Stadt Hanau legt Energie-und Treibhausgas-Bilanz vor und formuliert Ziele

Maßnahmen für besseres Klima

Auch beim Autoverkehr ist das Einsparpotenzial groß. ARCHIV
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Auch beim Autoverkehr ist das Einsparpotenzial groß. ARCHIV

Der Reduktion der Treibhausgase wird weltweit die entscheidende Rolle zugemessen, um die bei der Pariser Klimakonferenz gesetzten Ziele zu erreichen. Demnach soll die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius begrenzt werden.

Hanau. Wo steht die Stadt Hanau, um ihren Beitrag zur Erreichung dieses Ziels zu leisten? Wie können Bevölkerung, Industrie und der Dienstleistungssektor auf diesem Weg besser mitgenommen werden? Die Mitglieder des Ausschusses Bauen und Energie der Stadtverordnetenversammlung haben sich darüber kürzlich in Wolfgang informiert.

Präsentiert wurde unter anderem die Energie- und Treibhausgasbilanz der Jahre 2012 bis 2018 in der Fortschreibung des Klimaschutzkonzepts für die Stadt Hanau. Die Studie wurde im Auftrag der Stadt von der EnergyEffizienz GmbH in Lampertheim erstellt. Die Bilanz: Es ist schon einiges passiert, aber um das politische Ziel der Klimaneutralität Hanaus bis 2040 zu erreichen, müssen noch große Anstrengungen her.

Wie sehr die Zeit drängt, wird auch anhand der Temperaturentwicklung von 1881 bis 2019 deutlich: Von den zehn wärmsten Jahren in Hanau entfallen laut offizieller Statistik neun auf die letzten 20 Jahre.

In der jetzt vorgelegten Energie- und Treibhausgasbilanz haben die Autoren drei wichtige Emissionsquellen unter die Lupe genommen, nämlich Strom, Wärme und Verkehr.

Stromverbrauch ist gestiegen

Der Stromverbrauch ist in Hanau zwischen 2012 und 2018 um drei Prozent gestiegen, er muss effizienter werden, zum Beispiel durch den konsequenteren Austausch ineffizienter Geräte und den Einsatz energiesparender Anlagen. Auch geht es um eine Erhöhung des Anteils von Strom aus erneuerbaren Energien beziehungsweise Ökostrom. Immerhin: Der Anteil erneuerbarer Energien am Gesamtstrombedarf ist seit 2012 gestiegen und lag 2018 bei fünf Prozent. Künftig, so heißt es in der Bilanz, könnte der Stadt auch die angestrebte Verbesserung des bundesweiten Strommixes ein wenig in die Hände spielen. Prognostiziert wird aber auch, dass der Strombedarf in den Sektoren Wärme und Verkehr insgesamt steigt, etwa durch Wärmepumpen oder die erwünschte Zunahme von E-Fahrzeugen. Dennoch, so der Bericht, „können insbesondere im Stromsektor die klimaschädlichen Emissionen stark reduziert werden.“

Zuwachs bei der Fernwärme

Bei der Wärmeerzeugung wird auf eine höhere Verbrauchseinsparung gesetzt, vor allem durch Gebäudesanierungen. Notwendig sei aber auch der Ausbau der Nah- und Fernwärme sowie die Erhöhung des Anteils nachhaltiger Heiztechnologien und die effektivere Nutzung von Abwärme. In Hanau hat es bei der Fernwärme im Jahr 2018 einen Zuwachs um 24 Prozent gegenüber 2012 gegeben. Unterm Strich glauben die Bilanzautoren, gibt es bei der Wärmeerzeugung ein Einsparpotenzial von 27 Prozent.

Einsparpotenzial beim Verkehr

Beim Verkehr werden Einsparpotenziale durch eine deutlichere Verlagerung des Individualverkehrs auf öffentliche Verkehrsmittel und Fahrrad sowie durch die Umrüstung auf Elektro- und Wasserstoffantrieb empfohlen. Der motorisierte Individualverkehr macht bundesweit im Verkehrssektor mit 67 Prozent den größten Anteil aus. Bei den Energieträgern überwogen hier die Kraftstoffe Diesel mit 58 Prozent und Benzin mit 33 Prozent. Bundesweit sind 2018 im Verkehrssektor die CO2-Emissionen gegenüber 2012 um drei Prozent gestiegen.

Unterm Strich hat es – alle drei Sektoren zusammengenommen – einen Rückgang der CO2-Emissionen um insgesamt acht Prozent gegeben, wobei die positiven Entwicklungen in den Sektoren Strom und Wärmeerzeugung den Zuwachs an schädlichem Treibhausgas-Ausstoß im Verkehr kompensiert haben.

Sanierungsoffensive „Energiestadt Hanau“

Freilich – zur Diskussion gestellt wurde die Frage, wie man die Bevölkerung, die Industrie, den Dienstleistungssektor und auch die öffentliche Verwaltung besser auf den Weg zur Klimaneutralität der Stadt „mitnehmen“ kann. Offenbar ahnen die Autoren der Untersuchung selbst, dass die bessere Durchdringung des Klimaschutzgedankens das wohl schwierigste Unterfangen sein könnte. Sie schlagen in ihrem umfangreichen Maßnahmenkatalog die Formulierung und Propagierung eines neuen Leitbildes „Klimaneutrale Stadt 2040“ unter Einbindung des sogenannten „Restbudget-Ansatzes“ vor. Letzteres meint, dass für das weltweite Ziel der Begrenzung der Erderwärmung die Menge des CO2-Ausstoßes berechnet wurde, die noch freigesetzt werden kann, um eine globale Erwärmung über die festgelegte Grenze von zwei Grad Celsius hinaus zu verhindern. Heruntergebrochen auf Hanau bedeutet dies: Bleibt es bei der momentanen jährlichen Ausstoßmenge schädlicher Treibhausgase, dann würde die für die Stadt errechnete Höchstmenge bereits 2028 ausgeschöpft sein. Bewusstseinsfördernde Maßnahmen wie ein klimaneutraler Einkaufsführer und die Gründung eines Klimaschutzbeirats gehören ebenso zu den Vorschlägen, wie die Ausweitung von betrieblichen Mobilitätsmanagements und eine Sanierungsoffensive „Energiestadt Hanau“. Schon anhand kleiner Quartiere ließe sich modellhaft entwickeln, wie klimafreundlich saniert werden könne. Für solche Vorhaben stünden auch Bundes- und Landesmittel bereit, erläuterte der Klimaschutzmanager der Stadt Hanau, Sebastian Nellies, den Ausschussmitgliedern. Der Stadtverordnete Hans Egon Heinz, er war viele Jahre Chef des Hanauer Mieterbundes, glaubt indes, dass die Akzeptanz-Gewinnung in der Bevölkerung für Sanierungsprojekte eine große Herausforderung sei. Er verwies auf die Kosten, die bei Sanierungen auf Mieter gesetzlich umgelegt werden können. Die Stabsstelle im Rathaus ist mit großen Industriebetrieben und der Industrie- und Handelskammer bereits im Gespräch.

Die Stadtverordneten ihrerseits hatten bereits 2019 beschlossen, alle politischen Beschlussvorlagen künftig auch auf das Kriterium der Klimafreundlichkeit hin zu überprüfen.

Infos im Internet

Das Klimaschutzkonzept für die Jahre 2013 bis 2018

ist online zu finden unter hanau.de/mam/freizeit/test/kommunales_klimaschutzkonzept_hanau.pdf

Von Reinhold Schlitt

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