Gericht

Taxiräuber-Prozess: Täter treten Taxifahrer brutal gegen den Kopf

In Hanau hat der Prozess gegen drei junge Männer begonnen, die für mehrere brutale Überfälle auf Taxifahrer verantwortlich sein sollen. Am ersten Prozesstag hat ein Angeklagter die Taten gestanden und seinen Komplizen belastet.

  • Drei junge Männer sollen in Hanau und Umgebung mehrere T axifahrer überfallen haben
  • Beim Prozessauftakt werden Details der brutalen Überfälle bekannt
  • Ein Angeklagter wurde von einem Mittäter schwer belastet

Hanau – Richterin Coretta Oberländer mag kein Herumgeeiere. Die Vorsitzende will es genau wissen – und am besten die Wahrheit. Doch der Angeklagte, der eigentlich ein Geständnis ablegen will, kann sich an so vieles, was vor wenigen Monaten passiert ist, „nicht mehr erinnern“. So kommt die klare Ansage von der Richterbank: „Dann denken Sie nach, ich möchte es nämlich wissen.“

16-Jähriger soll vier Taxifahrer ausgeraubt haben

So wird an diesem Morgen auf der Anklagebank im Sitzungssaal 215 des Hanauer Landgerichts sehr viel nachgedacht. Denn es steht viel auf dem Spiel. Was Staatsanwältin Lisa Stab in der Anklage vorträgt, stimmt ebenfalls sehr nachdenklich: Der erst 16-jährige M., Spitzname „Momo“ soll mit seinen Komplizen insgesamt vier Taxifahrer sowie einen Passanten ausgeraubt haben.

Neben ihm sitzen L (20) und S. (19), denen die Staatsanwältin jeweils drei dieser Verbrechen zur Last legt. Die beiden Heranwachsenden werden in Handschellen vorgeführt. Der Jüngste des Trios, der von der U-Haft verschont ist, druckst nur am Anfang herum, als es darum geht, dass er regelmäßig Joints konsumiert. Offenbar wissen seine Eltern nichts davon.

Überfälle auf Taxifahrer: Angeklagter berichtet von Drogenkonsum

Auch davon nicht, dass „Momo“ tagsüber nicht besonders beschäftigt ist. Von einer Schule ist er bereits geflogen, weil es am Ende zu viele Fehlzeiten gewesen sind. „Sie haben also entschieden: Lieber kiffen als in die Schule gehen“, fasst die Vorsitzende die Aussagen von M. zusammen.

Ungeklärt bleibt, woher „Momo“ das ganze Geld hat, mit dem er das Cannabis kauft. Von der Mama würde er was bekommen, ebenso von seinem Bruder, der studiert.

Brutaler Überall: Taxifahrer ins Gesicht geschlagen

Mit dem vier Jahre älteren L. verübt er kurz vor Weihnachten die ersten Überfälle. Als Erstes trifft es einen Taxifahrer aus Frankfurt, den beide nach Hanau beordern. Der Mann wird von L. hinterrücks in den Schwitzkasten genommen.

„Momo“ schlägt ihm ins Gesicht und fischt die Geldtasche aus der Fahrertür. Die Beute – gerade einmal 400 Euro – wird geteilt, beide flüchten.

Taxifahrer mit Waffe bedroht und ausgeraubt

Zwei Tage später ist ein Taxifahrer aus Gelnhausen das Opfer, diesmal setzt L. eine Soft-Air-Waffe ein, wieder gibt es Schläge ins Gesicht. Immer wieder hakt die Vorsitzende nach und will genau wissen, wie die beiden jungen Räuber vorgegangen sind.

„Wir haben das zusammen geplant“, sagen M. und L. übereinstimmend aus. Der 19-jährige S. ist zunächst nicht dabei. Ihn will das Duo nicht dabei haben.

Taxiräuber mit Vorwürfen gegen Komplizen

„Wieso?“, will Richterin Oberländer wissen. „Wenn Sie S. heute etwas sagen, dann steht es morgen in Hanau in der Zeitung“, macht L. unmissverständlich klar, was er von seinem Komplizen hält: Er ist eine Plaudertasche.

Beim dritten Raubzug, am 3. Januar, ist S. aber plötzlich dabei. Erneut Frankfurt der Ausgangspunkt. Alle drei hätten in Sachsenhausen gefeiert. Dann geht es zum Hauptbahnhof. 

Räuber suchen sich gezielt ältere Taxifahrer für Überfälle aus

Wieso das? Gibt es in Sachsenhausen keine Taxis?“, will Oberländer wissen und klärt ein weiteres Detail: Am Taxistand vor dem Hauptbahnhof ist es den Räubern möglich, sich gezielt ältere Fahrer auszusuchen.

Diesmal wird ein 74-Jähriger in Langenselbold „abgerippt“. Dabei greift S. erstmals aktiv ein und schnappt sich das Smartphone des Opfers.

Am Boden liegenden Taxifahrer gegen den Kopf getreten

Die Gewalt eskaliert dann einen Tag später an der Ecke Leipziger Straße/Wilhelm-Rohn-Straße. Diesmal sitzen „Momo“ und S. im Taxi, das sie an der Hauptwache gechartert haben. Doch dem 71-jährigen Opfer gelingt es, aus dem Wagen zu fliehen.

S. greift ihn an, tritt ihn zu Boden und malträtiert den Mann mit weiteren Tritten gegen den Kopf. Mehrere Frakturen im Gesicht sind die schrecklichen Folgen.

Nach Tritten gegen Taxifahrer: Angeklagter belastet Komplizen

„Momo“ gesteht alles, berichtet auch schonungslos über die brutalen Tritte seines Komplizen, den er damit schwer belastet. S. hingegen versucht erneut, seine Tat zu relativieren. Er sei immer „im Rausch“ gewesen. Dann beginnt er erneut, in seiner Aussage herumzueiern. Eigentlich habe er gar nichts gemacht.

Da wird die Vorsitzende sehr deutlich: „Ach, hören Sie doch auf – das ist doch lächerlich!“ Sie verweist ihn darauf, dass von dem angekündigten Geständnis bislang nichts zu hören gewesen sei.

Taxiräuber sollen auch Passanten am Hauptbahnhof in Hanau überfallen haben

Denn auch beim Überfall auf einen Passanten, der vom Hanauer Hauptbahnhof auf dem Weg nach Wolfgang gewesen ist, will S. kaum eine Rolle gespielt haben. Die klare Ansage der Vorsitzenden scheint ihn aber nicht umzustimmen.

Er bleibt dabei, dass er bei allen drei Taten stets viel Alkohol getrunken und Joints geraucht habe – meistens so ein bis zwei Stunden vor den Verbrechen. Seine Komplizen belasten ihn, versuchen aber auch, ihn zu entlasten. S. habe nach Alkohol gerochen, meint einer.

Angeklagter Taxiräuber wegen Körperverletzung vorbestraft

Nur bedingt glaubwürdig, denn es ist Wodka im Spiel gewesen. Noch dazu muss sich S. seine Vorstrafen anhören. Erst im Januar ist er wegen Körperverletzung in zwei Fällen zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt worden. Keine gute Ausgangslage für den 19-Jährigen in diesem Prozess vor dem Landgericht.

Quelle: Hanauer Anzeiger

Rubriklistenbild: © dpa

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