Nach Konflikt um Kunstwerke: Neue Fassaden in Großauheim

Neue Wandbilder sind fertiggestellt

Nachher: Künstler Marcel Walldorf hat die Fassaden an der Marienstraße in Großauheim neu gestaltet, dabei Peukerts Werke zitiert und in die Moderne übertragen.
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Nachher: Künstler Marcel Walldorf hat die Fassaden an der Marienstraße in Großauheim neu gestaltet, dabei Peukerts Werke zitiert und in die Moderne übertragen.

Die Ankündigung einer Gebäudesanierung in Großauheim hatte im vergangenen Sommer für Aufregung gesorgt: An zwei Wohnhausfassaden der Baugenossenschaft Steinheim an der Marienstraße in Großauheim sollten Kunstwerke von August Peukert unter der neuen Dämmung verschwinden (wir berichteten). Der Heimat- und Geschichtsverein Großauheim schlug Alarm.

Großauheim - Die Baugenossenschaft versprach schließlich einen Kompromiss. Künstler Marcel Walldorf (ehemals Mitglied von Hanau Radau) gestaltete neue Wandbilder, die an Peukerts Werke erinnern sollen. Die Arbeiten sind inzwischen abgeschlossen, berichtet der städtische Pressedienst.

Die Original-Fassadengrafiken hatte der Großauheimer Künstler August Peukert in den 1950er-Jahren als Kratzputz und Mosaik aufgebracht. Sie interpretierten die Entwicklung Großauheims von der landwirtschaftlichen Siedlung hin zu einem industriell geprägten Stadtteil. Im Zuge der energetischen Sanierung von 18 Wohnungen an den Liegenschaften Marienstraße 11 bis 13 und 15 ist dieser Fassadenschmuck an den Giebelwänden verschwunden. Die Fassaden stehen nicht unter Denkmalschutz.

Thematischen Ansatz Peukerts aufgegriffen

„Da wir die Peukert-Grafiken nicht erhalten konnte, entschlossen wir uns, einen Künstler der Neuzeit mit der Neugestaltung der Fassaden zu beauftragen“, berichtet Marc Goss von der Baugenossenschaft Steinheim. Durch Vermittlung der Stadt Hanau sei der Kontakt mit Marcel Walldorf zustande gekommen. Der ausgebildete Grafiker und Bildhauer hatte in Hanau als Mitglieder der Künstlergruppe Radau einige Flächen im öffentlichen Raum künstlerisch gestaltet (unter anderem die Unterführung Lamboybrücke).

Walldorf griff den thematischen Ansatz Peukerts auf und entwickelte diesen in die Neuzeit weiter. An der Giebelseite von Haus Nr. 13 weisen stilisierte Bahnschranken, eine Thermoskanne und eine aufgehängte Arbeitsjacke auf den Kreislauf aus Arbeits- und Pausenzeit hin. „Großauheim gilt als Stadtteil mit den meisten Bahnübergängen, die Bahnlinie nach Aschaffenburg war letztlich auch die Initialzündung zur Industrialisierung des Stadtteils“, erklärt Walldorf.

Kaminsky lobt Baugesellschaft

Die neue Grafik an der Giebelseite von Haus Nr. 15 lehnt sich noch enger an die Peukertschen Zitate aus den 1950er-Jahren an und zeigt eine aussäende Hand sowie eine Hand mit Computermaus. Beide Hände umrahmen einen modernen Industrieroboter – eine Fortführung der zuvor abgebildeten Kühlschrankproduktion der BBC.

In die energetische Sanierung der 18 Wohnungen auf KfW-Niveau hat die Baugenossenschaft Steinheim insgesamt rund eine Million Euro investiert. Die Maßnahme bildet den Abschluss der Erneuerung der 420 eigenen Wohnungen in Steinheim und Großauheim.

OB Claus Kaminsky hat sich dieser Tage vor Ort mit Künstler Walldorf und Vertretern der Baugenossenschaft getroffen. Gemeinsam enthüllten sie eine Tafel, die Ursprung und Bedeutung der neuen Bilder und den Bezug auf den vorherigen Fassadenschmuck erklärt. Kaminsky lobte laut Mitteilung das Engagement der Baugenossenschaft, die – obwohl sie denkmalschutzrechtlich nicht dazu verpflichtet gewesen sei – das Viertel durch die Neugestaltung der Häuser aufgewertet und so zur Stadtteilidentität beigetragen habe. kd

Vorher: Die bäuerlichen Szenen von August Peukert sind im Zuge der Sanierung verschwunden. ARCHIV

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