werden, Leistungsdruck müsse nicht sein.

Nach Frage der Eltern wurden einige Kernpunkte skizziert:

  • Auch wenn nicht im 45-Minuten-Takt unterrichtet wird, liege der Lehrplan zugrunde. Die Kinder auf der Waldorfschule hätten das nötige Wissen, um, auf weiterführende Schulen zu wechseln.
  • Auch wenn es keine Noten in den Zeugnissen gäbe, würden die Waldorfschüler in Abschlussprüfungen durch externe Fachkräfte gut bestehen. Schüler, die wechseln, erhalten ein Zeugnis mit Noten.
  • Zur Perspektive am Standort Hanau sagte Kast erläuternd, dass alle Abschlüsse an der Freien Waldorfschule geplant seien. Kinder, die dieses Jahr eingeschult würden, könnten bis zum Abitur bleiben. Kinder, die auf eine andere Schule wechseln wollen, erhalten ein entsprechendes Zeugnis.
  • Unterricht findet von 8 bis 12 Uhr statt. Eine Betreuung vor und nach dem Unterricht richte sich nach dem Bedarf, der von den Eltern nachgefragt werde. Betreuungszeiten wie auch das Mittagessen sollen Eltern individuell buchen können.
  • Hausaufgaben werden in der Regel am Nachmittag in der Schule gemacht, über ein Hausaufgabenheft sowie über persönliche Gespräche hielten die Lehrer Kontakt zu den Eltern, so Kast.

Derzeit sind 14 Kinder in der ersten und acht Kinder für die dritte Klasse angemeldet. Anmelden können Eltern ihre Kinder bis 1. März, auch ein Quereinstieg in Klasse zwei sei möglich, heißt es.

In der Waldorfschule gehen die Fächer quasi ineinander über. In der Regel seien zwei Lehrer in den Klassen anwesend, wurde beim Infonachmittag erläutert, ein Hauptlehrer und eine Assistenzkraft.

Die Freie Waldorfschule Hanau hat für maximal fünf Jahre an der Brüder-Grimm-Straße einen Standort gefunden. Unterrichtet wird dort in Holzpavillons in einfacher modularer Bauweise. Die Pavillons sollen am endgültigen Standort weitergenutzt werden.

Erfreut zeigte sich Schulleiter Kast auch darüber, dass die Schule mit einem jungen Lehrerkollegium starten könne. „Wir sind sehr gut bestückt. Ich hätte 28 Lehrer sofort einstellen können.“ Man werde ganz sicher mit zwei Klassen starten, ideal wären 18 Kinder pro Klasse, so Kast.

Perspektivisch wolle man in Hanau auf einem anderen Gelände einen Schulbau nach anthroposophischen Grundsätzen – natürliche Formen und Materialien – errichten.

Je nach Bedarf und Nachfrage will die Waldorfschule eine optionale Betreuung der Kinder vor und nach dem Schulunterricht mit Mittagessen anbieten, ebenso Betreuung in den Ferien.

Sehr zufrieden mit der Resonanz auf den Infonachmittag zeigten sich auch Dr. Gundula Pfältzer und Boris Henn, Finanzvorstand des Waldorfschul- und Kindergartenvereins Hanau. „Das Konzept wird weiterentwickelt“, sagte Henn.

VON ULRIKE PONGRATZ

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