Kunst drinnen und draußen

Jubiläum von Großauheimer Galerie leidet unter der Corona-Krise

Eine der spektakulärsten Ausstellungen des Großauheimer „Kunstraum 69“ war das Projekt „Über den Zaun“, bei dem vier aneinandergrenzende Gärten zur Freilichtgalerie wurden.
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Eine der spektakulärsten Ausstellungen des Großauheimer „Kunstraum 69“ war das Projekt „Über den Zaun“, bei dem vier aneinandergrenzende Gärten zur Freilichtgalerie wurden.

Die 1995 von Marie und Manfred Maria Rubrecht im Großauheimer Auwanneweg gegründete Galerie „Kunstraum 69“ wird 25 Jahre alt. Aber wie so oft in diesen Tagen, verhindert es die Corona-Pandemie, dass das Ereignis gebührend gewürdigt werden kann.

Hanau – Immerhin wurde eine Ausstellung mit Gemälden und Skulpturen von Manfred Maria Rubrecht eröffnet, die noch bis 12. Juli jeweils samstags und sonntags von 14 Uhr bis 17 Uhr zu sehen ist.

In der Galerie wird in jüngeren Gemälden das Spannungsfeld zwischen Mensch und Natur thematisiert. Außerdem sind Rubrechts sehr eigene Porträtmalereien zu sehen. Im Garten zeigt er Beispiele seines plastischen Arbeitens mit gebranntem Ton oder Bronze. Und so schließt sich ein Kreis. Denn das Jubiläumsjahr wird begangen wie der Auftakt nach der GalerieGründung vor 25 Jahren: Mit einer Einzelausstellung des Galeristen und Künstlers Manfred Maria Rubrecht. Der gelernte Farblithograf hat nach der handwerklichen Ausbildung seine künstlerischen Ambitionen zunächst an der Hanauer Zeichenakademie, dann an der Frankfurter Städelschule weiterentwickelt.

Eigentlich sollten zum Jubiläum „Künstler der ersten Stunde“, also jene sieben Kollegen, die von Anfang an den Ausstellungsbetrieb in der Galerie getragen haben, mit ihren Arbeiten in Erscheinung treten. Doch zu Beginn des Jahres, als man habe planen müssen, „da konnte man nichts planen.“ Ganz unter den Tisch fallen lassen wollten die Galeristen Marie und Manfred Maria Rubrecht das Jubiläum dennoch nicht. Immerhin sind in den vergangenen Jahrzehnten kulturelle Impulse über Großauheim hinaus gesetzt worden. „Es war uns wichtig, frischen künstlerischen Wind nach Hanau zu bringen“, sagt Manfred Maria Rubrecht. Das wurde auch erreicht durch zunächst bis zu drei Ausstellungen pro Jahr im „Kunstraum“. Kunstschaffende aus Offenbach, Darmstadt und Aschaffenburg sorgten für spannende Präsentationen. Und ab 1988 folgte ein Ausstellungsprojekt der damals vier Großauheimer Galerien, die „Großauheimer Kunststationen“ mit der „Langen Kunstnacht“. Auch bei vielen Großauheimern „war die Neugier natürlich da“, so Rubrecht im Rückblick auf die Aktivitäten, zu denen 2011 ein weiteres ungewöhnliches Ausstellungsprojekt gehörte: Unter dem Titel „Über den Zaun“ wurden vier aneinandergrenzende Gärten im Auwanneweg zu Freiluftgalerien von 20 Künstlern, die ihre Objekte mit den natürlichen Gegebenheiten korrespondieren ließen.

Die Galeristen Marie und Manfred Maria Rubrecht.

Das Verhältnis zwischen Mensch und Natur bestimmt ohnehin einen Großteil des Werks von Rubrecht - auch in den Arbeiten mit dem Titel „Insektenlos“, die im Rahmen der jetzigen Ausstellung zu sehen sind: Landschaftsimpressionen, die sich zwischen Gegenständlich und Abstraktion ansiedeln lassen, sich dem Wesen statt den Details widmen. Eine künstlerische Richtung, der Manfred Maria Rubrecht in seiner Malerei stets treu geblieben ist.

Viel Anerkennung ist dem Großauheimer Künstler zuteilgeworden. 2002 wurde er mit dem Hanauer Cläre-Roeder-Münch-Preis geehrt, 2010 bekam er den Kulturpreis des Main-Kinzig-Kreises.

Die 25 Jahre „Kunstraum 69“ waren „eine gute Zeit,“ sagt der 75-Jährige. Und auch wenn die Anzahl der Ausstellungen mittlerweile auf eine jährlich geschrumpft ist: Es geht weiter mit der kleinen, aber feinen Galerie im Auwanneweg 69. Ob sich die Freunde der Galerie im kommenden Jahr über eine Einzel- oder eine Gemeinschaftsausstellung mehrerer Künstler freuen können, das „wird noch abgestimmt.“ VON DIETER KÖGEL

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