Ausstellung „Leben im Krieg“

„Es ist an uns, den Frieden für die Zukunft zu sichern“: Ausstellung im Schloss Philippsruhe

Dave Eisele vom US-Veteranenverband in Scranton nahm eine Gedenktafel für Piloten der US-Army entgegen, die nach ihrem Abschuss von den Nazis in Hanau ermordet wurden.
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Dave Eisele vom US-Veteranenverband in Scranton nahm eine Gedenktafel für Piloten der US-Army entgegen, die nach ihrem Abschuss von den Nazis in Hanau ermordet wurden.

Das Interesse an der Sonderausstellung „Leben im Krieg – Perspektiven auf Hanau im zweiten Weltkrieg“ im Museum Schloss Philippsruhe war bereits bei der Eröffnung am Sonntag groß. 

  • Ausstellungseröffnung in Hanau
  • Museum Schloss Philippsruhe zeigt „Leben im Krieg“
  • Schweigeminute für die Opfer des rassistischen Anschlags 
Hanau - Weit mehr als 100 Gäste füllten die Friedenskirche nahe des Schlosses, wohin die Ausstellungseröffnung wegen des Andrangs verlegt worden war.

Und die fand unter beachtlichem Polizeischutz statt. Denn sowohl der stellvertretende amerikanische Generalkonsul David Elmo als auch die französische Generalkonsulin Pascale Trimbach nahmen an dem Ereignis teil, das natürlich auch unter dem Eindruck der rassistisch motivierten Morde vom 19. Februar in Hanau stand.

Ausstellung in Hanau: Gedenken an die Opfer des rassistischen Anschlags

„Seit letzter Woche ist unser Hanau nicht mehr die Stadt, wie wir sie kannten,“ stellte Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck (SPD) in ihrer Begrüßung nach einerSchweigeminute für die Opfer des Anschlages fest. Sie äußerte ihre und aller „Bestürzung über diesen Akt der Menschenfeindlichkeit“ und dankte für die vielen Solidaritätskundgebungen, mit denen auch von weit über die Hanauer Stadtgrenzen hinaus Mut und Solidarität zugesprochen werde. Rechte Gewalt und Rassismus seien – wieder einmal – zur realen Bedrohung für die freiheitliche Demokratie geworden, so Funck. „Niemand kann mehr wegschauen angesichts dieses schleichenden Gifts.“ Und insofern komme die Ausstellung „Leben im Krieg“ zum richtigen Zeitpunkt, eröffne neue Chancen, sich der Wahrheit „zu nähern.“

Der stellvertretende amerikanische Generalkonsul David Elmo zeigte sich beeindruckt von der Ausstellung. Fotos: Kögel

Ausstellung in Hanau: Für die Zukunft Frieden sichern

Zu dieser Wahrheit gehören auch die Morde an drei abgeschossenen US-Fliegern am 17. Februar 1945. Seit zwei Wochen erinnert eine Gedenktafel am Behördenhaus am Freiheitsplatz an die Morde. Am Sonntag konnte Dave Eisele vom Veteranenverband in Scranton, USA, wo sich das Grab eines der Opfer, Joseph Eugene Prokop, befindet, die zweite Gedenktafel in der Friedenskirche entgegennehmen, die er mit in seine Heimat nehmen wird. Eisele dankte für diese Erinnerungsarbeit. Denn es sei wichtig, sich zu erinnern. Vor allem auch für die zukünftigen Generationen. „Je mehr wir über diese Zeit wissen, umso besser,“ befand auch der stellvertretende Generalkonsul Dave Elmo. Denn nur mit dem Wissen um die Vergangenheit sei eine Perspektive zu schaffen. „Und es ist an uns, den Frieden für die Zukunft zu sichern.“

Ausstellung in Hanau: Neuen Zugang zur Geschichte entwickeln

Gerade für kommende Generationen, die nicht mehr zugreifen könne auf die authentischen Berichte von Zeitzeugen, sei es wichtig, eine neue Form des Zugangs zur Geschichte zu entwickeln, betonte Michael Sprenger vom Geschichtsverein, der maßgeblich an der Entstehung der Ausstellung beteiligt war. Die Ausstellung „Leben im Krieg“ mit ihren unterschiedlichen Perspektiven auf das Alltagsleben der Menschen sei „ein gelungener Brückenschlag“ genau in diesem Sinne, so Sprenger.

Ausstellung in Hanau: Viele Bezüge zur Gegenwart

Und so seien es auch „die kleinen Dinge“ gewesen, denen man sich bei der Entwicklung der Ausstellung besonders intensiv gewidmet habe, betonte Kuratorin Dr. Victoria Asschenfeldt. Und dabei zeigten sich mitunter auch interessante Bezüge zur Gegenwart. Immerhin belegen rund 500 von Hanauer Schülern beantworteten Fragebogen ebenso das Interesse an der damaligen Zeit wie die Beteiligung einiger Partnerstädte, die ebenfalls Inhaltliches zur Ausgestaltung der Ausstellung beitrugen.

Die Ausstellung im Schloss Philippsruhe ist dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet, Termine für Führungen oder Begleitprogramme können im Internet unter www.museen-hanau.de eingesehen werden.

VON DIETER KÖGEL

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