Vielfalt als Markenzeichen

Kasernengelände: Das ehrgeizigste Wohnbauprojekt der Stadt startet

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Die markante fächerförmige Bebauung des Pioneer-Geländes soll beibehalten werden, wenn zwischen Aschaffenburger Straße, dem FFH-Schutzgebiet Bulau und der B43a ein Stadtteil für bis zu 5000 Menschen entsteht. Grau eingefärbt sind die Gebäude, die stehen bleiben. Alles andere werden Neubauten.

Hanau - Es ist nicht nur das größte Wohnbauprojekt der Hanauer Nachkriegsgeschichte, sondern auch „das ambitionierteste Vorhaben im Rahmen der Konversion“, so Oberbürgermeister Claus Kaminsky. Von Christian Spindler 

In wenigen Wochen beginnen die Arbeiten auf dem knapp 50 Hektar großen Areal der Pioneer-Kaserne in Wolfgang. In den nächsten Jahren soll die größte Kaserne auf Hanauer Stadtgebiet zu einem Stadtteil für bis zu 5000 Menschen werden.

„Vielfalt“ ist einer der am häufigsten genannten Begriffe, wenn das Stadtbauprojekt Pioneer Park vorgestellt wird, wie am Mittwochabend im zuständigen Parlamentsausschuss. „Vielfalt“ sei quasi „die Marke dieses expandierenden Stadtteils“, so der Rathauschef. Das bezieht sich zum einen auf „eine breite sozialen Mischung“, die man erreichen will, zum anderen auf die unterschiedlichen Wohneinheiten, die entstehen sollen - von der preiswerten Etagenwohnung bis zum großzügigen Einfamilienhaus für finanzstarke Bauherrn. Es bezieht sich aber auch auf vielfältige Innovationen bei Energieerzeugung und Mobilität (siehe Kasten). „Wir sind einzigartig in Deutschland unterwegs“, sagt Dr. Marc Weinstock, einer der Geschäftsführer der LEG-Hessen-Hanau, die die Stadt mit privaten Partnern gegründet hatte, um den Pioneer Park zu entwickeln. Weinstocks ehrgeiziges Ziel: „Wenn in 20 Jahren jemand da durchgeht, soll er sagen: Das haben die damals pfiffig gemacht.“

Ales zur Pioneer-Kaserne in Wolfgang

Was ist geplant?

Insgesamt sollen 1500 Wohneinheiten entstehen. Ursprünglich sollten es nur 700 sein, dann wurde verdichtet - auch, um Richtlinien der Regionalversammlung Rhein-Main zu erfüllen. Die sehen für den Ballungsraum mindestens 30 Wohneinheiten pro Hektar vor. Weinstock: „Wir liegen da nur knapp drüber.“ Das vom Architekturbüro Albert Speer + Partner (Frankfurt) entwickelte Strukturkonzept beinhaltet gut 1000 Geschosswohnungen. Das reicht von umgebauten US-Wohnblocks bis zu Wohnungen in 41 so genannten Stadtvillen. Es sollen aber auch Reihenhäuser (130), Doppelhäuser (65) oder Einfamilienhäuser (90) errichtet werden. Gesamtinvestitionen: 500 Millionen Euro.

Wo geht es los?

Den Anfang macht, wie berichtet, die Triangle-Housing. Dort beginnt in den nächsten Wochen die Sanierung der bestehenden US-Blocks mit 300 Wohnungen. Sie sollen besonders preiswert angeboten werden. Verkaufsstart: 16. April. Bis dahin soll eine Musterwohnung fertig sein. Außerdem sind auf dem Triangle-Gelände Neubauten mit insgesamt 130 Mietwohnungen geplant. Die ersten Wohnungen auf Triangle sollen in der ersten Jahreshälfte 2019 bezugsfertig sein.

Was passiert mit den „Zehn Brüdern“?

Das sind die großen Blocks rechts und links vom Einfahrtsoval. Sie bleiben stehen. Nur die rechte Seite kann aber für Wohnzwecke genutzt werden. Der linke Teil ist für Gewerbe wie Arztpraxen, Büros oder Geschäfte vorgesehen. Dazwischen sind vier querstehende Neubauten projektiert.

Das denkmalgeschützte Offizierskasino, das ehemalige Backstein-Heizkraftwerk und die Kapelle sollen erhalten werden. Was wird aus ihnen?

Das große Kasino soll wieder gastronomisch genutzt werden. Man sucht jeweils Investoren mit überzeugenden Konzepten, denen will man die Liegenschaften dann gegebenenfalls für einen kleinen symbolischen Preis überlassen.

Was ist mit Altlasten und Lärmschutz?

Das Pioneer-Areal ist laut Dr. Michael Denkel (Albert Speer + Partner) „weitgehend altlastenfrei“. In einigen Teilbreichen seien jedoch größere Aushubarbeiten wegen Bodenkontaminierungen erforderlich.

Der Lärmschutz ist vor allem bei der Triangle-Housing ein Thema. Derzeit wird ein Konzept über Art und Höhe von Lärmschutzwänden zur B43a hin erarbeitet.

Was ist in Sachen Parkplätze im Pioneer Park geplant?

Neben den laut Satzung pro Wohneinheit ohnehin vorgeschriebenen Stellplätzen, will man zusätzlich ausreichend Besucherparkplätze schaffen. Und: Die Planung sieht zwei Parkhäuser vor.

Wird es eine Kindertagesstätte und eine Schule im Pioneer Park geben?

Ja, beides ist in Planung. Standort der Neubauten von Kita und Grundschule soll am Westrand des Geländes sein.

Was ist mit Einkaufsmöglichkeiten?

Die Planer können sich einen „mittelgroßen Einzelhandel“ (Dr. Denkel) am Ostrand des Pioneer Parks an der Aschaffenburger Straße vorstellen. Die jetzigen Flachbauten sowie einige „ungeordnete Kleingärten“ sollen verschwinden und das Areal in den Bebaungsplan integriert werden.

Wie sieht der Zeitplan aus?

„Wenn alles gut läuft“, so Lutz Krämer-Heid (Albert Speer + Partner), soll im Herbst Planungsreife für einige Neubauvorhaben vorliegen und Ende des Jahres dann der Satzungsbeschluss gefasst werden, so dass ab kommendem Jahr die ersten Neubauprojekte realisiert werden können. Planer, LEG und Stadt drücken aufs Tempo: Investoren, private Bauherrn und Käufer wollen die derzeitige Niedrigzinsphase nutzen.

Pioneer-Kaserne: Blick hinter die Zäune

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