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Kindermord-Prozess: Rechtlicher Hinweis sorgt für spektakuläre Überraschung

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Im Fall um den getöteten vierjährigen Jan H. sorgt ein rechtlicher Hinweis für Aufsehen.

Am 19. Verhandlungstag im Prozess um den Mord am vierjährigen Jan H. in Hanau kommt es zu einer spektakulären Überraschung. Außerdem wird die Vergangenheit des Hauptbelastungszeugen durchleuchtet.

  • Im Prozess um den getöteten vierjährigen Jan H. kommt es zu einer spektakulären Überraschung
  • Ein rechtlicher Hinweis sorgt für Aufsehen
  • Der Hauptbelastungszeuge wird in die Mangel genommen

Hanau – Der Prozess um den Mord an dem vierjährigen Jan H. geht auf die Zielgerade. Womöglich sind die Plädoyers und das Urteil im August zu erwarten. Doch am Ende des 19. Verhandlungstags hat die Schwurgerichtskammer unter dem Vorsitzenden Richter Dr. Peter Graßmück für eine faustdicke Überraschung gesorgt – mit einem ersten „rechtlichen Hinweis“.

Hanau: Neue rechtliche Situation im Kindermord-Prozess

Es waren nur zwei kurze Sätze. „In der Anklage ist ein Mord durch Begehung nach Paragraf 211 angeklagt. Es ergeht der rechtliche Hinweis, dass auch eine Verurteilung wegen Mordes durch Unterlassen oder versuchten Mordes durch Unterlassen in Betracht kommen kann.“

Doch diese kurzen Sätze haben es in sich. Denn ein Gericht ist verpflichtet, allen Beteiligten mitzuteilen, falls es die Auffassung vertritt, dass seit Verlesen der Anklageschrift im Oktober vergangenen Jahres durch die Beweisaufnahme eine neue rechtliche Situation eingetreten sein könnte.

Neue Vorwürfe gegen Sektenführerin im Kindermord-Prozess in Hanau

Auslöser könnte die jüngste Aussage von Martin D., dem ältesten Sohn der wegen Mordes angeklagten, mutmaßlichen Sektenführerin Sylvia D. gewesen sein. Der Sohn will gesehen haben, dass seine Mutter an jenem Tag, dem 17. August 1988, im Haus gewesen ist und offenbar nichts unternommen hat, den schreienden, in einem Sack eingeschnürten Jan H. zu befreien.

Im Gegenteil: Erst als ihr Mann und Jans Mutter vom Hanauer Wochenmarkt heimgekommen sind, sei der leblose Jan H. entdeckt worden. Die Angeklagte, eine ausgebildete Krankenschwester, habe sich nicht am Reanimationsversuch beteiligt.

Kindermord-Prozess in Hanau: Aussage des Gutachters bringt neue Wendung

Auslöser für den rechtlichen Hinweis könnte ebenso die Aussage des ersten Gutachters gewesen sein: Professor Dr. Marcel Verhoff, der Chef des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Frankfurt, hatte ausgesagt, dass der Sack, in dem das Kind gesteckt habe, „letztlich Ursache für den Tod“ gewesen sein könnte.

Sein rechtsmedizinisches Gutachten kommt zu dem Schluss, dass „jeder vernünftige Mensch erkennen muss, dass es keine kindgerechte Behandlung ist, ein Kind in einem Sack zu verschnüren.“ Daher hat der Rechtsmediziner „keinen Zweifel“ an einem „Tod durch ein äußeres Ereignis“ und gehe von einem „nicht-natürlichen Tod“ aus.

Möglicherweise könnten auch beide Aussagen für eine erste Einschätzung durch das Schwurgerichts gesorgt haben. Beides – Mord durch Unterlassen oder versuchter Mord durch Unterlassen – verjährt nie.

Verteidiger wollen im Kindermord-Prozess in Hanau den Hauptzeugen beleuchten

Es ist ein überraschendes Ende eines sehr kurzen Verhandlungstags, den die Kammer vor allem anberaumt hat, um Urteile zu verlesen. Recht alte Urteile, die aus den Jahren 1994 und 2000 stammen.

Die aber beide gegen Martin D. vom Amts- sowie Landgericht Hanau verhängt worden sind. Die beiden Verteidiger hatten die Verlesung beantragt. Das Ziel ist klar: Sie wollen den Hauptbelastungszeugen, der mit seiner Aussage seine Mutter schwer belastet hatte, von allen Seiten beleuchten.

Kindermord-Prozess in Hanau: Hauptzeuge hat Vorgeschichte vor Gericht

Bereits bei seiner Vernehmung hatte der heute 46-Jährige eingeräumt, nach dem „Rausschmiss“ aus seinem Elternhaus eine „wilde Zeit“ gehabt zu haben. Als junger Erwachsener hatte er ein Zeugnis der Hohen Landesschule „verbessert“ und ist als Verkehrsrowdy in der Langenselbolder Feldgemarkung unangenehm aufgefallen.

Doch auch von der eigenen Familie ist er angezeigt worden. Das Verfahren wurde jedoch eingestellt, weil sein Vater die Aussage vor Gericht verweigert und die Anzeigen zurückgezogen hatte.

Hauptzeuge in Hanauer Kindermord-Prozess ist vorbestraft

In den Jahren 1995 bis 1997 hat der damals angehende Musikproduzent offenbar auf großem Fuß gelebt und ist in 23 Fällen wegen Betrugs, Unterschlagungen und Vortäuschen einer Straftat zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt worden.

Professor Dr. Klaus Demisch, der damalige Gutachter, hatte Martin D. damals eine verminderte Schuldfähigkeit attestiert, weil damals eine Persönlichkeitsstörung vorgelegen habe. Als Ursachen dafür hatte der damalige Chef der Hanauer Psychiatrie die „besonders getönte Religiosität der Eltern und den „besonderen Einfluss der Mutter“ genannt.

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