Erschwerung des Ausbaus

Personalmangel in Kitas: Rund 250 Betreuungsplätze fehlen

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In Hanau gibt es einen wachsenden Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen: Bis 2030 müssen circa 1000 Plätze zusätzlich geschaffen werden. Ein großes Problem ist dabei allerdings auch der eklatante Personalmangel.

Die Brüder-Grimm-Stadt Hanau verzeichnete in den vergangenen Jahren ein rasantes Bevölkerungswachstum, das sich laut Gutachten bis 2030 fortsetzen wird. Zur Zeit zählt Hanau rund 98 640 Einwohner.

Hanau –  In den nächsten zehn Jahren wird ein Bevölkerungswachstum um weitere 15 Prozent erwartet. Der Boom hat aber auch Schattenseiten. Eine davon: Die Stadt hat zunehmend Schwierigkeiten, dem Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen gerecht zu werden.

Das ist das Ergebnis einer umfassenden Antwort des Magistrats auf einen Fragenkatalog der CDU-Fraktion in der Hanauer Stadtverordnetenversammlung. Darin macht Bürgermeister und Sozialdezernent Axel Weiss-Thiel (SPD) deutlich, dass die Stadt Hanau in Sachen Kinderbetreuung an mehreren Fronten zu kämpfen hat. Zum einen sei an vielen Stellen in Hanau der Neu- und Ausbau von Kindertagesstätten erforderlich, zum anderen fehle es aber schon heute an Erzieherinnen und Erziehern. Einige Gruppen können deshalb nicht angeboten oder mussten sogar eingestellt werden.

Hanau: Bedarf an zusätzlichen 7510 Wohneinheiten

Die Kindertagesstättenbedarfsplanung orientiert sich an den Aussagen des Gutachtens „Regionales Entwicklungskonzept Südhessen“, das im Auftrag des Regierungspräsidiums Darmstadt und mit Unterstützung des Regionalverbandes erstellt wurde. Laut diesem Gutachten besteht für Hanau bis zum Jahr 2030 ein Bedarf an zusätzlichen 7510 Wohneinheiten. Unabhängig davon ist davon auszugehen, dass jährlich mehr als 1000 Kinder mit Wohnsitz in Hanau geboren werden. Dieser Trend, der in den vergangenen drei Jahren bereits erkennbar war, dürfte sich mit dem vermehrten Zuzug von Menschen nach Hanau noch verstärken.

Vor diesem Hintergrund müssten bis 2030 etwa 1000 weitere Betreuungsplätze für Kinder im Alter von null bis sechs Jahren geschaffen werden. Das bedeute den Bau von mindestens sechs zusätzlichen Einrichtungen und die Einstellung von circa 50 weiteren Tagesmüttern und -vätern.

Albtraum für Mutter: Kind (2) verschwindet plötzlich aus Einrichtung: Es ist der Albtraum jeder Mutter: Sie gibt ihr Kleinkind in der Betreuung ab – und beim Abholen ist es verschwunden.

Doch schon heute ist die Situation angespannt. Obschon allein in den vergangenen drei Jahren insgesamt 154 Plätze für die Betreuung von Kindern im Alter zwischen null und drei Jahren geschaffen worden seien, gebe es für diese Altersgruppe einen kurzfristigen Bedarf von noch einmal rund 150 Plätzen, teilte Bürgermeister Weiss-Thiel mit.

Hanau: Eine 100 Prozent Versorgung von Ü3 Kindern angestrebt

Im Bereich der Ü3-Kinder – also im Alter von drei bis sechs Jahren – liege der Versorgungsgrad in Hanau aktuell bei 97,4 Prozent. „Eine 100 Prozent-Versorgung streben wir an, dafür sind aber auch in diesem Bereich circa 100 weitere Plätze erforderlich“, machte Weiss-Thiel deutlich.

Allerdings erschwere es der Fachkräftemangel, Versorgungsengpässe im Bereich der Kinderbetreuung zeitnah zu beheben. So bestünde in bereits vorhandenen städtischen Kindertageseinrichtungen kurzfristig die Möglichkeit, vier zusätzliche Gruppen mit circa 80 Plätzen einzurichten, wenn es das dafür nötige Personal gäbe, so Weiss-Thiel, der auch davon berichtete, dass von freien Trägern zwei Kindergartengruppen mit zusammen 50 Plätzen aufgrund von Personalmangel eingestellt werden mussten. Derzeit gebe insbesondere Engpässe in Großauheim, Wolfgang, Klein-Auheim und Steinheim.

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Allerdings: Die tatsächliche aktuelle Bedarfslage in Hanau ist noch schwer abschätzbar. Grund: Familien melden ihre Kinder stadtweit bei unterschiedlichen Trägern an und versäumen es, diesen Trägern Bescheid zu geben, wenn ein Platz gefunden wurde. Folge: Kinder, die bereits versorgt sind, stehen noch auf den Wartelisten anderer Einrichtungen. Abhilfe soll da ein digitales, trägerübergreifendes Voranmeldeverfahren („Kita-Portal“) schaffen, das nach den Aussagen von Bürgermeister Weiss-Thiel im Dezember dieses Jahres an den Start gehen wird.

Hanau: Personalbedarf soll gedeckt werden

Um den Personalbedarf in den Kitas zu decken, setzt der städtische Eigenbetrieb Hanau Kindertagesbetreuung auf die unterschiedlichsten Instrumente - angefangen von innovativen Ausbildungsmodellen wie der Kooperativen Teilzeitausbildung über Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung wie flexible Arbeitszeitmodelle, Qualifizierungsangebote und Angebote zum Gesundheitsschutz bis hin zum Ausbau der Ausbildungskapazitäten. Dazu gehörte vor allem der Ausbau des Sozialpädogogischen Ausbildungszentrums der Eugen-Kaiser-Schule in Hanau. Zur Zeit absolvieren beim Eigenbetrieb rund 100 junge Leute in verschiedenen Formen Ausbildungen - bei entsprechender Eignung werde diesen Auszubildenden frühzeitig ein Übernahmeangebot gemacht.

VON DIRK IDING

Währenddessen hat die SPD-Fraktion in Hanau eine Resolution für den Erhalt der Wohnungen in Sportsfield-Housing formuliert mit einem Appell an die Bundesregierung.

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