Impfzentrum Frankfurt

Langes Anstehen, oft kein Abstand: Hanauer berichten von Impfung in der Festhalle

Im Impfzentrum in der Frankfurter Festhalle sollen bis Ende Januar über 11 000 Impfungen stattfinden. Den bisherigen organisatorischen Ablauf halten zwei Hanauer, die jeweils Angehörige zur Impfung nach Frankfurt gefahren haben, für katastrophal.
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Im Impfzentrum in der Frankfurter Festhalle sollen bis Ende Januar über 11 000 Impfungen stattfinden. Den bisherigen organisatorischen Ablauf halten zwei Hanauer, die jeweils Angehörige zur Impfung nach Frankfurt gefahren haben, für katastrophal.

Mit der Öffnung der sechs regionalen Zentren hat am 19. Januar das große Impfen begonnen. Auch über 80-Jährige aus Hanau und der Region können sich seit Dienstag in Frankfurt die erhoffte Dosis spritzen lassen. Nachdem es bereits im Vorfeld Probleme beim Anmeldeverfahren gegeben hatte, scheinen ersten Erfahrungsberichten zufolge auch die Abläufe in der Festhalle alles andere als reibungslos zu verlaufen.

Hanau/Frankfurt – Zwei Hanauer, die jeweils einen Angehörigen im Alter über 80 auf das Frankfurter Messegelände begleitet haben, meldeten sich am Tag nach der Impfung bei unserer Zeitung und berichteten von teils chaotischen Zuständen.

Warteschlange schon bei der Anmeldung

Ulrike Wolfring aus Kesselstadt fährt ihren 85-jährigen Vater Dietbert Exner am Mittwoch nach Frankfurt, um ihn impfen zu lassen. Für Viertel vor drei ist der Termin zum Impfen angesetzt, Wolfring und ihr Vater kommen eine Viertelstunde vorher an – so, wie es vom organisatorischen Ablauf her auch sein sollte (siehe Infokasten). Doch die Pünktlichkeit ist umsonst: „Man hatte das Gefühl, dass alle gleichzeitig da waren“, sagt Wolfring. Letztlich müssen sie und ihr Vater rund eine Stunde im Vorraum der Festhalle anstehen, bevor das eigentliche Impfprozedere überhaupt erst beginnt. Und nicht nur das: „Diejenigen, die geimpft waren, wurden so hinausgeschleust, dass sie durch unsere Warteschlange hindurchliefen“, schildert die Hanauerin. Den nötigen Abstand zueinander einzuhalten, ist durch diese Wegeführung nur schwer möglich, zumal es auch keine Markierungen auf dem Boden gegeben habe, die den Wartenden als Orientierung hätten dienen können. Sie habe mehrere Mitarbeiter darauf angesprochen, zuständig habe sich allerdings keiner gefühlt.

Auch Jürgen Jakoby, der am Dienstag seine Schwiegermutter zur Corona-Impfung in die Festhalle bringt, berichtet von zahlreichen Wartenden. Er hat ein Protokoll erstellt, in dem er jeden Schritt festgehalten hat. Interessant dabei: Jakoby zählt die Mitarbeiter des Impfzentrums, mit denen er beziehungsweise seine Schwiegermutter während des Aufenthaltes in der Festhalle in Kontakt kommen. Am Ende werden es derer 29 sein. Die Situation vor dem Impfen beschreibt Jakoby unter anderem so: „Zu diesem Zeitpunkt sitzen etwa 40 Personen auf Stühlen mit Abstand nebeneinander. Ein Ende ist nicht richtig auszumachen.“

Für Arztgespräch stehen nicht genug Ärzte zur Verfügung

Ulrike Wolfring wirkt beim Telefonat mit unserer Zeitung trotz ihrer Kritik an der Organisation im Impfzentrum besonnen, und vergisst nicht, die positiven Aspekte zu erwähnen. So sei die Parkplatzsituation bei der Anfahrt unproblematisch gewesen, ebenso der bürokratische Teil bei der Anmeldung. Dann jedoch hätten Wolfring und ihr Vater den „Fehler“ begangen, vor dem Impfen ein Arztgespräch in Anspruch zu nehmen – beziehungsweise in Anspruch nehmen zu wollen. „Da waren etwa zwölf bis 15 Kabinen, vor denen ein grünes oder ein rotes Licht leuchtet“, so die Kesselstädterin. Die Farbgebung ist bekannt: Grün steht für „frei“, rot für „besetzt“. Vor zwei Kabinen leuchtet es grün, der Rest ist auf rot geschaltet. Nachdem sie eine Weile gewartet haben und auf Nachfrage bei einem Mitarbeiter wird klar, dass wohl nur zwei Ärzte da sind. Somit verzichtet Dietbert Exner auf das Arztgespräch und geht mit seiner Tochter direkt zur Impfung.

Obwohl Jürgen Jakobys Schwiegermutter kein Arztgespräch wünscht, verzögert sich durch das vorherige Wartenmüssen der Impftermin. Der war für 15.30 Uhr angesetzt, die Nadel wird schließlich um 16.22 Uhr gesetzt.

Abstände können in der Warteschlange nicht eingehalten werden

Hat man die Impfung hinter sich, ist das erst die halbe Miete. Denn einfach rausgehen darf man nicht, man muss sich die Corona-Impfung im Impfpass per Stempel bestätigen lassen. Dieser bürokratische Vorgang darf nicht von einem der zahlreichen Mitarbeiter vor Ort vorgenommen werden, wie Wolfring und ihr Vater schnell merken, sondern nur von einem Arzt. Und weil tatsächlich auch nur ein Arzt vor Ort ist, bildet sich abermals eine Wartschlange, Wolfring schätzt eine Länge von 90 Metern. Wieder können Abstände nicht eingehalten werden, Stühle stehen für die betagten Geimpften auch nicht bereit. Ein Schichtleiter reagiert auf die Nachfragen der Wartenden brüsk, so Wolfring.

Jürgen Jakoby schreibt darüber hinaus, dass die zu Impfenden, alle über 80 Jahre, Toiletten im Keller benutzen sollen, die nur über Treppen zu erreichen seien. Das „geht gar nicht“, hält er in seinem Protokoll fest. Trotz erfolgreicher Impfung seiner Schwiegermutter scheint Jakoby bedient. So schreibt er: „Egal, wo ich bisher im Ausland war, ob in europäischen Ländern, südliches Afrika, Brasilien oder Südostasien: Immer wurde der tolle Organisationsgrad der Deutschen gelobt. Davon habe ich heute nichts erlebt. Der gesamte Prozess ist eine Katastrophe.“

Letztlich verbringen Ulrike Wolfring und ihr Vater über zwei Stunden in der Festhalle. Der nötige zweite Impftermin ist schon gebucht – für den 10. Februar und, auch wenn das Impfzentrum in der Hanauer August-Schärttner-Halle am 9. Februar öffnen wird, wieder in der Festhalle. (Von David Scheck)

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