Ortsvereine planen Fusion

DRK in Hanau und Wolfgang macht gemeinsame Sache

Der alte Krankentransportwagen aus Wolfgang wird derzeit in Hanau wieder fit gemacht. Im Hintergrund ist der Rettungshubschrauber Christoph 2 zu sehen.
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Der alte Krankentransportwagen aus Wolfgang wird derzeit in Hanau wieder fit gemacht. Im Hintergrund ist der Rettungshubschrauber Christoph 2 zu sehen.

Es soll eine Liebesheirat werden, geschlossen aus freien Stücken, auch wenn sie nicht ganz ohne äußere Zwänge zustande kommt. Die Ortsvereine Hanau und Wolfgang des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) wollen sich das Jawort geben. Darüber informiert das DRK in einer Pressemitteilung. Steter Mitgliederschwund und zunehmender Mangel an aktiven Helfern sind auch bei den DRK-Vereinen in Hanau ein Problem und haben letztlich zu diesem Schritt geführt.

Am 1. Januar 2022 soll der große Tag sein. Zuvor stimmen die Mitglieder darüber ab. Die Vorbereitungen dazu haben sich, um im Bild zu bleiben, ähnlich aufwendig gestaltet wie bei einer richtigen Hochzeit. Der „Heiratsantrag“, der vom Ortsverein Wolfgang ausging, liegt nämlich schon fast fünf Jahre zurück, datiert vom Herbst 2016. Aus persönlichen Gründen trat seinerzeit der langjährige Vorsitzende des Ortsvereins Wolfgang zurück und brachte damit den Stein ins Rollen. Thomas Berthold, der dem Verein bis heute vorsteht, sprang damals in die Bresche.

Unter seiner Führung streckten die Verantwortlichen die Fühler aus, um eine Zusammenarbeit auszuloten. Denn für den kleinen Wolfgänger Ortsverein mit seinen schwindenden Mitgliederzahlen war damals schon klar: Auf Dauer schaffen wir das nicht.

Formal wird ein neuer Verein gegründet

Dass es trotzdem fünf Jahre gedauert hat, bis die Zusammenlegung offiziell beschlossen werden soll, hat mehrere Gründe. Die erläutert Tim Niewalda, Schriftführer im DRK-Ortsverein Hanau, im Gespräch mit unserer Zeitung. Zunächst mal mussten die Mitglieder gefragt werden, ob grundsätzlich Interesse besteht, die Pläne für eine Zusammenlegung zu verfolgen. Da die Beschlüsse in der Hauptversammlung erfolgen, vergeht immer ein Jahr, bis es weitergeht. Auch die Corona-Pandemie hat durch die Reduzierung der Kontakte noch einmal für eine Verzögerung gesorgt. Aber nun soll es offiziell werden: „Wir möchten das, wir machen das jetzt“, bringt es Tim Niewalda auf den Punkt.

In den vergangenen Monaten gab es Abstimmungen zwischen den beiden Ortsvereinen, aber auch mit den benachbarten, um die künftigen Verhältnisse zu klären. Eine Zusammenlegung sei kein einfacher Prozess, denn formal wird ein neuer Verein gegründet. Bereits vor einigen Jahren gab es mehrere Zusammenschlüsse von umliegenden Ortsvereinen. Man habe also Erfahrungswerte, aber dennoch werde das nie zur Routine.

Es gibt schon länger eine Zusammenarbeit

„Wir sind froh, dass wir durch den Kreisgeschäftsführer Stefan Betz und seine Mitarbeiter bei diesem besonderen Prozess unterstützt werden“, sagt der Hanauer Schatzmeister Daniel Baran, der an der Umsetzung intensiv beteiligt ist. Die Mitglieder der beiden Ortsvereine sind zunächst eingeladen, bei der jeweiligen Jahresversammlung die Zusammenlegung formal zu beschließen. Zur Gründung des neuen Vereins folgt dann eine konstituierende Sitzung und die Wahl eines neuen Vorstands. Dieser soll aus Mitgliedern der beiden bisherigen Vorstände bestehen, kündigt Tim Niewalda an. Beim Namen wird es allerdings keine Kombination geben, es bleibt beim Ortsverein Hanau.

Bislang gibt es im Stadtgebiet vier DRK-Ortsvereine, die unabhängig voneinander existieren. Neben Hanau und Wolfgang sind das Steinheim und Großauheim. Bei vielen Projekten arbeiten die DRKler jetzt schon zusammen und unterstützen sich gegenseitig – zum Beispiel bei größeren Sanitätsdiensten, weil da der Helfermangel am größten ist. Auch im Katastrophenschutz arbeiten die Ortsvereine zusammen, sprechen sich etwa bei längeren Einsätzen ab, wer Erste Hilfe und wer Verpflegung übernimmt.

Mitgliederzahlen gehen konstant zurück

In beiden Ortsvereinen sind die Mitgliederzahlen in den vergangenen Jahren konstant zurückgegangen. In Wolfgang waren es von 2016 bis 2020 im Schnitt fünf Prozent pro Jahr; in Hanau waren es sieben Prozent, von 2018 bis 2019 sogar zehn Prozent pro Jahr. Die Corona-Pandemie hat den Mitgliederschwund übrigens nicht weiter beschleunigt. Sie hat aber dafür gesorgt, dass für die Aktiven weitaus weniger Einsätze anfielen, da keine Veranstaltungen stattfanden. Die Mitglieder sind online in Kontakt geblieben.

Für beide Ortsvereine lässt sich als Ursache der Mitgliederentwicklung die Altersstruktur nennen. „Der Großteil unserer Mitglieder befindet sich in einem sehr hohen Alter“, berichtet Tim Niewalda. Während in früheren Zeiten noch viele Menschen das Ehrenamt im DRK durch eine passive Mitgliedschaft unterstützt haben, seien heute kaum noch Neumitglieder zu gewinnen. „Für uns ist daher der einzige sinnvolle Schritt, die Verwaltung der beiden Ortsvereine zusammenzulegen und sich noch stärker gegenseitig zu unterstützen“, sagt der Wolfgänger Vorsitzende Thomas Berthold.

Von Katrin Stassig

Termine der Jahreshauptversammlungen

Der Beschluss über die Zusammenlegung der DRK-Ortsvereine Hanau und Wolfgang steht auf der Tagesordnung der jeweiligen Jahreshauptversammlung. Die Termine:
Ortsverein Hanau: Freitag, 16. Juli, um 18 Uhr in der Fahrzeughalle, Johann-Carl-Koch-Straße 4 (um Rückmeldung seitens der Mitglieder bis 12. Juli wird gebeten).

Ortsverein Wolfgang: Freitag, 6. August, um 19.30 Uhr in den Räumlichkeiten der Feuerwehr Wolfgang, Vor der Pulvermühle 10A (Rückmeldung bis 1. August).

Die Tagesordnung sowie weitere Informationen sind auf der Homepage unter drk-ov-hanau.de/jhv zu finden.

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