Beschluss des Magistrats für innovatives Projekt

Nächster Schritt für Seniorenanlage in Kein-Auheim ist getan

Auf einem Teilstück des Areals an der Straße An den Mainwiesen soll die Wohn- und Pflegeeinrichtung für Senioren gebaut werden. Archivfoto: Häsler
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Auf einem Teilstück des Areals an der Straße An den Mainwiesen soll die Wohn- und Pflegeeinrichtung für Senioren gebaut werden.

Für die seit Jahren geplante innovative Alten- und Pflegeeinrichtung in Klein-Auheim folgt der nächste Planungsschritt.

Klein-Auheim – Für die seit Jahren geplante innovative Alten- und Pflegeeinrichtung in Klein-Auheim folgt der nächste Planungsschritt. Der Magistrat hat den Offenlagebeschluss des Bebauungsplans gefasst, am 22. Juni ist das dann Thema in der Stadtverordnetenversammlung.  Im Offenlagebeschluss befassen sich die städtischen Gremien auch mit insgesamt 17 Stellungnahmen, die mit sechs unterschiedlichen Eingaben eingegangen sind. Die Bürger konnten sich bei einer Infoveranstaltung vor einem Jahr über die Planung kundig machen und im Oktober 2019 zu einer Bebauungsplan-Änderung Stellung nehmen.

Dabei gab es, wie berichtet, unter anderem Kritik am vorgesehenen Standort für das pflegenahe Wohnen, zudem Befürchtungen hinsichtlich der An- und Abfahrten sowie der Parkplätze. Das Projekt soll auf einem 3000 Quadratmeter großen Teilstück der Grünfläche der Straße An den Mainwiesen realisiert werden. Im Vorfeld gab es mitunter heftige Proteste von einigen Anwohnern.

Mehrere Standorte wurden für das Vorhaben geprüft. „Das Mühlfeld hat sich als am geeignetsten herausgestellt“, so OB Claus Kaminsky. Die Fläche gehört der Stadt. Dort war ursprünglich eine Kita geplant, die aber an dieser Stelle nie realisiert wurde.

Kritik am Standort und an Geschosszahl

Auch Bedenken wegen Höhe und Größe der geplanten Bebauung wurden in den Stellungnahmen geäußert. Was die festgesetzte Zahl der Vollgeschosse angeht, sieht der Bebauungsplanentwurf jetzt vor, dass in einem Teilbereich des Plangebiets eine eindeutige Gebäudehöhe in Metern festgelegt wird, heißt es im städtischen Pressedienst. Damit wolle man Ansatzpunkte für Missverständnisse beseitigen, ohne die Festsetzungen des Bebauungsplans im Kern zu ändern. „Das ist wichtig, weil es unser politisches Versprechen war, nur die Zweckbestimmung und nicht die Grundzüge der Planung zu ändern“, so der Rathauschef. Nach seinen Worten begegnet die Stadt damit der Kritik, dass im rückwärtigen Gebäudeteil zwei Vollgeschosse festgesetzt sind, der Bebauungsvorschlag der Caritas jedoch drei Geschossebenen hat. Ein Gebäude mit zwei festgesetzten Vollgeschossen könne jedoch immer drei Geschossebenen haben, erläutert die Stadt, weil zusätzlich so genannte Staffelgeschosse zulässig sind. Solche zurückgesetzten Staffelgeschosse haben eine geringere Grundfläche als die darunterliegenden Vollgeschosse. Diese Bedingung erfülle der Bebauungsvorschlag der Caritas durch eine Öffnung und Rücksprünge im Gebäudeinneren.

Wie mehrfach berichtet, wird der Caritas-Verband Offenbach, der Wohlfahrtsverband der katholischen Kirche, das Vorhaben im Verbund mit der Rudolph Bau GmbH (Obertshausen) realisieren. In einem Investorenwettbewerb bekam dieses Konzept den Zuschlag.

„Die neue Festsetzung ist eindeutig“, bekräftigt Stadtentwickler Martin Bieberle zum Thema Gebäudehöhe und Geschosse. Die nun festgelegte Höhe von rund zehn Metern ermögliche drei Ebenen. Bieberle: „Das ist aus unserer Sicht städtebaulich verträglich.“

Bisher gibt es keine Seniorenwohneinrichtung im Stadtteil, obwohl schon seit 20 Jahren immer wieder darüber diskutiert wurde. Das Konzept, das nun verwirklicht wird, ist modellhaft: Es vereint Wohnen und Pflege; möglichst selbstständiges Wohnen im Alter und der individuell notwendige Pflegebedarf werden dabei kombiniert.

Baustart voraussichtlich nächstes Jahr

Vorgesehen sind 50 Wohnungen, darunter 33 im Pflegewohnen mit Betreuungsgrundleistungen, zwei für Kurzzeitwohnen bzw. -pflege mit Betreuungsgrundleistungen und 15 für Betreutes Wohnen. Außerdem soll es eine Tagespflege mit 16 Plätzen geben. „Wohnen mit Service im Alter“ ist das Wohnkonzept überschrieben, bei dem die Mieter zwischen verschiedenen Wohnformen in Kombination mit abgestuften ambulanten Pflegeangeboten wählen können. Das Wohn- und Pflegemodell soll laut Caritas-Verband Offenbach den Bewohnern so viel selbstbestimmtes Leben in gewohnter Privatheit wie möglich gewährleisten und so viel qualifizierte Unterstützung, wie nötig. Die Angebote sollen sich der Pflegebedürftigkeit der Menschen anpassen, wodurch ein weiterer Umzug, etwa in ein Pflegeheim, hinausgezögert oder ganz vermieden werden soll.

In Klein-Auheim gibt es bislang kein Wohn- und Pflegeangebot für Senioren, obwohl dort 1500 Menschen leben, die älter als 65 Jahre sind. Etwa 400 Menschen sind 80 Jahre und älter. Während die Einwohnerzahl seit 2013 um 1,2 Prozent angestiegen ist, nahm die Zahl der über 65-Jährigen um 2,1 Prozent zu, die der über 80-Jährigen sogar um 15,7 Prozent.

Unter der Voraussetzung, dass der Bebauungsplan in der zweiten Jahreshälfte abgeschlossen wird, könnte der Caritas-Verband voraussichtlich Anfang 2021 einen Bauantrag einreichen, heißt es im städtischen Pressedienst. Damit könnte im Laufe des kommenden Jahres Baustart im Mühlfeld sein.

VON CHRISTIAN SPINDLER

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