Corona-Krise

Vertrackte Situation in Hanau: Oberbürgermeister Kaminsky verfügt Grundschul-Schließung bis 4. Mai

Dieser Hinweis steht am Eingang der Eppsteinschule in Steinheim. Am Montag werden 85 Schüler erwartet.
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Dieser Hinweis steht am Eingang der Eppsteinschule in Steinheim. Am Montag werden 85 Schüler erwartet.

Die Vorbereitungen für den teilweisen Schulstart am Montag fanden bereits unter Zeitdruck statt. Gestern, als endlich so gut wie alles stand, kam überraschend das Stopp. 

Hanau- Der Hessische Verwaltungsgerichtshof entschied am Mittag, dass Viertklässler nicht zum Unterricht müssen. Eltern und Schulleitungen wurden überrascht. Einige, wie Jana Becke, Konrektorin der Theodor-Heuss-Grundschule in Steinheim, halten die Verschiebung des Neustarts an den Grundschulen indes für sinnvoll.

Oberbürgermeister Claus Kaminsky kritisierte, dass die Stadt als Schulträger erst vier Stunden nach dem Gerichtsurteil ein offizielles Papier des Kultusministeriums bekommen habe: „Unvorstellbar, dass es so lang gedauert hat und wir lediglich einen für Familien unverständlichen Satz geliefert bekommen.“ Kaminsky verfügte am frühen Abend: Alle Hanauer Grundschulen bleiben vorerst bis zum 4. Mai geschlossen. „Es braucht Klarheit für die Eltern.“ Die Notbetreuung für die Klassen 1 bis 6 bleibt bestehen.

An der Geschwister-Scholl-Schule in Steinheim sollten zwei vierte Klassen in drei Lerngruppen unterrichtet werden, wie Schulleiterin Birgit Schwab zeigt. Nun bleibt die Grundschule vorerst geschlossen. 

Der Rathauschef bezeichnete es als absurd, dass der Antrag der Klägerin, einer Schülerin aus Frankfurt, bereits am 20. April eingegangen sei: „Das Ministerium hat vier Tage Zeit, um sich darauf vorzubereiten, dass es in diesem Verfahren vielleicht den Kürzeren ziehen wird, und agiert nun, als habe es diese Entscheidung des Gerichts kalt erwischt.“

Auch aus betroffenen Grundschulen gab es gestern erste Reaktionen:

Geschwister-Scholl-Grundschule Steinheim: Vorgesehen war, dass zwei vierte Klassen in drei Lerngruppen mit je zwölf Kindern unterrichtet werden, so Schulleiterin Birgit Schwab. Dann kam die Gerichtsentscheidung. „Wir hatten uns bestens vorbereitet, aber vielleicht können wir aus der Öffnung der weiterführenden Schulen Erfahrungswerte gewinnen. Ich verstehe ja, dass die Kinder wieder in die Schule müssen, aber die Situation ist vertrackt.“ Auch die bestmögliche Vorbereitung sei noch keine Gelingensgarantie. Besonderheit an ihrer Schule: Wegen des derzeitigen Erweiterungsbaus gibt es dort momentan so gut wie keinen Schulhof für die 146 Kinder. Schwab: „Meine Planung war, dass nie mehr als 15 Kinder gleichzeitig auf dem Pausenhof sind.“

Theodor-Heuss-Grundschule Steinheim: Dort sollten knapp 60 Viertklässler wieder in die Schule kommen. „Wir saßen die komplette Woche an den Planungen, mitunter bis spät abends. Wir haben die Schule ausstaffiert, getagt und organisiert, wir haben Briefe an die Eltern geschrieben, Begehungen gemacht, Stoppschilder und ,Einbahnstraßenschilder’ aufgehängt und nun wollte ich noch ein Video für die Schüler machen“, so Konrektorin Jana Becke gestern Nachmittag. Sie sagt aber auch: „Es ist sicherlich sinnvoll, dass der Start an Grundschulen im Sinne der Gesundheit der Schüler und der Lehrer verschoben wird.“ Becke informierte gestern die betroffenen Eltern mithilfe des Vorsitzenden des Elternbeirats über eine WhatsApp-Gruppe und per E-Mail.

Nach dem Gerichtsurteil werden ab Montag nur die 12. Jahrgangsstufen von Gymnasien sowie die Abschlussklassen von Haupt- und Realschulen wieder mit dem Unterricht beginnen. Wir haben bei Schulen aus den Stadtteilen nachgefragt.

St. Josef-Mädchenrealschule Großauheim: Dort werden ab Montag 45 Schülerinnen der zwei Abschlussklassen in vier Lerngruppen in den für die Prüfungen relevanten Hauptfächern Deutsch, Englisch, Mathematik unterrichtet. „Es gibt einen ganz detaillierten Plan, wann die Schülerinnen im Minutentakt in die Schule eintreten“, erläutert Schulleiterin Petra Höller-Gaiser. Geregelt ist auch, welche Treppen die Schülerinnen zu verwenden haben. Pausen gibt es keine, aber die Mädchen können einzeln raus und Pause machen. Die Schule hat vorgegeben, dass die Mädchen, sobald sie den Klassenraum verlassen, ihre Schutzmaske aufsetzen müssen. Die übrigen Klassen sind noch im Homeschooling.

Eppsteinschule Steinheim: An der Haupt- und Realschule fangen 85 Schüler der Abschlussklassen wieder an und bereiten sich auf die Prüfungen in der letzten Maiwoche vor. Die drei Abschlussklassen - zwei Real- und eine Hauptschulklasse - sind in sieben Lerngruppen aufgeteilt. Besonderheit: „Wir haben Maskenpflicht auch während des Unterrichts. Wenn es beklemmend wird und ein Schüler es nicht mehr aushält, kann er kurz vor die Klassentür gehen. Wenn jeder eine Maske trägt, ist allen damit geholfen“, sagt Schulleiterin Ruth Schrader-Bauer. Der Förderverein hat 100 Masken gespendet.

Lindenauschule Großauheim: Ab Montag werden in der gymnasialen Oberstufe einige Schüler das schriftliche Abitur nachschreiben. Vom 25. bis 29. Mai findet das mündliche Abitur statt. Unterricht gibt es in den Prüfungsfächern Mathe, Deutsch und Englisch. Die Schüler der 10. Klassen, die in der Integrierten Gesamtschule an der Realschulprüfung teilnehmen (75 Schüler), haben ebenso wie die 75 Hauptschüler der 9. Klasse ab 25. Mai ihre Prüfungen. Insgesamt werden 150 Schüler der Klassen 9 und 10 sowie weitere 50 Schüler im gymnasialen Jahrgang 12 beschult. Für die geteilten Klassen stehen jeweils zwei Räume und zwei Lehrer zur Verfügung, sagt Schulleiter Hermann Alig. Sollte die Schule auch für die weiteren Klassen geöffnet werden, müsse es aus Raum- und Personalgründen eine Stundenreduzierung geben.

Von Christian Spindler und Holger Hackendahl

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