Wasserturm

Originalzustand soll hergestellt werden: Dachsanierung des Wasserturms an der Landstraße beginnt

Der 42 Meter hohe Wasserturm ist eingerüstet: Mit einem Aufzug am Baugerüst werden die Arbeiter und ihr Material nach oben gebracht.
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Der 42 Meter hohe Wasserturm ist eingerüstet: Mit einem Aufzug am Baugerüst werden die Arbeiter und ihr Material nach oben gebracht.

Eigentlich sollte das Gerüst am Wasserturm der Stadtwerke Hanau an der Landstraße in unmittelbarer Nachbarschaft zum Tierheim und zur Kläranlage schon längst wieder abgebaut sein. Doch aufgrund von Verzögerungen beim Aufbau und bei der TÜV-Abnahme haben jetzt erst die Arbeiten an der Dachabdeckung begonnen. Rund fünf Wochen werden die beiden beauftragten Firmen benötigen, um die Eindeckung mit Zinkblech komplett zu erneuern.

Hanau – „Unseren Unterlagen zufolge wurden bislang immer nur Reparaturarbeiten ausgeführt und noch nie, seit der Wasserturm steht, die Eindeckung komplett ausgetauscht. Allerdings wurde 2004 die Fassade saniert“, stellten Leon Meidner, Leiter des technischen Büros der Stadtwerke Hanau, und Wassermeister Burkhard Steigerwald beim Ortstermin fest. Immerhin wurde der Turm 1889 eingeweiht, und zwar in direkter Nachbarschaft des ehemaligen Wasserwerks eins, das sein Nass aus Pumpen bezog, die in Richtung Main Grundwasser förderten. Mit dem Bau der Staustufe im Zuge der Mainregulierung in den 1920er-Jahren mussten die Pumpen dann abgeschaltet werden, weil Mainwasser das Grundwasser verunreinigte, berichtete Meidner. Heute wird das historische Gebäude des Wasserwerks vom Tierheim benutzt.

„Es hat rund ein Jahr gedauert, bis alle Genehmigungen vorlagen und der Förderantrag bewilligt war“, so Steigerwald. Da der Turm unter Denkmalschutz und zudem auf Dörnigheimer Gemarkung steht, musste das zuständige Amt in Gelnhausen für die Dachsanierung grünes Licht geben und auch beim Land die Fördermittel in Höhe von 60 000 Euro beantragen. Insgesamt sind rund 250 000 Euro für die Arbeiten veranschlagt. „Auflage der Behörde war dann, den Originalzustand wieder herzustellen, also das Dach komplett von der alten Blechabdeckung zu befreien und anschließend wieder mit Zinkblech einzudecken. Das Dach des 42 Meter hohen Turms sitzt auf einem Holzgebälk und die Arbeiter und das Material werden mit einem am Gerüst angebrachten Aufzug zum Arbeitsplatz gebracht. Ansonsten müssten sie jeden Tag im Innern 199 Stufen emporsteigen“, so Meidner.

Leon Meidner überprüft unterhalb des Wasserbehälters die Gängigkeit einer Ablaufabsperrung.

Beim Ortstermin mit Meidner und Steigerwald hatte der HANAUER ANZEIGER die Gelegenheit, das Innere des Turms zu besichtigen. Beeindruckend bereits die Eingangstür aus Gusseisen, ganz im Stil des damaligen Architekturgeschmacks gestaltet –wie der gesamte Turm mit Ziegelverblendung und Friesen aus Sandstein. Die Basis des Turms, dessen Mauerwerk sich nach oben hin verjüngt, ist rund 2,50 Meter mächtig. Im Innern erwartet den Besucher erst einmal relative Leere. Zwei dickere Rohre, eine Pumpe und die mittig angebrachte Originaltreppe mit Gusseisengeländer und Holzstufen machen nur bedingt Eindruck. Steigt man aber die bereits erwähnten 199 Stufen nach oben, stößt man auf den mächtigen Wasserbehälter, der vollständig aus genieteten Stahlplatten besteht, „der ohne Dichtungen zusammengebaut worden ist“, erläuterte Meidner. In der Mitte ist der Behälter nach unten rund gewölbt, an den Seiten liegt er auf der Außenmauer des Turms auf. Deshalb gibt es auch mehrere Abflussrohre, die sich in der Mitte zu einem Zentralrohr vereinen.

„Das Fassungsvermögen des Wasserbehälters beträgt 500 Kubikmeter und der Turm wird als Druckausgleichsbehälter benutzt. Mann muss sich das so vorstellen: Wenn beim Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft in der Halbzeitpause mehrere tausend Menschen in Hanau gleichzeitig auf die Toilette gehen und spülen, sinkt augenblicklich der Druck im Wasserleitungssystem der Stadt. Dann drückt Wasser aus dem Turm mit 4 bar in die Leitungen und der Druck ist wieder wie gewohnt. Mit Pumpen würden wir das nicht schaffen, denn die sind zu träge“, erläuterte der Leiter des technischen Büros die auch für die Zukunft wichtige Funktion des Wasserturms für das Leitungssystem der Stadtwerke. Einmal im Jahr wird der Behälter im Turm gereinigt, dann müssen die 500 Kubikmeter Wasser abgelassen und später wieder auf rund 40 Meter hochgepumpt werden.

Im Innern des Turms erwartet den Besucher erst einmal eine relative Leere: Zwei dicke Rohre und die mittig angebrachte Originaltreppe. Zur ersten Umlaufplattform des Wasserbehälters führen 199 Treppenstufen.

Auf den beiden Laufstegen rund um den Wasserbehälter und an einer Stelle der Wandung kann man noch sehen, dass auch der Turm an der Landstraße während des Zweiten Weltkriegs nicht ohne Treffer davonkam. Während die Einschüsse im Behälter kurz nach Kriegsende zugeschweißt wurden, um die volle Funktionstüchtigkeit des Wasserturms zu gewährleisten, sind Löcher in den Laufstegen aus Metall noch zu sehen. „Vor Jahren hat eine Naturschutzorganisation Greifvögelnistplätze direkt unter dem Turmtrauf eingerichtet. Die sollen jetzt wieder geöffnet und für die Vögel nutzbar gemacht werden“, erzählte Leon Meidner beim Rundgang um den Wasserbehälter von einer flankierenden Maßnahme der Dachreparatur.

Außer dem Wasserturm, der für den Druckausgleich zuständig ist, gibt es einen weiteren in der Regie der Stadtwerke in Großauheim, der als Reservoir genutzt wird. Der Wasserturm in Steinheim wird vom Zweckverband Wasserversorgung Offenbach betrieben, der diesen Stadtteil und Klein-Auheim mit dem Nass über eine Übernahmestelle mit den Stadtwerken versorgt. „Unser historischer Turm an der Landstraße ist ein wichtiger Teil der Wasserversorgung der Stadtwerke. Deshalb freuen wir uns, dass das Dach jetzt wieder auf Vordermann gebracht wird, denn er soll uns noch lange erhalten bleiben“, so Steigerwald.

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