„Waren etwas überrumpelt“

Eine Stunde Anstehen fürs Gummiband: Ansturm aufs Nähzentrum nach Corona-Pause

Rund 20 Schutzmasken hat Beate Imhof (links) schon genäht. Endlich hat sie Gummiband für weitere gefunden. Rechts im Bild Verkäuferin Petra Jaschkowitz. 
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Rund 20 Schutzmasken hat Beate Imhof (links) schon genäht. Endlich hat sie Gummiband für weitere gefunden. Rechts im Bild Verkäuferin Petra Jaschkowitz. 

Das Nähzentrum Bergmann in Hanau hat wieder geöffnet - und verzeichnet nach der Corona-Auszeit einen Ansturm wie kaum ein anderer Laden in der Innenstadt.

  • Das Nähzentrum Bergmann in Hanau hat nach dem Corona-Lockdown wieder geöffnet
  • Der Ansturm ist enorm, die Schlange lang
  • Viele Kunden brauchen Stoff, weil sie Masken nähen wollen

Hanau – „Ich arbeite seit 35 Jahren hier, aber so einen Ansturm habe ich wirklich noch nie erlebt. “ Petra Jaschkowitz hat Schweißperlen auf der Stirn. So wie ihre Kolleginnen, die emsig durch den Verkaufsraum des Nähzentrums Bergmann in der Hanauer Innenstadt wuseln.

Die Einzelhandelskauffrau winkt die nächste Kundin herein. Diese muss sich erst mal die Hände desinfizieren. „Das ist zum gegenseitigen Schutz, wie das Maskentragen. Auch wir desinfizieren die Hände nach jedem Kunden“, sagt Jaschkowitz, während sie die Kundin zu den heiß begehrten Gummibändern führt.

„Im ganzen Kreis sind sie ausverkauft. Ich bin sogar schon bis nach Unterfranken gefahren, um welche zu bekommen“, sagt Kundin Beate Imhof aus Niedermittlau. Heute hat sie Glück. Gummiband gibt es im Nähzentrum Bergmann noch genügend. Sogar in verschiedenen Farben. „Wir haben eine gute Quelle“, lacht Verkäuferin Jaschkowitz, die bereits mit 15 Jahren bei Bergmann angefangen hat. Von 9.30 bis 15 Uhr steht sie heute im Laden, zusammen mit drei Kolleginnen. Zum Verschnaufen ist kaum Zeit. 150 bis 200 Kunden am Tag sind zu bedienen.

Nähzentrum Bergmann in Hanau: Großer Ansturm nach Corona-Pause

Die Schlange, die sich draußen auf der Salzstraße über mehrere Häuserzeilen hinzieht, und bei der jeder auf den nötigen Mindestabstand achtet, wird nicht kleiner.

„Am Samstag hätten sie mal hier sein müssen. Das war verrückt. Da standen die Leute teils eine Stunde an für Stoff und Gummibänder. Da bin ich wieder gegangen. Heute musste ich zum Glück nicht so lange warten“, berichtet eine andere Kundin. Jaschkowitz kann das bestätigen. „Die Kunden kommen mittlerweile auch aus Fulda oder Wächtersbach hierher.“ Doch gilt es nicht nur die Kunden vor Ort zu bedienen. Auch Online- und Telefonbestellungen müssen bearbeitet werden. „Als wir noch geschlossen hatten, lief alles ausschließlich darüber. Wir haben die Stoffe fotografiert und auf unserer Website gezeigt. Die Kunden konnten sie dann im Laden abholen. Inzwischen sind diese Stoffe komplett ausverkauft“, so Jaschkowitz.

Nähzentrum Bergmann in Hanau: Viele wollen Masken nähen

Seit gut einer Woche hat das Nähzentrum Bergmann wieder geöffnet. Stoff-Nachschub gibt es ausreichend. Gefragt sind vor allem Baumwollstoffe, kochbar, fürs Maskennähen. „Baumwolle, die einigermaßen schön aussieht, ist inzwischen nur noch schwer zu bekommen. Mittlerweile geht es da ja auch ein Stück weit ums Design“, weiß die Verkäuferin. So sei etwa die Nachfrage nach farbigem Gummiband groß, und auch gefalztes Schrägband zum Einfassen der Masken ist begehrt.

Im Obergeschoss des Ladens hat Juniorchefin Susanne Dietrich ihren Arbeitsplatz. Sie koordiniert alles. „Keiner hat mit diesem Andrang gerechnet“, sagt sie, „wir waren etwas überrumpelt.“ 80 Prozent der Kunden kauften Baumwollstoff und Gummibänder, um Masken zu nähen. Aber auch Nähmaschinen seien gefragt. Eine Serie ist schon komplett ausverkauft - deutschlandweit.

VON KERSTIN BIEHL

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