Seltene Wildkatze

Luchs beißt Fuchs tot - Ist das Tier bereits bekannt?

Ein Fuchs wurde am Wochenende zur Beute des in Steinheim umherstreifenden Luchses.
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Ein Fuchs wurde am Wochenende zur Beute des in Steinheim umherstreifenden Luchses.

Ein Luchs hat in der Nähe von Hanau einen Fuchs gerissen. Bereits zuvor wurden ähnliche Vorfälle gemeldet. Handelt es sich um das gleiche Tier?

Steinheim/Klein-Auheim – Der wilde Luchs, der sich im Umfeld des Wildparks herumtreibt, ist weiter auf Beutezug. Nachdem das männliche Tier (bei Luchsen Kuder genannt) innerhalb von zwei Wochen in der Gemarkung Groß-Steinheim zwei Beutetiere erlegt hatte, hat er nun einen Fuchs gerissen. Anhand des luchstypischen Kehlbisses konnten die Spuren vom Jagdpächter, der den toten Fuchs auf einer Pferdekoppel fand, zugeordnet werden.

Das durch die Gegend streifende „Pinselohr“ hatte am 9. Januar ein Reh gerissen und zehn Tage später ein 20 Kilogramm schweres Quessantschaf. „Beide Fälle sind eindeutig Luchsrissen zuzuordnen“, sagt Michael Birkenfeld, Pächter des Groß-Steinheimer Jagdreviers.

Wie weiter bekannt wurde, ist auch bei Großkrotzenburg vor etwa drei Monaten ein Luchs gesichtet worden. Handelt es sich um denselben Luchs, dann müsste er eine Brücke überquert haben. „Über den Main schwimmen – das machen Luchse eher nicht“, sagt Wildpark-Tierpfleger Achim Denich.

Luchs in Hanau ist noch ein Unbekannter

Luchse gibt es nicht nur im Wildpark. Zur Paarungszeit tummelt sich nun erneut ein Kuder in der Gemarkung.

Mittlerweile steht auch fest: Der jetzige Luchs ist nicht der, der im Vorjahr um den Wildpark streifte, sondern ein anderes Tier. Der damalige Luchs, der im Rahmen eines Artenschutzprojekts 2018 bei Bad Pyrmont ausgewildert worden ist und durch das Luchs-Auswilderungsprojekt im Harz die Bezeichnung „M 12“ (M steht dabei für männlich und die Ziffer für die zwölfte Auswilderung im Harz.) bekam, war dann nach Klein-Auheim gezogen. Er lebt aber nicht mehr.

Er war von Steinheim beziehungsweise Klein-Auheim weiter gezogen und mehrere Wochen später auf dem Sportplatz einer Schule im Taunus gesichtet worden. Weil er ungewöhnlich „menschenunscheu“ war und einen Garten bei Oberursel nicht mehr verlassen hat, wurde er eingefangen.

Nachdem eine fortgeschrittene Staupe-Erkrankung festgestellt wurde, musste das Tier eingeschläfert werden, berichtet der Arbeitskreis Hessenluchs, in dem mehrere Naturschutzverbände tätig sind, auf seiner Internetseite. „M12“ hatte Anfang 2020 in Steinheim mehrere Rehe und Schafe gerissen und war sogar im Ortsgebiet von Klein-Auheim gesichtet worden, darunter in einem Garten und nahe eines Reiterhofs.

Hanau: Luchs aus dem Vorjahr eingeschläfert

Es sind wohl amouröse Absichten, die die Kuder zur Ranz (Paarungszeit) Richtung Klein-Auheim ziehen. Im Wildpark gibt es sieben Luchse. „M12“ vergnügte sich von Mitte März bis Ende Mai letzten Jahres im Wildpark. Nachdem er in der Alten Fasanerie ein Mufflon gerissen hatte und zu seiner Beute zurückkehrte, ging er in eine vom Wildpark-Team ausgestellte Falle. Aus einem Gehege büxste er nach nur einer Nacht zwar wieder aus, kehrte aber wiederholt zurück und besuchte in den Wochen danach seine Artgenossen.

Das wenig menschenscheue Pinselohr ließ sich sogar filmen. Mühelos überwand der Luchs bei seinen Besuchen im Wildpark einen bis zu drei Meter hohen Zaun. „Als nach dem siebenwöchigen ersten Corona-Lockdown ab Mitte Mai wieder die Besucher in den Wildpark durften, waren es ihm wohl zu viele Menschen und er verschwand“, erinnert sich Tierpfleger Achim Denich.

Der Luchs aus dem Vorjahr ging den Wildpark-Tierpflegern kurzzeitig in die Falle.

Als erster lieferte Jäger Thomas Sturm (Klein-Auheim) damals einen Beleg vom Auftauchen des Luchses: Seine Wildkamera fotografierte den Luchs. Wochen später wurde dann im Wildpark das Mufflon gerissen und es folgten die Wildpark-Besuche. Auf seinem Weg bis in den Taunus hinderten ihn offenbar auch keine Autobahnen und Bundesstraßen.

Wie der Hochtaunuskreis an „Hessenluchs“ meldete, blieb die Katze trotz Waldnähe im Stadtgebiet in Oberursel. Die zuständigen Behörden entschlossen sich daraufhin zum Schutz von Mensch und Tier, den eine Woche in einem Garten lebenden Luchs zu betäuben und zur Untersuchung in den Opel-Zoo Kronberg zu bringen. Von dort kam er in eine Wildtier- und Artenschutzstation, wo „M12“, der so schwer erkrankt war, dass er nicht mehr fressen konnte, eingeschläfert werden musste.

Fachleute gehen davon aus, dass auch der jetzige Luchs nach der Ranz aus der Gemarkung rund um den Wildpark abziehen wird. Wohin, ist ungewiss. Die Naturschutzorganisation BUND schätzt, dass nur zehn Luchse in Hessen leben.

Von Holger Hackendahl

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