Pioneer Park

Kraftwerk von Pioneer: In der Energiezentrale des neuen Stadtquartiers wird für die Fertigstellung gearbeitet

Im Pufferspeicher (rechts) wird Warmwasser für das Pioneer-Areal gespeichert.
+
Im Pufferspeicher (rechts) wird Warmwasser für das Pioneer-Areal gespeichert.

Mit dem Pioneer Park entsteht ein neues Stadtquartier – und ist trotz Corona-Pandemie im Zeitplan, wie die Entwicklergesellschaft LEG sagt. Die ersten Bewohner sind schon eingezogen, doch insgesamt gleicht das einstige Kasernengelände noch einer Großbaustelle. Auch in der Energiezentrale, dem Pionierwerk, wird noch emsig gearbeitet.

Wolfgang – Der Schornstein raucht. „Das ist ein gutes Zeichen“, sagt Tobias Giesbers, einer der Geschäftsführer der PionierWerk Hanau GmbH. Denn das bedeutet: Die Anlage läuft. Das Pionierwerk ist die Energiezentrale des neu entstehenden Stadtquartiers Pioneer Park. Da ein Teil des Areals, das Triangle Housing, bereits bewohnt ist, versorgt das Werk schon jetzt mit Strom und Wärme. Und das, obwohl drinnen noch Baustelle ist.

Drei Blockheizkraftwerke erzeugen im Endausbau 14 000 MWh Wärme und 8400 MWh Strom

Bei der Planung des zukünftigen Viertels auf dem einstigen Kasernengelände spielte von Anfang an Nachhaltigkeit in der Energieversorgung eine große Rolle. Neben der Förderung von E-Mobilität sollte auch die Strom- und Wärmeversorgung möglichst klimaneutral sein. Zu diesem Zweck wurde die PionierWerk Hanau GmbH als Gemeinschaftsunternehmen der Stadtwerke Hanau und des Magdeburger Energiedienstleisters Getec gegründet. Als Geschäftsführer fungieren Tobias Giesbers von Getec sowie Stadtwerke-Geschäftsführerin Martina Butz.

Baustelle Pionierwerk: In der Energiezentrale des Pioneer Parks wird noch gearbeitet.

Giesbers gewährte unserer Zeitung in dieser Woche bei einem Rundgang nun exklusive Einblicke ins Innere der Energiezentrale. Diese wird, einmal fertiggestellt und vollständig am Netz, ein kleines Kraftwerk sein: Drei Blockheizkraftwerke im Erdgeschoss, die jeweils in einem eigenen Raum stehen, zwei Brennwertkessel im ersten Stock sowie eine Wärmepumpenanlage sollen im Endausbau für 14 000 Megawattstunden (MWh) erzeugte Wärme und 8400 MWh erzeugten Strom sorgen. Das ist mehr Strom, als der Pioneer Park benötigt. Darum wird ein Teil der elektrischen Energie am Markt verkauft. Für die Erzeugung der Energie wird unter anderem klimaneutrales Erdgas genutzt. Klimaneutral heißt in diesem Fall, dass die Stadtwerke mit einem Teil des Erlöses aus dem Verkauf des Gases Klimaschutzprojekte finanzieren, die das bei der Verbrennung von Erdgas freigesetzte Kohlendioxid kompensieren. Für die Verbrennungsluft, welche die Blockheizkraftwerke benötigen, wird mithilfe großer Ventilatoren Luft von außen durch Schächte im ersten Stock angesaugt und wie in einem Kreislauf auf der anderen Seite wieder hinausgeblasen.

Wärme wird auch aus Eisspeicher gewonnen

Ein Teil der Energie wird aus einem sogenannten Eisspeicher gewonnen, der im unmittelbaren Außenbereich im Boden eingelassen wurde. Mithilfe von Wärmepumpen wird dabei dem im Eisspeicher gelagerten Wasser Wärme entzogen. Dabei wird der physikalische Effekt ausgenutzt, dass beim Übergang von Wasser zu Eis zusätzliche Wärme entsteht.

Antrieb: Jedes der Blockheizkraftwerke hat seinen eigenen Motor.

Filter sorgen für die Reinigung der Abgase, und mithilfe von Wärmetauschern wird die Abwärme aus den Abgasen der Blockheizkraftwerke gewonnen. Zudem wurden große Schalldämpfer verbaut. Denn Kraftwerke, selbst kleine wie die Heizungsanlage im eigenen Keller, sind schließlich laut, und bei der unmittelbaren Nähe des Pionierwerks zu den Wohnbereichen war die Reduzierung der Lärmemissionen ein entscheidender Faktor. Deshalb hat das Gebäude am Eingang des Pioneer Parks an der Aschaffenburger Straße 50 Zentimeter starke Wände und wird im Laufe der weiteren Arbeiten eine spezielle Schallschutztür erhalten. Eine solche zu bekommen, sei gar nicht so einfach gewesen, sagt Giesbers. Es gebe nur einen Hersteller, der solche Türen anfertige. Von außen gut sichtbar ist der Pufferspeicher, in dem das Warmwasser gespeichert ist, mit dem die Spitzen im Verbrauch abgefangen werden. Ein halbes Jahr, rechnet Giesbers, werden die Arbeiten im Kraftwerk noch dauern.

Von David Scheck

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare