Gewerkschaft beklagt fehlenden Corona-Schutz in Gebäuden

Lehrer befürchten erneute Schulschließungen im Main-Kinzig-Kreis

Luftfilteranlagen müssen aus Sicht der GEW verstärkt zum Einsatz kommen. ARCHIV
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Luftfilteranlagen müssen aus Sicht der GEW verstärkt zum Einsatz kommen. ARCHIV

Sind die Schulen im Main-Kinzig-Kreis auf eine mögliche vierte Corona-Welle nach den Sommerferien vorbereitet? Diese Frage beschäftigt derzeit Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie Eltern gleichermaßen. Eine eindeutige Antwort vom Schulträger steht indes noch aus. Seit dieser Woche wird in der Kreisverwaltung über mögliche Maßnahmen offenbar zumindest intensiver diskutiert.

Main-Kinzig-Kreis. „Wir haben die Situation auf dem Schirm“, sagte Landrat Thorsten Stolz (SPD) am Freitag bei der Vorstellung des neuen Koalitionsvertrages auf Kreisebene mit der CDU auf die Frage, ob über eine Anschaffung von Luftreinigungsgeräten diskutiert werde. Allerdings scheint jetzt schon klar: Einen flächendeckenden Einsatz im Kreisgebiet dieser Maschinen, die die Luft von Aerosolen reinigen sollen, wird es nicht geben. Vielmehr ist ein Testbetrieb mit verschiedenen Gerätetypen geplant. Laut Kreisbeigeordnetem Winfried Ottmann (CDU), zugleich Schuldezernent, wird der Einsatz dieser Luftreiniger in den Schulen und unter den Lehrkräften kontrovers diskutiert.

„Stark verbesserungsbedürftig“

Die Vertreter der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) im Main-Kinzig-Kreis geben der Kreisspitze für die bisher getroffenen Corona-Schutzmaßnahmen bei den circa 100 Schulen zwischen Sinntal und Maintal allerdings keine guten Noten: „Angesichts der Tatsache, dass wir nach den Sommerferien in das dritte Schuljahr mit Corona starten, ist der Stand der Schutzmaßnahmen gelinde gesagt stark verbesserungsbedürftig, denn wesentlich hat sich seit Beginn der Pandemie nur wenig getan. Baulich hat sich nichts verändert, die einzige nennenswerte Schutzmaßnahme neben dem – umstrittenen – Tragen von Masken und den zweimal wöchentlichen Tests ist das Lüften per offenem Fenster. Die Schutzmaßnahmen im Zusammenhang mit Distanz- und/oder Wechselunterricht sehen wir eher als Notlösung an.“ Dem Main-Kinzig-Kreis wird als Schulträger aber zumindest zugestanden, dass die digitale Ausstattung besser sei als andernorts. „Zufriedenstellend“ könne man die Gesamtheit der Schutzmaßnahmen trotzdem bei weitem nicht nennen: „Es müssten gezielt Anstrengungen unternommen werden, einen sicheren Präsenzunterricht bis in den Winter hinein und durch diesen hindurch zu gewährleisten.

Hier sind allerdings nicht allein die beiden Schulträger in die Pflicht beziehungsweise Kritik zu nehmen. Vonseiten des Landes müssten die Schutzmaßnahmen, für welche von Seiten des Robert-Koch-Institutes sowie anderer Expertengremien konkrete Handlungsempfehlungen bestehen, verpflichtend vorgegeben und entsprechend (vor-)finanziert werden. Allerdings hat man aus dem Kultusministerium bislang nur die Absicht vernommen, auf Schulschließungen künftig verzichten zu wollen/zu können. Wie dies allerdings bewerkstelligt werden soll, bleibt offen.“

Auch bei der Frage nach den Luftreinigungsgeräten klingen die GEW-Vertreter mehr als skeptisch: „Uns sind keine Klassenräume bekannt, die bereits mit Luftfilteranlagen ausgestattet wurden. Hierbei ist festzuhalten, dass es mit dem Main-Kinzig-Kreis und der Stadt Hanau in unserem Gewerkschaftsbezirk zwei Schulträger gibt. Vonseiten des Kreises wurde uns vor geraumer Zeit auf Nachfrage mitgeteilt, dass 120 Geräte angeschafft worden seien, um sie in nicht/schlecht belüftbaren Räumen einzusetzen. Wo beziehungsweise ob diese im Einsatz sind, ist uns nicht bekannt. An den Schulen, an welchen wir als Lehrerinnen und Lehrer unterrichten, befinden sich keine solche Anlagen im Einsatz.“

Luftreiniger dringend gefordert

Die Forderungen der GEW-Vorsitzenden aus den Altkreisen Hanau, Gelnhausen und Schlüchtern sind daher selbstredend: „Da jetzt bereits zu erwarten ist, dass spätestens im Herbst die Fallzahlen wieder stark ansteigen könnten und dies mit größter Wahrscheinlichkeit durch die Delta-Variante oder andere hochansteckende Virusmutationen, ist in unseren Augen keine Zeit dabei zu verlieren, die Schulen für einen kontinuierlichen Unterrichtsbetrieb zu ertüchtigen, beispielsweise mit mobilen Luftfilteranlagen oder baulicher Nachrüstung stationärer Belüftungsanlagen. Zudem muss die Schülerbeförderung auf dieses Szenario hin ausgerichtet werden, heißt noch mehr Busse, UV-Anlagen in Bussen usw.“

Wird im Kreis jetzt also alles unternommen, um Wechselunterricht oder Schulschließungen im Herbst zu verhindern? Die Antwort der GEW auf diese letzte Frage ist eindeutig: „Solche Anstrengungen sind uns vonseiten des Main-Kinzig-Kreises sowie der Stadt Hanau keine bekannt. Aus der Stadt Frankfurt, die sich für einen großflächigen Einsatz von Luftfilteranlagen entschieden zu haben scheint, hört man bereits, dass die Zeit der Sommerferien nicht ausreichen wird, um alle Schulen/Unterrichtsräume auszustatten. Sollte der Kreis noch keine Bemühungen in gleicher Richtung begonnen haben, wird bis in den Herbst hinein an den Schulen keine grundlegende Veränderung der Situation zu erwarten sein. Dies bedeutet für den Spätherbst mit großer Sicherheit Frieren bei offenen Fenstern und - gegen die Prognose des Kultusministers – eingeschränkter Schulbetrieb bis hin zu Schulschließungen – wenn er diese nicht aus politischem Willen verhindert.“

Von Andreas Ziegert

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