Gedenken an die Opfer von Halle

250 Mitbürger setzen Zeichen gegen Antisemitismus und Rassismus

„Éin Angriff auf uns alle“: OB Kaminsky forderte alle auf, sich Rassismus und Antisemitismus entgegenzustellen. Foto: iding
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„Ein Angriff auf uns alle“: OB Kaminsky forderte alle auf, sich Rassismus und Antisemitismus entgegenzustellen.

Rund 250 Menschen gedachten gestern Nachmittag auf dem Freiheitsplatz der beiden Opfer des rechtsterroristischen Anschlags von Halle an der Saale mit einer Schweigeminute.

Hanau – Gleichzeitig setzten sie ein Zeichen der Solidarität mit jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern und gegen Antisemitismus und Rassismus. Zu der Gedenkkundgebung aufgerufen hatten Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky und Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck.

Bei der rund 30-minütigen Kundgebung sprachen neben Kaminsky auch die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Hanau, Irina Pisarevska, sowie die Vorsitzende des Hanauer Ausländerbeirates, Selma Ilkhan-Yilmaz. Alle drei bezeichneten den Angriff auf die jüdischen Synagoge in Halle durch einen rechtsterroristischen Täter als „Angriff, der auf uns alle zielt“. Der schwer bewaffnete 27-jährige Täter hatte am höchsten jüdischen Feiertag, dem Versöhnungsfest Jom Kippur, vergeblich versucht, die Eingangstür der Synagoge in Halle aufzuschießen, um ein Massaker unter den dort betenden Gläubigen anzurichten. Als es ihm nicht gelang, in die Synagoge einzudringen, tötete der Antisemit zwei unbeteiligte Passanten, eine 40-jährige Frau und einen 20-jährigen Mann.

Hanau: Kaminsky beklagt wachsenden Antisemitismus

„Es ist unerträglich, es fügt einem körperlichen Schmerz zu, zu ertragen, dass jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger sich in Deutschland verbarrikadieren müssen und Todesängste in ihrem Gotteshaus durchleben“, erklärte Kaminsky, der als Zeichen der Solidarität mit Juden Kippa trug.

Kaminsky forderte, der demokratische Rechtsstaat müsse angesichts des Rechtsterrors, der auch schon zu den Morden des NSU und zum Mord an Regierungspräsidenten Walter Lübcke geführt habe, seine Wehrhaftigkeit unter Beweis stellen. „Die Tat mag die eines Einzelnen gewesen sein. Für das Motiv der Tat gilt das nicht“, beklagte Kaminsky wachsenden Antisemitismus, Rassismus und Menschenverachtung in unserer Gesellschaft.

Kaminsky forderte ebenso wie die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Hanau, Irina Pisarevska, jeden einzelnen Bürger dazu auf, sich menschenverachtenden Äußerungen, Antisemitismus und Rassismus auch im Alltag entgegenzustellen. Die Tat von Halle, so Pisarevska, habe einmal mehr deutlich gemacht, dass es leider notwendig sei, jüdische Einrichtungen in Deutschland zu schützen. Und wenn jüdische Kinder davon berichteten, dass sie in der Schule und in ihrem Alltag ihr Judentum aus Angst vor Schmähungen verschwiegen, „dann zeigt das, welch großes Problem wir in unserer Gesellschaft haben“, so Pisarevska.

VON DIRK IDING

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