Mehrere Tiere gerissen

Luchs macht Region um Hanau unsicher - Rätsel um Herkunft des Tieres

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Viermal hat die Wildkamera von Jagdpächter Thomas Sturm den Luchs erfasst.

Ein Luchs macht die Region um Hanau unsicher. Er soll mehrere Rehe und ein Schaf gerissen haben. Scheu zeigt er kaum. Woher das Tier gekommen stammt, ist ein Rätsel.

  • In der Region Hanau ist ein Luchs gesichtet worden
  • Das Tier soll ein Schaf und mehrere Rehe gerissen haben
  • Die Raubkatze hat im Wildpark Alte Fasanerie offenbar für Unruhe gesorgt

Hanau – Hat der frei lebende Luchs, der kürzlich in der Region Hanau gesichtet wurde, auf einem Grundstück am Häuser Weg ein Schaf gerissen? Der Steinheimer Jagdpächter Michael Birkenfeld hält das für wahrscheinlich: „Es kann eigentlich nur ein Luchs gewesen sein“. 

Auch Martin Messmer, der Halter des Schafes, sieht Anhaltspunkte dafür. „Ein Hund kann den gut zwei Meter hohen Zaun nicht überwunden haben“, sagt Messmer. Das tote Tier, das er am 25. Januar in Hanau entdeckte, war übel zugerichtet. „Erst im Nachhinein habe ich erfahren, dass hier in der Gegend ein Luchs unterwegs sein soll.“

Hanau: Wildkamera fängt Bilder von Luchs ein – Nicht aus Wildpark ausgebüxt

Rückblick: Vor einem Monat, am 4. Januar, hatte der Bewegungsmelder an der Wildkamera von Thomas Sturm ausgelöst. Zur großen Überraschung des Hanauer Jägers war darauf ein Luchs zu sehen. In den folgenden Wochen tappte der Luchs noch drei weitere Male in die Kamerafalle im Naturschutzgebiet Untere Fasanerie in Klein-Auheim. Sturms Vermutung, dass der Luchs aus dem nahegelegenen Wildpark in Hanau ausgebüxt war, bestätigte sich nicht.

Tierpfleger Achim Denich ist bei einer morgendlichen Fütterungsrunde durch die Alte Fasanerie in Hanau aufgefallen, dass die Luchse dort und auch die europäischen Wölfe seltsam abgelenkt schienen. „Irgendwas stimmt hier nicht“, stellte Denich fest. Die Luchse blickten alle in eine Richtung, interessierten sich nicht für die Fleischbrocken. Die Wölfe ließen sich gar nicht blicken. Möglicherweise, weil der frei lebende Luchs in der Nähe war.

Hanau: Wilder Luchs könnte über Mauer in Wildpark geklettert sein

Die Luchse im Klein-Auheimer Wildpark wirken bei der morgendlichen Fütterung seltsam abgelenkt. Möglicherweise irritiert die Nähe des streunenden Luchses seine Artgenossen.

Das Verhalten der Luchse ist für Wildpark-Biologin Dr. Marion Ebel aber erst mal nicht ungewöhnlich. „Manchmal sind die Luchse, weil sie etwas mehr gefressen haben, auch noch am nächsten Tag satt.“ Es könne zwar durchaus sein, dass der fremde Luchs über die Mauer des Hanauer Wildparks gesprungen sei. Ein Tier habe er dort aber nicht gerissen. Am einfachsten hätte er es laut Ebel bei den Hausziegen. Aber die sind alle wohlauf.

Wolfgang Heidrich, ehemaliger Revierförster des Wildparks und Vize-Vorsitzender des Fördervereins, tippt auf einen Appetit der ganz anderen Art. „Gerade ist Ranzzeit, die Paarungszeit der Luchse.“ Heidrich kann sich vorstellen, dass der fremde Luchs die Weibchen in der Fasanerie Hanau gewittert hat, dort herumstreunt und so die Luchse im Gehege irritiert.

Hanau: Ist der Luchs aus privater Haltung ausgebrochen?

Heidrich äußert die Vermutung, dass der fremde Luchs aus privater Haltung ausgebrochen ist. Private Luchszüchtung seien zwar verboten, unterstreicht Heidrich. Er kann sich dennoch vorstellen, dass der herumstreunende Luchs von Menschenhand aufgezogen worden ist, quasi als Flaschenkind. „So ist er an den Menschen gewöhnt und deshalb nicht ganz so scheu wie wilde Luchse, die etwa im Spessart leben.“ Und offenbar hat der Luchs nicht nur ein Schaf gerissen. Heidrich weiß von drei Rehkadavern, die „mit eindeutigen Luchsbissspuren“ gefunden wurden.

Für einen nicht ganz so wilden Luchs spricht auch die Sichtung einer Klein-Auheimerin, die am Ortsrand wohnt und im Nachbargarten früh morgens anhand der markanten Pinselohren einen Luchs erkannt haben will. Marliese Carius aus Hanau erzählt: „Ich bin morgens raus, so gegen 6 Uhr, und habe die Zeitung reingeholt. Auf der Bank beim Nachbarn hat er gesessen, ganz gemütlich die Beine übereinander gelegt.“ Ziemlich groß sei der Luchs gewesen, mit den typischen spitzen Ohren. Ehemann Horst Carius ergänzt, der Luchs sei auch nahe einer Pferdekoppel bei Klein-Auheim gesehen worden. Eine weitere Sichtung stammt vom Kleingartenverein an der Unteren Fasanerie.

Hanau: Skelettierte Rehe gefunden – War es der wilde Luchs?

Aus dieser kleinen Herde in Steinheim hat der Luchs mit großer Wahrscheinlichkeit ein Schaf gerissen.

Bereits Ende 2019 hatte Jagdpächter Thomas Sturm bei Hanau zwei skelettierte Rehe gefunden. „Erst dachten wir an einen wildernden Hund. Dann fanden wir ein weiteres Reh, an dem eine Keule abgefressen war.“ Inzwischen sei es naheliegend, auch aufgrund der Kamera-Aufnahmen, dass es ein Luchs war.

Furchtloser Luchs: Hanauer Tier hat keine Angst vor Straßenverkehr 

Sturm, auf dessen Wildkamera der Luchs insgesamt viermal aufgetaucht ist, hält es für wenig wahrscheinlich, dass das Tier aus dem Spessart eingewandert ist. Dafür hätte es den Main überqueren müssen, auch würden die scheuen Luchse durch die Autobahnen abgeschreckt. Mit Straßen wiederum scheint das Tier kein Problem zu haben. Um in Steinheim das Schaf zu reißen, musste der Luchs mindestens eine Schnellstraße überqueren.

VON HOLGER HACKENDAHL

Wer macht denn sowas? Erschüttert zeigten sich Mitarbeiter des Tierheims über einen Fund am frühen Morgen. In der eiskalten Nacht wurden in Hanau zwei Kaninchen „wie Müll“ ausgesetzt.

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