Entscheidung fürs „Tanzende Bild“

Oppenheim-Denkmal kostet Stadt 30.000 Euro

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Elf Meter hoch soll die Stahl-Skulptur vor dem „Forum Hanau“ werden, die der Künstler Robert Schad entworfen hat. Zu dem abstrakten Werk gehört ein figürliche Darstellung Oppenheims.

Hanau - Die Riesen-Stahlskulptur zu Ehren von Moritz Daniel Oppenheim wird auf dem künftigen Freiheitsplatz installiert. Die Stadt zahlt dafür nun höchstens 30.000 Euro. Von Christian Spindler 

Das beschloss das Stadtparlament nun erwartungsgemäß mit den Stimmen der Regierungskoalition von SPD, Grünen und BfH sowie mit Unterstützung der Republikaner. Die Opposition aus CDU, FDP, Linken und Alternativer Liste (AF) votierte dagegen. Der städtische Anteil des 225.000 Euro teuren Kunstwerks soll dank Sponsoren auf höchstens 30.000 Euro gedrückt werden.

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Kunst im Erklärungsversuch

CDU, FDP, Linke und AF waren zuvor mit ihrem Ansinnen gescheitert, die Entscheidung zu verschieben. Ihr Hauptargument: Erst wenn das aus fünf Gebäudeteilen bestehende Einkaufs- und Bibliothekszentrum „Forum Hanau“ fertig sei, könne man „die baulichen Proportionen besser beurteilen“, so der FDP-Stadtverordnete Holger B. Vogt. Dem widersprach Oberbürgermeister und Kulturdezernent Claus Kaminsky (SPD). Der Künstler Robert Schad, auf dessen Entwurf sich Jury, die SPD/Grünen/BfH-Koalitionsrunde und der Magistrat bereits zuvor geeinigt hatten, habe sich „eingehend mit den Proportionen“ des Platzes befasst. Und: Würde das Kunstwerk erst nach Fertigstellung des „Stadtplatzes“ installiert, müsste das Pflaster wieder aufgebrochen und das Fundament nachträglich gesetzt werden. Mehrkosten laut Kaminsky: 30.000 Euro.

Debatte über Kunst

Moritz Daniel Oppenheim

Stellenweise wurde in der gut einstündigen Debatte auch über Kunst diskutiert. Die Bedeutung des Schad-Entwurfs „Moritz und das tanzende Bild“ mit einer elf Meter hohen abstrakten Stahl-Skulptur und einer figürlichen Darstellung Oppenheims „erschließt sich dem Betrachter kaum“, meint Oppositionsführer Dieter Hog (CDU), der fürchtet, dass sich die Hanauer „nur schwer mit dem Denkmal anfreunden können“. FDP-Mann Holger B. Vogt sprach gar von einem „negativen Image“, mit dem das Kunstwerk behaftet sei, zumal die Skulptur mit einem „ Übermaß an Abstraktion“ aufwarte, wie der Liberale formulierte. Hingegen sieht die SPD-Fraktionsvorsitzende Cornelia Gasche eine gelungene „Spannung von figürlichen und abstrakten Elementen“ in dem Schad-Werk, die „miteinander korrespondieren.“

Für die Opposition bleibt nach wie vor das Auswahlverfahren kritikwürdig. Angesichts der Tatsache, dass sich nach der Jury mit Fachleuten, Künstlern und Vertretern der Stadt auch die Koalitionsspitzen von SPD, Grünen und BfH ebenso wie der Magistrat frühzeitig auf einen der sechs eingereichten Entwürfe festgelegt hatten und erst dann die Bürger aufgefordert wurden, ihre Meinungen zu äußern, monierte CDU-Fraktionschef Dieter Hog, über das Vorhaben sei „im stillen Kämmerlein“ entschieden worden. Die nachträgliche Beratung im parlamentarischen Ausschuss sei lediglich eine „Alibi-Ausschusssitzung“ gewesen. Durch eine „Scheindiskussion“ sei „das richtige und wichtige Anliegen ,Oppenheim-Denkmal´ erheblich beschädigt“ worden. Der Unmut vieler Leute sei verständlich, assistierte Jochen Dohn von den Linken, weil die eigentliche „Entscheidung schon frühzeitig festgestanden hat“. Dohn: „Das Verfahren war ein Fehler.“

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Auch wenn führende Koalitionspolitiker mittlerweile zumindest inoffiziell einräumen, dass es Kommunikationsfehler gegeben habe, lobte Rathauschef Kaminsky die Diskussion der letzten Wochen. Dies habe gezeigt, dass den Bürgern „die Entwicklung in Hanau nicht gleichgültig ist“. Der hier geborene renommierte Porträt- und Historienmaler Moritz Daniel Oppenheim (1800-1882) sei jedenfalls in der Stadt „noch nie so präsent und bekannt gewesen“ wie derzeit. Das habe Oppenheim verdient.

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Hinsichtlich der Kosten für das Riesen-Kunstwerk auf dem neuen Freiheitsplatz nahm Kaminsky bei der entscheidenden Stadtverordnetensitzung am Montagabend den Kritikern überraschend den Wind aus den Segeln. Wie berichtet, hatte bisher die Bürgerstiftung der Sparkasse erklärt, 50.000 Euro für die 225.000 Euro teure Skulptur aus oxidiertem Stahl zu übernehmen. Nach dem jüngsten Ausschussvotum haben laut Kaminsky nun weitere private Mäzene und Unternehmen „beachtliche Zusagen“ für eine Kostenbeteiligung geben, so dass für die Stadt am Ende ein Eigenanteil von höchstens 30.000 Euro übrig bleibe. Wer die Spender und Sponsoren sind, darunter Firmen aus Hanau und auch aus der Region, soll erst bei einem Pressetermin in den nächsten Wochen bekannt gegeben werden.

Das Einkaufs- und Bibliothekszentrum „Forum Hanau“, das von Investor HBB für 160 Millionen Euro errichtet wird, soll im Herbst 2015 eröffnet werden. Die Stadt gestaltet bis dahin auf dem Freiheitsplatz die verbleibende Freifläche als „Stadtplatz“ um. Daneben entsteht der neue Busbahnhof.

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