Stadtentwicklung

Planungen zum Schlossplatz bis Ende 2021 auf Eis gelegt

Die beschlossene Neugestaltung von Schlossplatz und Kanzleigebäude verzögert sich weiter.
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Die beschlossene Neugestaltung von Schlossplatz und Kanzleigebäude verzögert sich weiter.

Eigentlich sollten in diesem Frühjahr die Bagger am Schlossplatz anrollen, doch der letzte große Brocken des Hanauer Stadtumbaus verzögert sich wegen den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie erheblich. Wie Stadtentwickler Martin Bieberle im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt, werden die Planungen „mindestens ein Jahr“, wahrscheinlich sogar bis Ende 2021 auf Eis gelegt.

Hanau – „Wir haben mit allen Akteuren verabredet, dass wir uns erst mal ein Stück Bedenkzeit gönnen. Es ist jetzt eine schlechte Zeit, um verbindlich über Jahre Verträge abzuschließen“, sagt Bieberle. Zum einen wolle man der Tanzschule Berné Zeit geben, um aus der wirtschaftlichen Talsohle herauszukommen. Deren Umzug an den Schlossplatz war und ist Kern des Konzepts von Terramag und Baugesellschaft, das nach kontroverser Diskussion den Zuschlag für die Entwicklung des Areals bekommen hatte. Über das Konzept hinausgehend, hatte der Magistrat von der Stadtpolitik den Auftrag bekommen, Ausschau nach einem Hotelbetreiber zu halten. „Im Moment auf die Suche zu gehen, ist aber absurd. Auch deshalb wollen wir uns ein Stück Zeit gönnen, um diese Suche dann seriös anzugehen“, betont Bieberle. Im Moment gehe man nach wie vor davon aus, dass das bestehende Konzept entwickelt wird. „Ich glaube, dass ich in meiner Berufszeit selbstverständlich erleben werde, wie das Areal in Entwicklung gekommen sein wird“, so der Hanauer Chef-Stadtentwickler.

Die Entscheidung für Terramag und Baugesellschaft sei richtig gewesen. Diese sei nach den Kriterien getroffen worden, „die wir vorgeschlagen haben und die die Stadtverordneten beschlossen haben“. Bei dem konstruktiven Streit am Ende sei es um die anheimelnde, viele begeisternde Architektur im Sinne von historisierend versus einer vielleicht weniger anheimelnden Architektur, aber dafür eines überzeugenden Nutzungskonzeptes, gegangen. „Wir haben damals gesagt: Wir machen hier keinen Schönheitswettbewerb, sondern Stadtentwicklung. Ganz zentral ist natürlich eine Architektur, die passt und wirkt an so einem wichtigen Ort. Aber mindestens so wichtig, wenn nicht wichtiger, ist, dass das Gebäude, das gebaut wird, seine Funktion erfüllt.“ Der Gedanke mit der Tanzschule sei überzeugend gewesen, außerdem der Plan, das Kanzleigebäude über die Büronutzung von Terramag zu beleben, damit gepaart die Gastro-Nutzung und das Wohnkonzept der Baugesellschaft – all dies sei am Ende überzeugender und glaubwürdiger als das Konzept von KCI gewesen. Deswegen war das richtig“, betont Bieberle.

Hanau: Pop-up-Gastronomie im Fronhof

Für die Zwischenzeit gebe es Pläne: eine Pop-up-Gastronomie im Fronhof, die schon im Oktober an den Start gehen soll. Laut Bieberle sollen Gewächshäuser aus Glas aufgestellt werden, in die man sich einmietet – zunächst für einen kurzen Zeitraum, ähnlich wie beim Pop-up-Store im einstigen Gerry-Weber-Laden. Wenn das jeweilige Konzept ankommt, wird ein richtiger Mietvertrag gemacht. „Wir machen aus der Not eine Tugend“, sagt Bieberle.

Ihm schwebt für den Fronhof ein coronakonformer hessischer „Törggelenhof“ vor, so ähnlich wie der Brauch in Südtirol, wo die Winzer saisonal ihren jungen Wein samt kleiner Schmankerl anbieten. Auch auf dem Hof selbst können die Menschen zusammenkommen, essen und trinken. Den Auftakt macht laut Bieberle die Familie Kannengießer, bekannt vom Wochenmarkt, die mit der Baugesellschaft kurz vor einem Mietvertrag für eine hessische Tapas-Bar gestanden hätte. Corona habe diese Planungen jedoch zerschlagen. So sei die neue Idee entstanden. Das Projekt soll in Kürze vorgestellt werden.

Ein weiterer Teil des Stadtumbaus ist der neue Platz rund um die Wallonisch-Niederländische Kirche. Dieser soll am 25. September eröffnet werden. Darauf freue er sich, bekennt Bieberle. „Eine der Zielrichtungen im Zusammenhang mit dem Stadtumbau war, auch wenn es bis heute nicht unstreitig ist, den öffentlichen Raum auf der Achse der Plätze den Menschen zurückzugeben, sprich von Autos freizubekommen. Der Platz an der Wallonischen Kirche war der letzte große Parkplatz in der Innenstadt – ein Stück weit das Verkehrskonzept der 50er und 60er Jahre“, sagt er.

Platz an der Wallonischen Kirche in Hanau soll ein Ruhepol werden

Künftig solle der Platz ein ruhender Pol werden: einfach mal hinsetzen und entspannen. „Er wird bestimmt angenommen werden. Die neue Platzgestaltung stellt die Kirche mehr in den Mittelpunkt und bietet trotzdem die Möglichkeit, ihn für bestimmte Zwecke zu nutzen – wie etwa das Konzept für einen dezentralen Weihnachtsmarkt. Man habe in dieser Stadt eine Oase geschaffen, glaubt Bieberle.

Der nach Kritik vor allem von Wochenmarktbeschickern gefundene Parkplatz-Kompromiss, dass einige Stellplätze für die Kunden des Wochenmarkts erhalten werden, sei „richtig und gut“ gewesen. „Ich glaube aber, dass die Zeit, in der der Parkplatz komplett weggefallen ist, nicht der Untergang des Abendlandes war. Menschen orientieren sich neu. Wir haben genug Parkplätze in der Innenstadt. In der Achse der nächsten Jahre werden ohnehin neue Formen der Mobilität wie E-Bikes immer stärker Thema werden“, macht Bieberle klar.

Neben Parkraum für Autos werde Parkraum für Fahrräder an Bedeutung gewinnen. Es werde eine Verschiebung der Prioritäten geben. „Der Kampf um billige, ganz innenstadtnahe Massenangebote für Autos ist ein Stück weit die Diskussion der Vergangenheit“, sagt der Stadtentwickler.

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