OB Kaminsky: „Raubtierkapitalismus“

Proteste in Großauheim und in Zürich: Linke-Abgeordnete Wissler spricht bei ABB-Warnstreik

Die Landtagsabgeordnete Janine Wissler (im Bild links) und OB Kaminsky sprachen gestern zu den Warnstreikenden.
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Die Landtagsabgeordnete Janine Wissler sprach zu den Warnstreikenden.

150 Beschäftigte des Großauheimer ABB-Standorts haben sich gestern vor dem Werkstor an einem ganztägigen Warnstreik beteiligt.

Großauheim – Weitere 100 Beschäftigte und Gewerkschaftsmitglieder waren am frühen Morgen mit dem ersten Bevollmächtigten der IG Metall Hanau-Fulda, Robert Weißenbrunner, in zwei Bussen nach Zürich aufgebrochen, um auch vor der Schweizer Konzernzentrale gegen die geplante Schließung des Standorts Großauheim zu protestieren. Wie berichtet, will der Hitachi-ABB-Konzern das Werk in Großauheim Ende Juni 2021 dicht machen – entgegen früherer Zusagen.

Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) und die Landtagsabgeordnete Janine Wissler (Linke) bekundeten in Ansprachen gestern vor dem Werk erneut ihre Solidarität mit den Beschäftigten. 500 Jobs sind in Großauheim in Gefahr. Der jüngste Verhandlungstermin zwischen IG Metall und Konzernmanagern war unlängst ergebnislos abgebrochen worden. Gewerkschaft und Arbeitnehmer kündigten an, den Druck auf den Konzern zu erhöhen.

Hanaus OB Kaminsky spricht von „Raubtierkapitalismus“

Seitens der Arbeitgeber habe es nur minimale Bewegung gegeben, so Kevin Eckert von der IG Metall. Man habe bei Hitachi-ABB inzwischen die Idee, dass unter Umständen ein kleiner Teil der Arbeitsplätze mittelfristig in Hanau erhalten werden und die Standortschließung wenige Monate später dennoch umgesetzt werden könnte. Es gehe dem Konzern Hitachi, der sich ABB einverleibt habe, aber weiter nur um das Abwicklungsszenario. Die Verhandlungen seien deshalb von der IG Metall abgebrochen worden, so Eckert.

„Es ist unsozial, ja asozial, diesen so lange bestehenden Firmenstandort, der profitabel ist, auflösen zu wollen. Das ist Raubtierkapitalismus pur“, sagte OB Kaminsky, der fordert, dass auch die Landespolitik nicht wegschauen dürfe. Die in Großauheim hergestellten Produkte würden schließlich auch für die Energiewende gebraucht. „Die Vorstände müssen erinnert werden, wer ihren Reichtum erarbeitet hat: Nicht sie oder die Aktionäre, sondern seit mehr als 100 Jahren die ABB-Beschäftigten. Es ist eine echte Schweinerei, euch nun auf die Straße setzen zu wollen“, rief die Abgeordnete Wissler den Warnstreikenden zu, bevor es eine Live-Schalte nach Zürich zu dortigen ABB-Beschäftigten gab.

150 Beschäftigte hatten sich am Werkstor zusammengefunden.

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