Bildung

Kinder lernen Demokratie: Bei Kunstaktion wurden Verkehrsschilder mit klarer Botschaft gemalt

Erwachsene erleben hautnah, wie Kinder ihre Gedanken zum Thema Demokratie „ins Bild setzen“.
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Erwachsene erleben hautnah, wie Kinder ihre Gedanken zum Thema Demokratie „ins Bild setzen“.

„Demokratie leben“ lautet ein breit angelegtes Projekt des Bundesfamilienministeriums, mit dem Verei-ne und Freie Träger auf kommunaler Ebene motiviert werden, in ihren Reihen Projekte gegen Rechtsextremis-mus, Gewalt und Menschen-feindlichkeit zu initiieren. Das Ziel ist die Förderung einer „Kultur der Kooperation und des respektvollen Miteinanders“, wie es dazu heißt. In Hanau gibt es allein in diesem Jahr 17 solcher „Projekte für Demokratie“.

Hanau – Wie so etwas konkret umgesetzt wird, hat sich der HANAUER ANZEIGER jetzt im Stadtteil Lamboy-Tümpelgarten angesehen, wo sich die katholische Heilig-Geist-Kirchengemeinde mit der sozialen Einrichtung der Stadt Hanau für Kinder- und Jugendarbeit im Lamboypark zusammengetan hat.

Kinder im Alter von sechs bis 13 Jahren nehmen dort an einem zweimonatigen Projekt teil, in dem es altersgruppenspezifisch um die Auseinandersetzung mit dem Begriff Demokratie geht. Unter den insgesamt 22 Teilnehmerinnen und Teilnehmern befinden sich auch einige Erwachsene, zumeist Elternteile der Kinder. Sie erleben von Anfang an, wie sich die Kleinen unter Anleitung der Künstlerin und Designerin Sanja Zivo mit der Bedeutung des Wortes Demokratie, mit Beispielen aus ihrem eigenen Alltag in der Familie, Schule und Freizeit auseinandersetzen. Begriffe wie Respekt, Toleranz, Zuhören, Akzeptieren anderer Ansichten und Gewohnheiten, Kinderrechte, Menschenwürde und Gleichberechtigung rücken in den Mittelpunkt der Auseinandersetzung. Erkenntnisse, die schließlich in ein Kunstprojekt münden, mit dem zugleich auch Öffentlichkeit hergestellt wird. Hier im Lamboypark haben sie dafür ausgediente Verkehrs- und Hinweisschilder erhalten, ideale Träger, um die eigenen Gedanken zum Thema großflächig zum Ausdruck bringen zu können. Sanja Zivo: „Für die Kinder und die beteiligten Elternteile ist das ein spannender Prozess, in dem es darum geht, wo und wie man die Überlegungen bildlich präsentieren kann, worauf es bei der Auswahl des Materials und der An-wendung der Werkzeuge oder der Drucktechnik an-kommt, welche Hilfsmittel, wie etwa selbst erstellte Schablonen, es gibt.“ Am Ende werden aus den einstigen Verkehrsschildern richtige „Pop-Art“-Kunstobjekte, erhalten einstige Symbole des Miteinanders im Straßenverkehr eine neue Bedeutung. Läuft alles nach Plan, dann werden die Schilder zusammen mit einem großen Banner wie eine Bandenwer-bung am Freigelände des Lamboyparks sichtbar sein. Ein Zertifikat zum Abschluss der Kunstaktion soll die Kinder und ihre Eltern später noch an das Kunstobjekt erinnern. Sanja Zivo: „Es handelt sich ja nicht um einen Bastelnachmittag. Die Kin-der erleben, dass es gar nicht einfach ist, eigene Gedanken zu einem Thema bildlich um-zusetzen, ihre Überlegungen für andere verstehbar zu machen und ihnen ein farbenfrohes Bild zu verpassen.“

Rückmeldungen von Eltern als Ermutigung

Beeindruckend ist auch die Tatsache, dass fast alle Kin-der von Anfang an dabei sind. Immerhin sind wegen der Coronavirus-Pandemie strenge Regeln wie Maskentragen und Hygienevorschriften zu beachten, finden die Projektnachmittage zweimal pro Woche und meist erst nach Erledigung der schulischen Hausaufgaben statt.

Undine Möbus, die Leiterin der Lamboypark-Einrichtung, und Brigitte Tabor, Gemeindereferentin der initiierenden Heilig-Geist-Gemeinde, zeigen sich froh, dass ihr Projekt trotz der vielen pandemiebedingten Umstände zustande gekommen ist. Brigitte Tabor: „Rückmeldungen von Eltern ermutigen uns, solche anspruchsvolle Projekte auch für die Zukunft ins Auge zu fassen. Gerade in einem so bunten Stadtteil wie Lamboy/Tümpelgarten, in dem viele Nationen zusammenleben, ist es schön zu sehen, wie dankbar und interessiert Eltern und Kinder für solche Angebote sind.“ Abgesehen von der finanziellen Förderung des Projekts durch das Bundesfamilienministerium und der organisatorischen Umsetzung durch die Hanauer Arbeiterwohlfahrt (AWO) ist auch das städtische Jugendbildungswerk am Programm „Demokratie leben“ beteiligt.

Projekte sehr stark von den Morden am 19. Februar geprägt

Bei der Hanauer AWO ist man hocherfreut über die gemeinsame Umsetzung dieses „Demokratie leben“-Projekts. Dort werden die Projekte organisatorisch begleitet und mit den Fördermitteln aus Berlin finanziell ausgestattet. AWO-Geschäftsführerin Anna Jagust: „Wir geben Hilfestellung beim Beantragen der Fördergelder, beraten zur Durchführung und zum Abschluss der Projekte und führen Interessenten zusammen.“

In diesem Jahr war die Etablierung der Demokratie-leben“-Angebote auch sehr stark von den rassistischen Morden am 19. Februar in der Brüder-Grimm-Stadt geprägt. So wurden mehrere Projekte der „Initiative 19. Februar Hanau“ auch aus Mitteln des Bundesfamilienministeriums gefördert. Die AWO unterstützt auch die Informationsarbeit mit Flugblättern, Plakaten, Kunstausstellungen, Vorträgen und mit der Förderung von themenbezogenen Musikvideos. Im kommenden Jahr soll das „Demokratie-leben“-Programm fortgeführt werden.

Infos im Internet

Interessierte Vereine und Freie Träger können sicher über das Projekt unter demokratie-leben-hanau.de informieren.

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