Kultur

„Mach" die Kamera an“: Lehrer Jens Weismantel hat ein Lied über seine Erfahrungen im Homeschooling geschrieben

„Kamerad, mach" die Kamera an!“. Das ist ein Satz, der in letzter Zeit wohl häufiger von Lehrern verwendet werden dürfte. Seit längerer Zeit sehen sich Lehrer damit konfrontiert, dass sie beim Online-Unterricht auf schwarze Bildschirme starren, weil ihre Schüler keinen großen Wert darauf legen, dass sie ihre Kamera anschalten. Über diese Thematik hat der Musiklehrer Jens Weismantel nun einen Song geschrieben.

Hanau/Main-Kinzig-Kreis – Das selbstgeschriebene Lied nahm der Pädagoge, der an der Karl-Rehbein-Schule unterrichtet, anschließend zu Hause auf und stellte es auf YouTube. Dort ist es unter dem Titel „Ka-Ka-Kamera an!!!“ zu finden.

„Als Musiker fehlt das Auftreten und das Kreative“, gesteht der Lehrer. Auch an der Karl-Rehbein-Schule lägen sämtliche musikalischen Aktivitäten brach. Daher habe er wohl ein Ventil für seine Kreativität gebraucht.

In dem Lied behandelt Weismantel die Gedanken und Gefühle, die er in Bezug auf den Online-Unterricht und die Interaktion mit den Schülern hat.

Weismantel spricht über seine Erfahrungen

Die Idee zu dem Song habe sich, so Weismantel, langsam entwickelt. „Es ist schon so, dass von 25 Schülern vielleicht nur fünf ihre Kamera anhaben“, sagt der Pädagoge. Daher müsse man versuchen, die Schüler ein wenig „aus der Reserve zu locken.“ In der Schule sei dies für ihn als Musiklehrer kein Problem, da er dort mit kleinen musikalischen Floskeln spielen und somit den Unterricht auflockern könnte. Dies stelle sich online wesentlich schwieriger dar. „Klar kann man die Schüler immer wieder auffordern, sich zu melden, wenn man die Liste durchgeht. Aber dadurch geht immer viel Unterrichtszeit verloren“, gesteht er.

Weismantel als Dirigent der Bläserphilharmonie Rhein Main bei der Verleihung des Kulturpreises.

Diese Gedanken und Erfahrungen kombinierte Weismantel im Anschluss mit Themen, die er im Unterricht behandelt hatte. So habe er bei seinen Siebtklässlern momentan die Geschichte der Rock- und Popmusik auf dem Stundenplan gehabt. Dort habe er ein wenig mit sogenannten Riffs experimentiert. Ein Riff ist ein kurzes, melodisches oder rhythmisches Musikmotiv, das prägnant ist und einen hohen Wiedererkennungswert genießt. Aus dieser Unterrichtseinheit entstand der Refrain des vom Pädagogen selbst geschriebenen Liedes. Nach und nach entwickelte der Lehrer dann die Melodien und den Text und reicherte ihn mit seinen Gedanken an. „Die Situation mit Emma, die im Lied vorkommt, ist aber nicht so passiert“, stellt Weismantel jedoch sofort klar. Vielmehr habe er einen recht allgemeingültigen Namen gesucht und sich daher für Emma entschieden.

Song hat bisher um die 20 000 Menschen erreicht

Das Lied nahm er anschließend daheim mit seinem Handy auf und zeigte es ein paar Freunden. Diese rieten ihm im Anschluss, das Video zu veröffentlichen, weshalb der Pädagoge einen YouTube-Kanal einrichtete. Ein anderer Freund sei dann auf ihn zugekommen und habe ihm geholfen, das Lied noch einmal in besserer Qualität aufzunehmen, anschließend veröffentlichte er diese Version ebenfalls auf seinem Kanal. Mittlerweile haben beide Videos rund 20 000 Menschen erreicht. Der Lehrer und seine Frau, die ebenfalls als Musiklehrerin arbeitet, sind von diesem Erfolg überrascht. „Der Song ist ja mit einem Augenzwinkern geschrieben und soll in erster Linie Spaß machen. Er ist besonders auch geschrieben worden, um die Schülerinnern und Schüler sowie die Kolleginnen und Kollegen zum Lachen zu bringen“, sagt Weismantel. (Von Jan Max Gepperth)

Auf Youtube singt Jens Weismantel über das Homeschooling in seinem Song „Ka-Ka-Kamera an!!!“

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