„Keine Lust mehr auf Opposition“

Hanauer CDU setzt auf bewährte und frische Kräfte an ihrer Spitze

Joachim Stamm, CDU-Vorsitzender

Mit einer Mischung aus bewährten und frischen Kräften an der Spitze geht die Hanauer CDU kommende Herausforderungen an. 

Hanau - Bei der Jahreshauptversammlung am Dienstagabend im Bürgerhaus Alte Schule in Groß-Auheim wurde der Vorsitzende Joachim Stamm von 46 der anwesenden 50 Mitglieder wiedergewählt. Der 61-jährige Großauheimer steht seit 2011 an der Spitze der Hanauer Christdemokraten.

„Ich freue mich sehr über meine Wiederwahl. Die Arbeit als Parteivorsitzender macht mir nach wie vor Spaß – umso mehr, da es uns gelungen ist, viele jüngere Parteimitglieder an verantwortlicher Stelle einzubinden“, zeigte sich Stamm mit dem Ergebnis der Vorstandswahlen sehr zufrieden. Das vom Vorstand vorgeschlagene Personaltableau aus sechs Frauen und neun Männern stieß unter den Mitgliedern auf große Zustimmung. Die besten Ergebnisse mit jeweils 100-prozentiger Zustimmung erreichten die stellvertretende Vorsitzende Monika Klosson sowie die Beisitzer Gabriele Stenger und Sören Winter.

Zuvor hatten der Parteivorsitzende Joachim Stamm und die Fraktionsvorsitzende Isabelle Hemsley die Partei- und Fraktionsarbeit Revue passieren lassen. Beide gaben als Ziel aus, dass die Hanauer CDU nach der Kommunalwahl im Frühjahr 2021 „wieder in Verantwortung kommt“. Seit 2006 befinden sich die Hanauer Christdemokraten in der Opposition. Hemsley: „Mittlerweile haben wir gelernt, dass unsere guten Vorschläge vom Regierungsbündnis nicht mehr gleich abgelehnt, sondern in Ausschüsse verwiesen werden, wo sie dann vor sich hinschlummern. Darauf haben wir keine Lust mehr.“

Hanau: CDU wählt Joachim Stamm wieder zum Vorsitzenden 

Maßnahmen zur Stärkung des Radverkehrs und die Wiedereinführung des RMV-Kombitickets für die Grimm-Festspiele führte Hemsley als Beispiele für politische Initiativen der CDU auf. Gleichzeitig übte sie heftige Kritik insbesondere an Schuldezernent Axel Weiss-Thiel (SPD). Engpässe an Kitas und Schulen seien lange absehbar gewesen. Trotzdem habe man beispielsweise einen Vorschlag der CDU zur Erweiterung der Brüder-Grimm-Schule einfach abgelehnt, ohne irgendwelche Alternativen aufzuzeigen.

Hanaus Alt-Oberbürgermeisterin Margret Härtel überzeugte das alles nicht so recht. Ebenso wie zuvor schon Parteichef Stamm zeigte sich Härtel „tief besorgt“ über den wachsenden Zuspruch der AfD. Die „Ultrarechten“ könnten aber absolut keine Partner für die Union sein, auf keiner Ebene – auch nicht im Kreis und in Hanau. Härtel: „Es ist unsere verdammte Pflicht, das gefährliche völkische Gedankengut der AfD zu entlarven.“ Um aber Wähler bei der Kommunalwahl 2021 nicht an die AfD zu verlieren, bedürfe es „intensiver kommunalpolitischer Akzente“ und echter „Bürgernähe“. Aus Sicht der Ex-OB werde aber die CDU in Hanau viel zu wenig wahrgenommen. Es mangele an Anträgen und eigenen Initiativen.

Für ihre Ausführungen erntete Margret Härtel Beifall, aber auch Widerspruch. So bescheinigte Alt-Stadtrat Rolf Frodl Vorstand und Fraktion, durchaus richtige und wichtige Akzente zu setzen. Und von Fraktionschefin Isabelle Hemsley erging die Einladung an Härtel, sich doch aktiv in den verschiedenen und für alle Mitglieder offenen Arbeitskreisen der Union mit ihren Vorschlägen einzubringen.   Von Dirk Iding

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