Pioneer-Park

In Kürze beginnen die Hochbauarbeiten im neuen Stadtviertel

In diesen Block auf Triangle Housing sollen im April die ersten Bewohner einziehen.
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In diesen Block auf Triangle Housing sollen im April die ersten Bewohner einziehen.

In der Ferne, rechts hinter dem früheren Heizkraftwerk, das heute unter Denkmalschutz steht, flattern blau-weiße Werbefahnen. Das Frankfurter Unternehmen Wilma Wohnen Süd zeigt als erstes im Pioneer-Park Flagge. 

Hanau - Mit 42000 Quadratmetern hat der Frankfurter Immobilienentwickler die meisten Grundstücke auf dem früheren Kasernengelände gekauft. Er will 155 Doppelhaushälften und 30 Gartenhofhäuser bauen.

„Im April wird der Hochbau im ersten Bauabschnitt losgehen“, sagt Dieter Heymann und zeigt an diesem windig-kalten Donnerstag auf die Osthälfte des riesigen Geländes. Straßenzüge sind erkennbar. Davor liegen vereinzelt Hügel mit geschreddertem Bauschutt. Ganz hinten, am Rand des FFH-Schutzgebiets Bulau sind Bagger am Werk.

Wo bis 2008 US-Soldaten in der mit 47,5 Hektar Fläche größten Kaserne in Hanau Dienst geschoben haben, wo Panzerhallen, Werkstätten, Funktionsgebäude, aber auch eine Sporthalle standen, ist fast alles abgerissen worden. „200000 Tonnen an Abbruchmetarial haben wir vor Ort geschreddert“, sagt Heymann. Es wurde und wird als Unterbau für die Straßen verwendet. In etwa dieselbe Menge hat man auf Deponien gekarrt.

Der östlich Teil des Pioneer-Geländes wird als erstes bebaut. Am Rand sind die „Fünf Brüder“ zu erkennen, die zu Wohnungen umgebaut werden sollen. 

Bauingenieur Heymann von der Deutschen Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft (DSK) ist Projektsteuerer fürs größte Baugebiet der Hanauer Nachkriegsgeschichte; „es ist, abgesehen vom Flughafen, sogar das derzeit größte in Hessen“, sagt er. Die ehemalige Pioneer-Kaserne, die von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) verkauft wurde, wird von der LEG Hessen-Hanau entwickelt, einer Gesellschaft, die gemeinsam von der DSK/BIG-Gruppe und der Stadt gegründet worden ist. 1600 Wohneinheiten für bis zu 5000 Menschen entstehen im Pioneer-Park in den nächsten Jahren – gleichsam ein neuer Stadtteil mit Kita, Schule, eigener Heiz- und Energiezentrale.

„Die Erschließungsmaßnahmen im ersten Bauabschnitt sind praktisch abgeschlossen“, sagt Heymann beim Rundgang. Jetzt sind Investoren wie Wilma dran, die Teilflächen von der LEG Hessen-Hanau erworben haben – erschlossen und altlastenfrei. Dort werden sie ihre Immobilienprojekte verwirklichen. 160 Wohneinheiten plant etwa die Deutsche Reihenhaus AG; die H3 Projekt Verwaltungs-GmbH baut 250 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern, so genannte Stadtvillen. Die LEG Hessen-Hanau selbst vermarktet 82 Grundstücke für Einfamilienhäuser. Im ersten Abschnitt seien fast alle weg, sagt Heymann.

Entgegen erster Entwürfe ist die Zahl der Wohneinheiten auf dem Gelände insgesamt deutlich erhöht worden. Und doch soll der Pioneer-Park seinem Namen als Park Ehre machen. Immerhin zehn Hektar Grünflächen sind vorgesehen, heißt es. Heymann: „Wir werden 700 neue Bäume pflanzen.“ Ein Teil des Mutterbodens, der dafür verwendet werden soll, liegt bereits in aufgehäuften Hügelketten am Rand bereit. „Die Erde haben wir von anderen Bauprojekten günstig bekommen“, sagt der Projektsteuerer. Weil auf dem Pioneer-Gelände weite Teile des Bodens versiegelt waren, ist Erdreich hier Mangelware.

An anderer Stelle türmt sich ein Haufen mit alten Rohren auf. Daneben einer mit Panzermatten aus Metall und einer mit verrosteten Fahrgestellen von Lohren. Relikte aus der Zeit der Eisenbahn-Regimenter in Wolfgang. Alles liegt zum Abtransport bereit. „Die Amis haben hier viel vergraben“, sagt Heymann.

Während man Osten des Pioneer-Geländes auf den Beginn der Hochbauarbeiten im Frühjahr zusteuert, ist der Hochbau auf Triangle Housing in vollem Gange. Der Bereich im Südosten der Ex-Kaserne ist der erste, in dem neue Bewohner einziehen werden. Dort werden 370 Wohnungen in bestehenden Blocks saniert. Zudem wird nachverdichtet. Zwischen den Gebäuden entstehen elf Neubauten mit 140 Wohnungen. Triangle ist so etwas wie ein Vorzeigeprojekt im Pioneer-Park, weil die LEG Hessen-Hanau dort Eigentumswohnungen zu Konditionen anbietet, die unter den üblichen Marktpreisen liegen.

Reichlich Unrat, aber auch Relikte der Eisenbahn-Pioniere wurden im Boden gefunden.

Ein großer Kran hievt an diesem Vormittag stattliche Fertigteile in die Höhe. Sie gehören zu einem der „Aufzugtürme“, die außen an den Gebäuden angebracht werden. In anderen Blocks läuft bereits der Innenausbau, ungeachtet der Probleme, mit denen die Firmen zwischenzeitlich zu kämpfen hatten. „Es gab viele Diebstähle“, berichtet Heymann. In einem Fall wurden große Mengen Kupferkabel gestohlen, in einem anderen Dieselkraftstoff in großem Stil. Zwar wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft, die Badezimmer-Armaturen sollen wegen Diebstahlgefahr gleichwohl erst in buchstäblich letzter Minute montiert werden.

Am weitesten ist der Baufortschritt am ersten Triangle-Gebäude aus Richtung Aschaffenburger Straße. „Hier werden die ersten Wohnungen im April bezogen“, sagt Heymann. Kurz danach, voraussichtlich im Mai, soll der Lärmschutz an der B43a fertig sein, eine Mischung aus Fertigelementen und verfüllten Steinwänden. Die ersten Arbeiten dafür sollen in Kürze beginnen, um die Anlieger vom Krach der Autos auf der Schnellstraße abzuschirmen.

Unruhige Zeiten werden auf die Bewohner dennoch geraume Zeit zukommen, denn im Umfeld wird noch lange gebaut werden. Zum Beispiel an den „Zehn Brüdern“, großen Blocks am Rande des Pioneer-Parks. Die „Fünf Brüder Ost“ neben der Triangle Housing werden zu Wohnungen umgebaut, ergänzt durch Neubauten.

Die östlichen „Fünf Brüder“ an der Aschaffenburger Straße sollen für Gewerbe genutzt werden: Büros, Arztpraxen, Kanzleien. Nur das letzte Gebäude am Ostende der Reihe, der sogenannte „Stiefbruder“, wird abgerissen. Dort baut die Stadt eine Kita und eine Schule für die Kinder des Wohnquartiers Pioneer-Park, mit dessen Fertigstellung sich die Einwohnerzahl des Stadtteils Wolfgang mehr als verdoppeln wird.

VON CHRISTIAN SPINDLER

Mit dem Wohnquartier Pionierpark, das auf dem Gelände der früheren US-amerikanischen Pioneer-Kaserne im Stadtteil Hanau-Wolfgang entsteht und einmal bis zu 5000 Menschen beherbergen soll, will die Stadt Hanau in mehrfacher Hinsicht Maßstäbe setzen.

Nun gibt es im Pioneer-Park in Hanau Ärger: Kunden leiden unter angeblichen Baumängeln. Die verantwortliche Firma redet die Probleme klein.

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