DLRG warnt

Kein Badeverbot im Main – Warum baden im Fluss trotzdem so gefährlich ist

Die Sandbucht bei Großauheim (Hanau)
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Lädt zum Planschen ein: Die Sandbucht am Rand von Großauheim (Hanau) ist ein beliebtes Ziel für Familien mit Kindern, aber auch für Hundebesitzer.

Manch einer mag denken, dass er in Hanau einfach in den Main springen kann, wenn er keine Lust auf das Freibad hat. Doch das Schwimmen im Fluss birgt große Gefahren.

  • Rettungseinsätze im Main nehmen extrem zu
  • Schwimmen im Main ist nicht generell verboten, aber sehr gefährlich
  • Sogwirkung von Schiffen und Booten wird häufig unterschätzt

Hanau – Behutsam bugsiert Simon Reul den weißen VW-Bus rückwärts die Natorampe in Großauheim hinunter. Auf dem Anhänger hat er die Hanau II geladen, eines von zwei Motorrettungsbooten der DLRG Hanau. In den vergangenen Wochen musste der DLRG-Chef das Boot häufig zu Wasser lassen, um Schwimmer aus dem Main zu retten.

„Viele Menschen sind sich der Gefahr, die ein Fluss birgt, nicht bewusst. In den letzten Wochen haben unsere Rettungseinsätze im Main extrem zugenommen“, sagt der Vorsitzende der Ortsgruppe Hanau. „Die Zeiten der Mainschwimmbäder sind leider seit Anfang der 70er vorbei. Doch gerade jetzt, zu Coronazeiten, suchen viele Menschen eine Abkühlung im Main.“

Prinzipiell ist es erlaubt, im Main zu schwimmen. Allerdings gibt es an vielen Stellen Schwimmverbote. Erlaubt ist es auch, den Main zu durchschwimmen, sprich zu queren. 150 Meter ist er an der breitesten Stelle auf Hanauer Gemarkung. Eine nicht unerhebliche Länge, zu der obendrein die Strömung dazugerechnet werden muss, man also noch einige Meter weiter schwimmen muss.

Hanau: Beim Schwimmen im Main immer Abstandsregeln einhalten

„Als Mainschwimmer muss man immer die geltenden Abstandsregeln einhalten. Auch bei Booten. Denn bis ein großes Frachtschiff gebremst ist, dauert es schon ein paar hundert Meter“, erklärt Reul.

Durch die Begradigung des Mains in den 70er jahren hat der Fluss, zumindest auf Hanauer Abschnitt, seine natürlichen Sandbuchten eingebüßt. Einzig auf Großauheimer Höhe gibt es noch eine kleine Sandbucht. Familien mit Kindern kommen gerne hier her, auch Hundebesitzer lassen ihre Vierbeiner hier im Wasser planschen.

Die Hanau II wird zu Wasser gelassen: Simon Reul, Vorsitzender der DLRG Hanau, trifft gemeinsam mit Bootsführerin Elena Tsounakis Vorbereitungen für die bevorstehende Kontrollfahrt.

„Der Main“, sagt Reul, „ist relativ warm. Durch das einfließende Kühlwasser von Staudinger wird er noch zusätzlich aufgeheizt.“ Aber: „Schwimmen im Main geschieht immer auf eigene Verantwortung. Hier gibt es keine Badeaufsicht wie an Badeseen oder in Schwimmbädern.“

Schwimmmöglichkeiten sind im Main begrenzt

Auch sind die Möglichkeiten, im Main seine Bahnen zu ziehen, stark beschränkt: Vor und hinter den Schleusen Mühlheim und Großkrotzenburg, an Sportbootstrecken, entlang des Hafens und vor und hinter Brücken darf nicht geschwommen werden. An den Brückenpfeilern entstehen durch die Strömung Wirbel, von denen eine Sogwirkung ausgeht. Hauptsächlich unter Wasser ist das gefährlich, denn man sieht sie nicht.

Zwar hat der Main im Vergleich zum Rhein eine relativ schwache Fließgeschwindigkeit – bei Normalwasser zirka zwei Kilometer pro Stunde; die Fließgeschwindigkeit kann aber auch vier bis fünf Kilometer pro Stunde ansteigen – die von Schwimmern aber schnell unterschätzt werden könnte.

Die DLRG rät vom Schwimmen im Main wegen der Strömung, der Berufsschifffahrt, der Sportsschifffahrt, dringend ab. „Gerade mit Kindern warnen wir massivst davor, im Main schwimmen zu gehen“, sagt Reul.

Schwimmen im Main: Sogwirkung von Booten kann zu großer Gefahr für Kinder werden

Die Sogwirkung und der Wellenschlag, der von Booten ausgeht, mag für Erwachsene nur unangenehm sein, für Kinder aber stellt sie eine große Gefahr dar. Auch das Springen von Brücken ist nicht nur gefährlich, sondern verboten. Weil der Main einfach nicht die Tiefe dazu hat. Mit einer Wassertiefe von drei bis vier Metern im Durchschnitt, an der tiefsten Stelle fünf Meter, ist die Verletzungsgefahr zu hoch bei einer Brückenhöhe von 15 beziehungsweise 25 Meter.

Auch von einem Bad in der Kinzig rät Reul ab: „Gerade dadurch, dass sie nicht so tief ist, herrscht dort punktuell mehr Strömung. Zusätzlich bergen die dortigen Wehre Gefahren, denn gerade an deren Ausgang bilden sich Walzen, die sehr stark sind. Dort können wir selber im Bedarfsfall gar nicht retten, da müssen speziell ausgebildete Strömungsretter ran.“

Doch nicht nur die Gefahren durch Sog- und Strömung gilt es beim Baden im Fluss zu beachten. Auch die Wasserqualität spielt eine große Rolle. Im vergangen Jahr, erzählt Reul, habe es im Main auf Grund von Schadstoffbelastung durch die Hitze und den niedrigen Wasserstand, ein Badeverbot gegeben. Das sei inzwischen aufgehoben.

Regierungspräsidium Darmstadt: . „Aus hygienischer Sicht spricht gegen das Baden im Main“

Vom Regierungspräsidium Darmstadt, das für die Gewässergüte zuständig ist, heißt es von der dortigen Pressestelle auf HA-Nachfrage. „Aus hygienischer Sicht spricht gegen das Baden im Main, dass im Main die Grenzwerte der EU-Badegewässerrichtlinie bei den bakteriologischen Parametern nicht eingehalten werden.“ In Flüssen, so das RP, stammten die Krankheitserreger vor allem aus den Kläranlagenabläufen, aus Mischwasserentlastungen der Kanalnetze und von landwirtschaftlichen Flächen, von denen tierischer Kot oder Urin in den Fluss geschwemmt werden kann.

Auf Kontrollfahrt – Simon Reul und Elena Tsounakis mit HA-Redakteurin Kerstin Biehl.

Während man die Kläranlagenabläufe noch mit hohem finanziellem Aufwand desinfizieren könne, sei dies bei den Einträgen durch Mischwasserentlastungen und denen von landwirtschaftlichen Flächen nicht möglich. „Daher lässt es sich nicht verhindern, dass bei Starkregen irgendwo im Maineinzugsgebiet die bakteriologische Belastung die Grenzwerte übersteigt“, so das RP. Unter den Krankheitserregern im Main gebe es auch solche, die sehr schwere und chronische Krankheiten auslösen könnten.

Unfallgefahr beim Baden resultiert teilweise auch aus der geringen Sichttiefe

Unfallgefahr beim Baden im Fluss bestehe auch wegen der teilweise geringen Sichttiefe. Eine für das Erkennen von Hindernissen unter Wasser und die Rettung Ertrinkender ausreichende Sichttiefe könne, zumindest bei stärkeren Niederschlägen, im Maineinzugsgebiet nicht erreicht werden. „Bei solchen Niederschlägen ist nämlich der Eintrag von Feststoffen direkt von Flächen am Fluss und über die Misch- und Regenwassereinleitungen nicht im nötigen Umfang zu verhindern“, so das RP.

Häufig werde bei dem Anliegen, im Main zu baden, auf das Baden in der Isar verwiesen. An der Isar, so das RP, wurde und wird tatsächlich viel Geld in den Bau und den Betrieb von Desinfektionsanlagen im Kläranlagenablauf investiert, um das Baden im Oberlauf (zwischen dem Sylvensteinspeicher und Moosburg) zu ermöglichen. Dort seien jedoch auch die Voraussetzungen für den Erfolg dieser Maßnahmen viel günstiger als beim Main: „Das Einzugsgebiet ist in diesem Abschnitt der Isar durch große Waldflächen gekennzeichnet und nicht, wie beim Main, intensiv genutzt. Die Isar ist außerdem nicht staureguliert und, verglichen mit dem Main, kühl.“ Trotzdem werde auch hier vor dem Baden bei oder nach Starkregen gewarnt und auf die nicht konstante Badegewässerqualität hingewiesen.

An diesen Stellen gibt es Badeverbote

Wo genau das Schwimmen im Main erlaubt ist, regelt das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt. Baden verboten ist:

- in einem Abstand von weniger als 300 Meter vor in Fahrt befindlichen Fahrzeugen und Schwimmkörpern

- näher als 30 Meter an vorbeifahrenden Fahrzeugen und Schwimmkörpern

- in ausgewiesenen Strecken für Wasserski oder Wassermotorräder in einem Abstand von mehr als zehn Meter vom jeweiligen Ufer

- von 100 Meter oberhalb bis 100 Meter unterhalb von Wehr- und Schleusenanlagen, einschließlich Schleusenvorhäfen, Kraftwerksanlagen, Hafeneinfahrten und Brücken

- von 50 Meter oberhalb bis 50 Meter unterhalb von Sperrtoren, Schiffsliegeplätzen, Parallelhäfen, Umschlagstellen, Anlegestellen, Schiffswerften und Fähranlagen

- in den bundeseigenen Schutzhäfen und Bauhäfen,

- im Umkreis von 100 Meter von in der Wasserstraße eingesetzten schwimmenden Geräten

- im Umkreis von zehn Meter von Pegeln und sonstigen Messeinrichtungen kb

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