Kunst statt Essenskultur

Wohl kein Restaurant im Neustädter Rathaus

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Seit rund drei Jahren sind die oberen Stockwerke des Neustädter Rathauses wegen unzureichendem Brandschutz nicht mehr nutzbar. Im nächsten Jahr soll sich etwas tun. Das sanierte Rathaus soll einen Multifunktionssaal bekommen.

Hanau - Seit rund drei Jahren ist das Neustädter Rathaus größtenteils nicht nutzbar. In Kürze soll endlich entschieden werden, was aus dem prominentesten Gebäude in der Hanauer Innenstadt wird. Von Christian Spindler 

Alles deutet darauf hin, dass es wohl doch kein großes Lokal in dem historischen Bau geben wird. Wenn sich das neu gewählte Hanauer Stadtparlament am 18. April zu seiner ersten Sitzung getroffen hat, soll sich eine Arbeitsgruppe unter Leitung des Stadtverordneten-Präsidiums, die in Sachen Rathaus-Projekt ins Leben gerufen wurde, bald danach „mit dem Status beschäftigen“, sagt Stadtentwickler Martin Bieberle. Der Eigenbetrieb Immobilien- und Baumanagement (IBM) soll dann einen Bericht vorleben. Wie gemeldet, hatte IBM im vorigen Jahr in einem Interessenbekundungsverfahren die „Gastronomiefläche in erstklassiger Lage“ am Marktplatz auf einschlägigen Immobilienportalen offeriert. Es gab einige Interessenten, auch Ortstermine und man sei auch noch mit Interessenten im Gespräch, sagt Bieberle, der darauf verweist, dass eine Entscheidung noch nicht gefallen sei. Nach Informationen unserer Zeitung sollen aber nur Systemgastronomen, darunter einer, der über 30 Lokale in Deutschland betreibt, am Standort Neustädter Rathaus interessiert und bereit sein, die nötigen Investitionen zu tätigen. Deren gastronomisches Konzept ist aber offenbar nicht das, was die Stadt am Marktplatz gerne sähe. Bieberle hatte in der Vergangenheit davon gesprochen, ein Lokal im Neustädter Rathaus müsse „auch gehobenen Ansprüchen genügen.“

So deutet alles darauf hin, dass die zweite Variante realisiert wird. Sie sieht vor, dass die Stadt das Neustädter Rathaus in Eigenregie saniert. Der Stadtverordnetensitzungssaal soll demnach zu einem Multifunktions-Saal umgebaut werden, der nicht nur für Sitzungen, sondern auch für Empfänge oder Firmenveranstaltungen genutzt werden kann. Bei dieser Variante gibt es nur eine kleine Küche, so dass bei Veranstaltungen ein Catering möglich ist. Für das Erdgeschoss - nur dieses wird momentan genutzt, etwa für Ausstellungen von Künstlervereinen - müsste „ein neues Konzept für Kulturveranstaltungen entwickelt werden, sagt Bieberle.

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Für Sanierung und den Umbau des Neustädter Rathauses hatte IBM-Chefin Hiltrud Herbst im vorigen Jahr Kosten von 5,8 Millionen Euro genannt. Im Haushaltsplan seien entsprechende Mittel vorgesehen, so Bieberle. Die Bauarbeiten könnten 2017 erfolgen, heißt es. Seit etwa drei Jahren sind die Obergeschosse des nach dem Krieg wieder aufgebauten und seitdem kaum erneuerten Gebäudes vor allem wegen baulicher Mängel beim Brandschutz gesperrt. Die Stadtverordneten müssen für ihre Parlaments- und Ausschusssitzungen in Bürgerhäuser und Hallen im gesamten Stadtgebiet ausweichen.

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OB Claus Kaminsky (SPD) hatte immer wieder betont, dass die Teilsperrung des Neustädter Rathauses kein Dauerzustand bleiben dürfe. Im Zuge der Sparpakete nach Hanaus Beitritt zum Entschuldungsfonds war eine Sanierung aber zunächst auf Eis gelegt worden. Bereits in Kürze soll es jedenfalls neben dem Neustädter Rathaus ein weiteres Gastronomieangebot geben. In die seit dem Umzug der Kartenvorverkaufsstelle (Frankfurt Ticket) zum Freiheitsplatz leer stehenden Räume soll ein Cafe einziehen, das auch eine Außenbewirtung anbietet. Es gebe etliche Nachfragen von potenziellen Betreibern, sagt Bieberle. Eine Entscheidung werde in Kürze fallen und das Café dann „zeitnah realisiert“.

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