Mobilität im Zentrum 

Industriepark Wolfgang – Innovations-Fabrik von Hanau

In einer Chemieanlage zum Lernen zeigt Ralf Scharf, wie sie bedient wird. Das Unternehmen Evonik nutzt auch die Digitalisierung, um seine Auszubildenden zu unterrichten. Fotos: Marc Kuhn
+
In einer Chemieanlage zum Lernen zeigt Ralf Scharf, wie sie bedient wird. Das Unternehmen Evonik nutzt auch die Digitalisierung, um seine Auszubildenden zu unterrichten. Fotos: Marc Kuhn

Im Industriepark Wolfgang in Hanau wird Innovation großgeschrieben. Dazu gehört ein 3D-Metallteile-Drucker ebenso wie ein Tablet als digitales Lernmedium für die Azubis.

  • Innovationen in Hanau
  • Industriepark Wolfgang umfasst 5500 Beschäftigte
  • Größter Arbeitgeber ist Evonic

Hanau – Mobilität ist für Kerstin Oberhaus ein wichtiges Thema. Betritt man ihr Büro, fällt der Blick zuerst auf ein Klappfahrrad in den Unternehmensfarben, das ihr Mitarbeiter geschenkt haben. Mit ihm ist sie oft im Industriepark Wolfgang in Hanau unterwegs. „Das macht Spaß und setzt ein Zeichen, denn alternative Mobilitätskonzepte haben auch für die Mitarbeiter einen zunehmend hohen Stellenwert“, erklärt die Chefin des Evonik-Standorts. 

Industriepark Wolfgang in Hanau: Mit Shuttlebus und WLAN unterwegs

Vor diesem Hintergrund pendelt seit kurzem ein Shuttle-Bus zwischen dem Chemiepark Marl, dem größten Standort von Evonik, und dem Industriepark Wolfgang. „Er ist mit WLAN ausgestattet“, berichtet Oberhaus und verkehrt zweimal wöchentlich. Er wird von Mitarbeitern genutzt, die regelmäßig Termine an beiden Standorten wahrnehmen. Sie müssen nun nicht mehr selbst fahren und können die Reisezeit zum Arbeiten nutzen. Zudem können Kollegen über das neue Pendler-Portal nach Mitfahrgelegenheiten suchen.

Im 820 000 Quadratmeter großen Industriepark Wolfgang arbeiten rund 5500 Menschen. Etwa 1300 von ihnen sind in der Forschung und Entwicklung tätig. Mit 3500 Mitarbeitern ist Evonik das größte Unternehmen vor Ort.

Am Standort gibt es etwa 240 Auszubildende, die Evonik für den eigenen Bedarf, aber auch für andere am Standort ansässige Firmen ausbildet. Ralf Scharf ist unter anderem zuständig für die Ausbildung der Chemikanten, die dreieinhalb Jahre den Beruf erlernen. Er berichtet, dass Evonik auch immer intensiver auf die Digitalisierung bei der Wissensvermittlung setzt. So erhalten die jungen Leute ein Tablet als digitales Lernmedium. 

Das vor einiger Zeit eingeführte Tablet werde sehr gut angenommen, erläutert Scharf. Im Rahmen einer speziellen Ausbildungssoftware werden die Arbeitsabläufe des Ausbildungstechnikums beschrieben und dreidimensional dargestellt. So kann der angehende Chemikantennachwuchs selbst komplexe Produktionsprozesse per Mausklick auf den Bildschirm darstellen. Auch die Simulation von Fehlern gehört zum Übungsprogramm.

Hanau: Hightech im Industriepark Wolfgang– dank 3D-Metallteile-Drucker

Innovativ geht es auch bei Johannes Ehrlich aus dem Bereich Technischer Service zu. Seit gut einem Jahr steht in seiner Spezialapparate-Werkstatt ein 3D-Metallteile-Drucker. Er ist fast rund um die Uhr in Betrieb. Mittels sogenannter additiver Fertigung werden auf Basis von digitalen 3D-Konstruktionsdaten lagenweise Bauteile aufgebaut. Schicht für Schicht wird das Metallpulver aufgetragen – ein Laser erhitzt nach und nach das zu verschmelzende Material.

Produkte, die mit einem 3D-Metallteile-Drucker hergestellt wurden, zeigt Johannes Ehrlich von dem Evonik-Bereich Technischer Service.

„Wir stellen im 3D-Metallteiledrucker maßgeschneiderte Anlagenkomponenten wie Reaktoren, Brennerdüsen oder Druckbehälter her. Mit dieser Vorgehensweise sparen unsere Partner Zeit und Geld, da sie nicht mehr wochenlang auf kostenintensive, konventionell gefertigte Bauteile warten müssen“, sagt Ehrlich. Die Investition von über 500 000 Euro wird sich nach ein bis zwei Jahren gerechnet haben.

Nach den Worten von Standortleiterin Oberhaus investiert Evonik auch in den Standort. So werden hier Anfang des Jahres die globalen IT-Aktivitäten des Spezialchemie-Konzerns gebündelt. Ein Investor baut vor den Toren des Industrieparks ein Bürogebäude, in das die rund 300 Mitarbeiter von den Standorten Frankfurt und Darmstadt im Frühjahr einziehen werden.

Stolz ist Oberhaus auch auf das neue Gesundheitszentrum mit Fitnessstudio und Physiotherapiepraxis. Seit der Eröffnung vor gut einem Jahr hätten sich rund 500 Kollegen in dem Studio angemeldet. So hätten die Mitarbeiter im Industriepark kurze Wege zu Physioanwendung und einem umfangreichen Fitnessangebot.

Evonic in Hanau: Schwerpunkt vor allem auf Innovation

Ein weiterer Schwerpunkt von Evonik in Hanau liegt auf der Entwicklung von innovativen Produkten, wie Oberhaus sagt. So werden im Industriepark Wolfgang unter anderem Wirkstoffe für die Pharmaindustrie hergestellt. Sie kommen beispielsweise bei Krebsmedikamenten und leichten Betäubungsmitteln zum Einsatz. Zudem wird Wasserstoffperoxid produziert, das unter anderem in Desinfektions- und Bleichmitteln zum Einsatz kommt. Auch der mehrfach ausgezeichnete Dämmstoff Calostat wird in Hanau hergestellt.

Im Industriepark sind aber auch Firmen beheimatet, die einst zu Degussa gehörten, einem Vorgängerunternehmen von Evonik. Zu ihnen gehört Dentsply Sirona, das unter anderem Implantate herstellt. Oder Umicore, ein Spezialist für Autoabgaskatalysatoren und Brennstoffzellentechnologie. Im Industriepark ist auch die Firma Ferro ansässig. Sie produziert beispielsweise Edelmetallpulver, die für Sensoren zur Messung der Abgastemperaturen eingesetzt werden.

Mittlerweile wird der Standort sehr unterschiedlich genutzt. Dabei war er 1875 als königlich preußische Pulverfabrik gestartet. 1919 wurde er als Kunstlederfabrik weitergeführt, bevor 1933 Degussa ihn erwarb und diese Produktion bis in die 70er-Jahre weiterführte. 2001 wurde der Industriepark Wolfgang gegründet. 2007 ging Degussa in Evonik auf. Im Jahr 2010 wurde schließlich der Evonik-Standort Frankfurt nach Wolfgang verlagert.

VON MARC KUHN

Hightech aus Hanau „erobert“ das Weltall: Gleich zwei Evonik-Produkte, die ihren Ursprung im Industriepark Wolfgang in Hanau haben, werden an entscheidender Stelle in der Raumfahrt eingesetzt. Und die Firma Evonic zeigte bei den Tagen der Industriekultur im Industriepark Wolfgang in Hanau einen speziellen Beton, der sich selbst heilt

Mit dem Wohnquartier Pionierpark, das auf dem Gelände der früheren US-amerikanischen Pioneer-Kaserne im Stadtteil Wolfgang entsteht und einmal bis zu 5000 Menschen beherbergen soll, will die Stadt Hanau in mehrfacher Hinsicht Maßstäbe setzen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare