Premiere von „King“

Marionettentheater: Ein König an Fäden

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Prachtvoll sind die Marionetten, die die Puppenspieler Roland und Jale Richter in ihrem Stück „King“ auftreten lassen. Die Premiere am Donnerstagabend war ausverkauft.

Hanau - Das Publikumsinteresse am Puppenspiel für Erwachsene des Hanauer Marionettentheaters Richter ist groß. Am Donnerstagabend war die Premiere des Stückes „King“ im Foyer des Neustädter Rathauses ausverkauft. Von Dieter Kögel 

Eigens für dieses Stück wurden eine neue Bühne sowie sieben künstlerisch gestaltete Marionetten angefertigt. Mit dem von Jale Richter geschriebenen Stück „King“ blätterte Puppenspieler Roland Richter nicht nur in der Vergangenheit des englischen Königs Heinrich VIII. Insbesondere was das geschlechtsspezifische Verhalten angeht, schlagen Puppen und Spieler in der Inszenierung mehrfach den Bogen zur aktuellen Zeit.

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Dabei sind die Künstlermarionetten aus der Werkstatt von Barbara und Günther Weinhold in Berlin nicht immer nur unter sich. In schwarzer Hose und schwarzem Hemd, mit schwarzem Hut und rotem Schal bewegt sich Roland Richter mit seinen Figuren auf der Bühne. Mal sind nur die Figuren im Spot und haben alle Aufmerksamkeit, dann wieder teilen sich Heinrich oder eine seiner ehemaligen Frauen den Lichtkegel mit dem Puppenspieler, der mit den Figuren in direkten Dialog tritt und dabei die Herrschaften aus dem Mittelalter mit zeitgemäßen Gedanken konfrontiert, nach denen das Denken und Handeln von damals überkommen zu sein scheint.

Textcollagen allerdings machen dabei auch deutlich, dass Heinrichs Geisteshaltung gerade gegenüber Frauen eigentlich bis in die heutige Zeit hineinwirkt. Genauso wie der englische König sich seiner Frauen entledigte, die ihm keinen Sohn geboren haben, genauso werde sich heute noch vorwiegend in südosteuropäischen Ländern weiblicher Nachkommen entledigt. Dokumentation und Fiktion werden in „King“ verwoben, verschiedene Spiel- und Zeitebenen betreten. Und Heinrich altert auf der Bühne. Der Herr über „Gott und die Welt“ erscheint am Schluss als asthmatischer, von Diabetes geplagter und übergewichtiger Monarch, aber weiter eingenommen von seinen Allmachtsfantasien, die er kurzatmig in ein Lied auf die Dominanz der Männlichkeit in der Welt packt. Automatisch stellt sich bei Heinrichs Schlussakkord die Assoziation zu aktuellen und peinlichen Castingshows ein. Der Monarch demontiert sich selbst.

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Das Stück „King“ ist noch heute und am Sonntag im Rathausfoyer zu sehen. Einlass ist um 19. 45 Uhr, Spielbeginn um 20. 15 Uhr, der Eintritt beträgt 12 Euro.

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