Impulse aus der Minikapsel

Klinikum Hanau implantiert erstmals kleinsten Herzschrittmacher der Welt

Nur etwa so groß wie eine Vitamintablette ist die Kardiokapsel, die erstmals am Klinikum eingesetzt wurde. Foto: Klinikum
+
Nur etwa so groß wie eine Vitamintablette ist die Kardiokapsel, die erstmals am Klinikum eingesetzt wurde. 

Knapp zwei Gramm schwer, 2,6 Zentimeter groß, keine Kabel oder Elektroden und keine Ausbuchtung im Brustbereich. Die sogenannte Kardiokapsel, der kleinste Herzschrittmacher der Welt, bringt für Patienten mit Herzrhythmusstörungen viele Vorteile.

  • Klinikum Hanau bietet innovatives System
  • Kleinster Herzschrittmacher der Welt wird in Hanau implantiert
  • Die Oberärzte Dr. Stanislav Brezina und Dr. Timo Schlauch führten erste Implantation durch

Hanau – Das Team der Klinik für Kardiologie am Klinikum Hanau um Chefarzt Dr. Christof Weinbrenner bietet dieses innovative System jetzt auch im Main-Kinzig-Kreis an und hat die Kardiokapsel zum ersten Mal implantiert.

Klinikum Hanau: Erste Kardiokapsel-Implantation durchgeführt

„Der Eingriff verlief ohne Komplikationen in weniger als 45 Minuten“, so Oberarzt Dr. Stanislav Brezina. „Das winzige System ist Impulsgeber, Sensor und Batterie in einem und kann aufgrund seiner Größe minimalinvasiv eingesetzt werden“, ergänzt Timo Schlauch, ebenfalls Oberarzt am Klinikum. Er und Brezina haben die erste Kardiokapsel-Implantation gemeinsam durchgeführt.

Die Schrittmachertherapie ist die häufigste Form der Behandlung bei Bradykardie, also dem verlangsamten Herzschlag. Über eine Million Herzschrittmacher werden weltweit pro Jahr implantiert. Die Kardiokapsel ist weniger als ein Zehntel so groß wie ein herkömmlicher Schrittmacher. Sie bietet die fortschrittlichste Herzschrittmachertechnologie und ist dabei kosmetisch unsichtbar.

Die Kapsel wird bei der Implantation minimalinvasiv über einen Katheter in der Leiste unmittelbar in die rechte Herzkammer geschoben. Sobald sie positioniert ist, wird sie an der Herzwand befestigt und kann bei Bedarf neu positioniert oder entfernt werden. Die Programmierung erfolgt von außen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Schrittmachern sind bei der Kardiokapsel weder Drähte, sogenannte Elektroden, erforderlich, noch muss operativ eine „Tasche“ unter der Haut angelegt werden.

Klinikum Hanau: Elektroden die große Schwachstelle der normalen Herzschrittmacher

Die Elektroden gelten als die große Schwachstelle der normalen Herzschrittmacher, weil über sie auch Bakterien ins Herz gelangen können, die eine Herzmuskelentzündung auslösen können. Stattdessen wird die Kardiokapsel mit winzigen Titanärmchen in der Herzwand verankert und gibt über einen Pol an der Spitze des Geräts die elektrischen Impulse für die Herzaktivität ab. Trotz der geringen Größe der Kardiokapsel beträgt die geschätzte Lebenszeit der Batterie, wie bei einem normalen Herzschrittmacher, rund zehn Jahre.

Nachteil des neuartigen Systems: Bisher ist es nur für Patienten bestimmt, die für die Implantation eines herkömmlichen Schrittmachers aus medizinischen Gründe ungeeignet sind, erläutert Volkmar Bölke, Geschäftsführer des Klinikums.

cs

Unterdessen befürchten Kliniken Einnahmeverluste: Hunderte Operationen mussten wegen Corona verschoben werden und Patienten blieben weg. Im Corona-streit zwischen Hanau und dem Main-Kinzig-Kreis erhöht Claus Kaminsky den Druck.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare