Hanau-Post-Praktikantin übt sich als Busfahrerin

„Zwölf Meter reichen mir fürs Erste völlig“

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Übungsfahrt auf HSB-Gelände: Zwölf Meter ist so ein Bus lang. Ihn zu lenken erfordert viel Konzentration.

Hanau - Praktikantin, und das sozusagen in doppelter Mission. Redaktionspraktikantin Tatjana Döbert hatte dieser Tage die Gelegenheit, Erfahrungen ganz anderer Art zu sammeln. Nämlich hinter dem Steuer eines Busses der Hanauer Straßenbahn GmbH (HSB). Von Tatjana Döbert 

Auf dem Betriebsgelände der HSB an der Daimlerstraße konnte die Journalistik-Studentin einmal hautnah erleben, was es heißt, am Lenkrad eines zwölf Meter langen Kolosses zu sitzen. Die Aufregung ist groß, als ich gemeinsam mit Redakteuren anderer Zeitungen aus der Region das Geschäftsgebäude der Hanauer Straßenbahn GmbH an der Daimlerstraße verlasse. Zusammen mit Michael Rüfer, dem Zuständigen für Marketing und Vertrieb bei der HSB, gehen wir zu einem auf dem Betriebshof geparkten Bus. An diesem Morgen dürfen wir in einem der 54 HSB-Busse einmal ausprobieren, wie das so ist, einen Bus zu fahren.

„Viele von Ihnen saßen sicher schon als Gäste in einem unserer Busse. Und wenn Sie über Probleme mit den Bussen schreiben, ist es umso wichtiger, dass Sie auch selbst merken, was die Fahrer leisten,“ erklärte Geschäftsführer Michael Takatsch die Idee hinter der Aktion, bevor es los ging. Die Umstellung von meinem Uralt-Golf auf den zwölf Meter langen, „Solozug“ genannten Bus ohne Gelenk, wird eine Große sein, das ist mir schon lange klar, bevor ich auf dem Sitz hinter dem großen Lenkrad Platz genommen habe. Die Fahrt im 18 Meter langen Gelenkzug bleibt uns bei unserer Runde über das Betriebsgelände der HSB erspart - und ich bin auch überhaupt nicht unglücklich darüber. Das Zwölf-Meter-Gefährt reicht mir fürs Erste völlig.

Natürlich ist der Straßenverkehr für uns tabu. Denn wer einen Bus auf der Straße fahren will, benötigt nicht nur einen Führerschein der Klasse D, mit dem man einen Bus mit mehr als acht Mitfahrer lenken darf, sondern auch zahlreiche Zusatzausbildungen, die innerhalb von fünf Jahren abgeleistet werden müssen. Dazu kommen bei der HSB noch einmal vier bis sechs Wochen zusätzliche Ausbildung sowie mehrere Fortbildungen pro Jahr.

Aufgeregt sitze ich im Bus auf einem der bequemen Fahrgastsitze und schaue zu, wie die ersten meiner Kollegen ihre Runden drehen. Als ich an der Reihe bin, muss ich zunächst den Sitz neu einstellen, damit ich trotz meiner kurzen Beine die Pedale erreichen kann. Es sind nur zwei Pedale, da die Busse der HSB bereits seit Ende der 50er mit Automatik fahren, wie mir erklärt wird. Und es wird mir auch gesagt, ich solle einfach meinen linken Fuß vergessen, da ich ihn sowieso nicht brauchen würde. Leichter gesagt, als getan. Als mir nach kurzer Zeit das Bein weh tut, merke ich erst, wie fest ich den Fuß auf den Boden gepresst habe, damit ich ihn auch bloß nicht versehentlich benutze.

Vor der ersten Kurve soll ich einmal abbremsen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie stark die Bremse ist. Mit einem plötzlichen Ruck kommt der Bus zum Stehen. Beim nächsten Mal muss ich wohl sanfter auf das Pedal treten. In der Kurve merke ich dann deutlich die Länge des Busses. Ich muss viel später, dafür aber schnell einschlagen und den Außenspiegel im Blick behalten, um nicht auf den Bürgersteig zu fahren. Das ist gar nicht so einfach, wie es von außen vielleicht aussieht. Die Sorge, doch irgendwo anzustoßen, ist jedenfalls groß.

Rüfer berichtet, dass auch die Busfahrer während der Umbauarbeiten in der Innenstadt häufig Probleme mit besonders engen Kurven hatten. Für manche Strecken mussten sogar kürzere, nur acht Meter lange Busse angeschafft werden. Trotzdem blieb der eine oder andere Außenspiegel an einem Bauzaun hängen. Das bleibt mir zum Glück erspart und nach der zweiten erfolgreich bewältigten Kurve, lässt meine Nervosität endlich etwas nach.

Das schwerste habe ich aber noch vor mir. Ein Pylon am Bürgersteig symbolisiert das Ende eines PKW, eine etwas entfernt stehende Laterne das Ende einer Bushaltestelle. Ich soll, ohne den „PKW“ zu streifen, den Bus so nahe wie möglich an die Haltestelle heranfahren. Dies ist besonders wichtig, damit auch gehbehinderte Fahrgäste zusteigen können. Steht, ähnlich wie in unserem Fall, ein PKW zu nah an einer der etwa 15 Meter langen Haltestellen, ist es für die Busfahrer so gut wie unmöglich, korrekt an dieser zu halten. Und mancher Fahrgast ärgert sich dann. „Aber die Busfahrer können in einem solchen Fall nicht anders“, wirbt Rüfer um Verständnis.

Ich fahre langsam, doch trotzdem muss mir Rüfers beim Lenken helfen, damit der Bus an der richtigen Stelle zum Stehen kommt. Ich ziehe die Handbremse an und atme auf. Meine erste Busfahrt hinter dem Steuer habe ich erfolgreich absolviert. Die 108 Fahrer der HSB, darunter acht Frauen, legen im Jahr über drei Millionen Kilometer zurück und befördern etwa elf Millionen Fahrgäste. Einmal selbst einen Bus zu fahren hat mir gezeigt, wie schwer es ist, ein so großes Fahrzeug zu steuern, selbst wenn man nicht im Straßenverkehr ist. In Zukunft werde ich sicher mehr Verständnis für Busfahrer haben.

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