Sanierung im Grünen

300 Jahre alt: Jagdschlösschen des Forstamts wird renoviert

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Das im Jahr 1715 erbaute Gebäude diente dem Grafen von Hanau-Lichtenberg als Jagdschlösschen.

Wolfgang - Einen schöneren Arbeitsplatz kann man sich kaum wünschen: Ein Jagdschlösschen mitten im Wald. Doch momentan wird die Idylle durch Renovierungsarbeiten gestört. Von Sebastian Schilling 

Spaziergänger und Radfahrer, die öfter in der Bulau unterwegs sind, kennen es: Das romantische Forstamt, das einst ein kleines Jagdschlösschen der Hanauer Landgrafen war. Wer sich aus Richtung der Rodenbacher Chaussee nähert, passiert zunächst die malerische Ruine des Klosters Wolfgang, bevor der Weg eine Biegung macht und der Blick über eine Waldlichtung auf das Kleinod fällt – eine märchenhafte Szenerie.

1715 wurde das Jagdschlösschen von Johann Reinhard III., dem letzten Graf von Hanau-Lichtenberg erbaut und diente als Ausgangs- und Sammelpunkt bei Jagden. „Vermutlich hat man sich hier getroffen, umgezogen und gegessen,“ sagt Forstamtsleiter Christian Schaefer. Das Ausrichten von Jagdgesellschaften war damals Mode unter den Adligen. Für ein großes Jagdschloss hatten die Hanauer Adligen allerdings kein Geld, weswegen das Jagdschlösschen kleiner ist, als vergleichbare Bauten aus dieser Zeit.

Lange diente das Schlösschen ohnehin nicht dem Plaisir der Bessergestellten. Ab 1868 wurde es als Oberförsterei genutzt. „Kurhessen war seit 1866 preußische Provinz. Die Preußen haben angefangen, den Wald zu bewirtschaften,“ erklärt Schaefer.

Zu der Zeit war es Mode, Jagden zu veranstalten und dafür ein repräsentatives Gebäude zu nutzen.

Seither wurde am ehemaligen Jagdschlösschen immer wieder gebaut. So wurde die Grundfläche des Gebäudes durch einen Anbau etwa verdoppelt. Wann das geschah, weiß Schaefer nicht. Zu erkennen war die Erweiterung erst, als man den Putz von den Außenwänden entfernte, wie gerade geschehen. Denn das Gebäude muss renoviert werden. Dabei kamen auch Fenster zum Vorschein, die irgendwann zugemauert worden sind. „Wahrscheinlich hat man mehr Stellfläche gebraucht“, vermutet Schaefer. Deutlich zu erkennen sind die unterschiedlichen Materialien, die bei den früheren Renovierungs- und Umbauarbeiten verwendet wurden. „Man erkennt völlig unterschiedliche Bauabschnitte und Maßnahmen.“ Mal sind die Wände mit Ziegelsteinen gemauert, dann wieder in Fachwerkbauweise ausgeführt. „Man hat genommen, was gerade da war,“ sagt der Oberförster.

Bilder: Keramikmarkt in Hanau

Nun werden im Jagdschlösschen neue Elektroleitungen und Datenkabel verlegt. Die Sanitäranlagen und Fußböden werden erneuert und das Gebäude wird denkmalschutzgerecht isoliert. Noch ist davon allerdings wenig zu sehen. Außen und innen sind die Wände noch unverputzt, Böden und Decken liegen frei. „Das wir hier im nächsten April wieder einziehen, können wir uns selbst noch nicht vorstellen“, sagt Schaefer. Momentan sind die Mitarbeiter des Forstamtes in einem Gebäude auf dem Fliegerhorst in Erlensee untergergebracht.

Der Forstamtsleiter schätzt, dass die Renovierung eine „knappe Million Euro“ kosten wird. Bezahlt werden die Arbeiten vom Landesbetrieb Hessenforst, dem das ehemalige Jagdschlösschen gehört. Christian Schaefer freut sich jedenfalls schon darauf, sein renoviertes Büro zu beziehen. Denn der Arbeitsplatz mitten im Wald„ist viel schöner, als in einem Bürogebäude irgendwo in der Stadt,“ so der Oberförster.

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