Kein schöner Zug

In Hanau könnte der Lärm durch Güterverkehr drastisch zunehmen

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Hanau ist ein wichtiger Knotenpunkt im Eisenbahnverkehr. Das ist für die Stadt Segen und Belastung zugleich. Und die Belastung könnte in den nächsten Jahren weiter zunehmen.

Hanau - Droht Hanau in den nächsten Jahren eine drastische Zunahme des Eisenbahnlärms? Diese Sorge ist nicht unbegründet. Denn eine der Alternativrouten zur dringend nötigen Entlastung der Eisenbahnstrecken entlang des Mittelrheintals führt durch Hanau. Von Dirk Iding 

Eine Studie lässt im Rathaus die Alarmglocken schrillen. Die Mittelrheinstrecken sind schon jetzt ein Nadelöhr im europäischen Eisenbahnnetz zwischen Rotterdam und Genua. Und mit Eröffnung des Gotthardtbasistunnels in rund einem Jahr, wenn noch mehr Güterverkehr von der Straße auf die Schiene verlagert wird, dürften die Kapazitäten im Mittelrheintal endgültig überschritten sein. Deshalb wurden in der so genannten „Mittelrheinstudie“ im Vorgriff auf die Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplans Alternativen ausgelotet. In ihrem Abschlussbericht empfehlen die Gutachter als „einzig sinnvolle Alternativroute zu den Mittelrheinstrecken“ den mittelfristigen Ausbau der Verbindung Hagen, Siegen, Gießen, Friedberg, Hanau.

Das, so befürchten Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) und Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne), würde allerdings zu einem erheblichen Mehr an Lärmbelastung für Hanau führen - und das vor allem nachts, wenn zusätzlicher Güterverkehr auf der Strecke Friedberg-Hanau-Aschaffenburg quer durchs Stadtgebiet rollt.

Die Gutachter gehen von bis zu 35 zusätzlichen Güterzügen täglich aus, die bei einem Ausbau der Strecken insbesondere zwischen Gießen-Bergwald und Friedberg künftig zur Entlastung des Mittelrheintals durch Hanau rollen könnten. Das Problem aus Sicht von Hanaus Verkehrsdezernent Kowol: „Bei der Strecke Friedberg-Hanau-Aschaffenburg handelt es sich um eine so genannte Bestandsstrecke, für die kein Ausbau vorgesehen ist. Daher ist die Bahn hier nicht verpflichtet, für zusätzlichen Lärmschutz zu sorgen.“ Anders beispielsweise als beim geplanten Bau der Nordmainischen S-Bahn entlang der Bahnstrecke Hanau-Frankfurt, für die umfangreiche Lärmschutzmaßnahmen vorgesehen sind, die nach Kowols Ansicht dazu betragen werden, insgesamt die Lärmbelastung entlang dieser Gleise zu reduzieren.

Entlang der Strecke Friedberg-Hanau-Aschaffenburg ist aber aus Sicht des Hanauer Verkehrsdezernenten zusätzlicher Verkehr ohne Ausbau des Lärmschutzes nicht vertretbar. Die von den Gutachtern ermittelte Zahl von 35 zusätzlichen Zügen käme fast einer Verdoppelung der heutigen Verkehrsleistung gleich, verdeutlicht Kowol.

Vor diesem Hintergrund hat auch Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) in einer Stellungnahme an das Bundesverkehrsministerium erhebliche Bedenken geäußert. Kaminsky befürchtet, dass die von den Gutachten genannte Zahl von bis zu 35 zusätzlichen Zügen täglich sogar noch deutlich wachsen könnte. Davon wären große Teile der Wohnquartiere am Hanauer Innenstadtrand unmittelbar betroffen, ebenso wie die rund 700 geplanten Wohneinheiten im Bereich der früheren Pioneer-Kaserne. Schon heute zähle die Eisenbahnbrücke über die Kinzig zu den mit Abstand lautesten Verkehrslärmerzeugern in Hanau. Zudem verliefen weite Teile der Strecke durch Hanau in Hochlage, so dass sich der Lärm erheblich ausbreite. Insgesamt, so der OB, habe der Verkehrslärm in Hanau in Kombination mit dem Fluglärm „bereits heute kritische Werte“ erreicht.

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