Take-away in Tupperdosen

Hanau kämpft gegen die Müllflut von To-go-Verpackungen

Take-away funktioniert auch mit selbst mitgebrachten Behältnissen oder umweltfreundlichen Einmalverpackungen, wie Stabsstellenleiterin Anja Zeller und Sternekoch Herrmann Allmeritter zeigen.
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Take-away funktioniert auch mit selbst mitgebrachten Behältnissen oder umweltfreundlichen Einmalverpackungen, wie Stabsstellenleiterin Anja Zeller und Sternekoch Herrmann Allmeritter zeigen.

Mit Tupperdosen unterm Arm betreten zur Mittagszeit immer häufiger Hanauer Bürger die Martin-Luther-Anlage. Sie verschwinden im Haus mit der Nummer 8 und kommen nach kurzer Zeit und mit zufriedenem Gesichtsausdruck wieder heraus. Ihre Tupperdose haben sie weiterhin unterm Arm – jetzt allerdings gefüllt mit Mittagessen.

Hanau – „Uns ist an einer ehrlichen, naturnahen Küche gelegen. Da spielt natürlich auch Umweltschutz eine große Rolle. Deshalb freuen wir uns, wenn unsere Gäste ihre eigenen Behältnisse für das Take-away-Essen mitbringen“, sagt Herrmann Allmeritter, Küchenchef und Sternekoch im Bistro der Martin-Luther-Stiftung. Alternativ kann man im Bistro einen wiederverwendbaren Glasbehälter erwerben oder aber auf eine umweltfreundliche Einmalverpackung aus Reisfasern ausweichen. „Dafür nehmen wir 30 Cent. Die Fasern sind ein reines Naturprodukt, unbehandelt und damit umweltfreundlich“, so der Küchenchef.

Das Martin-Luther-Bistro ist in der Grimmstadt nicht die einzige Gastronomie, der an umweltfreundlichen oder sogar Einmal-Take-away-Verpackungen gelegen ist, erzählt Anja Zeller. Die Leiterin der Stabsstelle für Nachhaltige Strategien bei der Stadt Hanau und Grünen-Politikerin hat sich das Thema auf ihre Fahnen geschrieben. „Da ist noch viel in Bewegung. Gerade schießen immer mehr Firmen auf den Markt, die Mehrwegbehältnisse anbieten und sich Pfandsysteme ausdenken. Das läuft aber alles erst an. Das Einzige, was schon wirklich funktioniert, ist die Abgabe von Essen in selbst mitgebrachte Gefäße bei Selbstabholung. Aktiv kommunizieren dies bisher in Hanau die Ruderei, Sushi Sendo und die Mittagskantine der Martin-Luther-Stiftung“, so Zeller.

Außerdem habe Dean & David sein eigenes Pfandsystem, das sowohl bei Abholung als auch beim Liefern via App funktioniere. „Man zahlt acht Euro fürs Gefäß und bekommt das Geld bei Rückgabe zurück. Zusätzlich gibt es 75 Cent Rabatt, wenn man das Gefäß dauerhaft nutzt, bei jeder Bestellung“, berichtet die Stabsstellenleiterin.

Ziel der Stadt Hanau ist es, die Gastronomen auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit zu unterstützen. „Wir müssen möglichst alle Gastronomen in Hanau ansprechen und Lösungen für Mehrwegverpackungen und/oder Einwegverpackungen aus nachwachsenden Rohstoffen aufzeigen“, sagt Zeller.

Spätestens im Jahr 2023 müssen Restaurants, Imbisse und Cafés ohnehin handeln. Dann nämlich müssen sie ihren Kunden beim Straßenverkauf oder bei Lieferung neben Einwegverpackungen auch alternativ eine Mehrwegvariante anbieten. Das hat der Bundestag kürzlich beschlossen. So hofft man, das Problem des Einwegmülls in den Griff zu bekommen. „In Hanau“, sagt Zeller, „wird das Einwegmüllproblem durch die Außer-Haus-Gastronomie vor allem mittags am Freiheitsplatz sichtbar. Dann häuft sich der Müll neben zugestopften Mülleimern. Ein unschönes Bild, das dazu noch sehr viel Geld kostet. Laut der Umweltministerin Svenja Schulze kostet die Beseitigung von Zigarettenkippen, To-go-Bechern und anderen Einwegplastikprodukten Städte und Gemeinden in Deutschland jährlich etwa 700 Millionen Euro.“

Darüber, wie es bei Lieferungen von Speisen am besten gehen kann, wird bei der Stadt gerade noch gegrübelt. „Da sind wir dran, am liebsten wäre es uns, jeder Betrieb schließt sich selbst einem System an oder bietet selbst eines für seine Bedarfe an“, so Zeller.

Von Kerstin Biehl

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