Revisionsprozess zu einem Raubüberfall

Angeklagte Brüder beteuern ihre Unschuld

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Hanau - Im Revisionsprozess vor der 5. Großen Jugendstrafkammer des Hanauer Landgerichts gegen zwei Brüder aus Gelnhausen nach einem Überfall auf den Juwelier „Uhren-Lix“ im Dezember 2012 in der Barbarossastadt hat der Jüngere von beiden sein Schweigen gebrochen.

Ihm wird vorgeworfen, den drei Haupttätern bei der Flucht und beim Verstecken der Beute geholfen zu haben. Laut seiner Einlassung hat er von dem Überfall allerdings nichts gewusst, als er kurz nach der Tat unweit des Juweliers alle drei mit seinem Auto abholte. Sein 31-jähriger Bruder, der bereits seit drei Jahren in Untersuchungshaft sitzt, bestreitet weiterhin jede Tatbeteiligung. Am 12. Dezember 2012 waren gegen 17.15 Uhr drei maskierte Männer in das Geschäft an der Gelnhäuser Schmidtgasse gestürmt und hatte die Angestellten mit einer Schusswaffe bedroht. Sie erbeuteten Uhren und Schmuck im Wert von 60.000 Euro. Anschließend flüchteten die Täter zu Fuß in Richtung Innenstadt. Die Ermittler gehen davon aus, dass sie zunächst in der Nähe der Kreissparkasse Waffen und Masken versteckten und in den Fluchtwagen stiegen, der vom 29-jährigen Angeklagten gesteuert worden sein soll. Anschließend sollen sie in einer Döneria am Gelnhäuser Bahnhof die Fahndungsmaßnahmen der Polizei abgewartet und danach die unter einer Brücke versteckte Beute geholt haben. Bis heute fehlt vom Großteil der Uhren und Schmuckstücke jede Spur.

Der 31-jährige Angeklagte war für diesen Raubüberfall zu einer siebenjährigen Haftstrafe verurteilt worden, sein Bruder erhielt ein Jahr auf Bewährung. Beide gingen gegen diese Urteile erfolgreich in Revision. Die anderen beiden Täter hatten im ersten Prozess bereits Geständnisse abgelegt und ihre Strafen akzeptiert. Ein zur Tatzeit 17-jähriger Gründauer, der Cousin der beiden Brüder, wurde zu zwei Jahren Jugendstrafe auf Bewährung, ein 22-jähriger Gründauer zu drei Jahren und sechs Monate verurteilt.

Der 29-Jährige schilderte nun dem Gericht, was er am 12. Dezember 2012 gemacht haben will. Er habe einen Anruf von seinem führerscheinlosen Bruder erhalten, für den er öfters Fahrdienste übernommen habe. Er habe seinen Bruder und die zwei anderen geständigen Täter in der Löhergasse aufgenommen und sie am Bahnhof abgesetzt. Vom Überfall habe er zu diesem Zeitpunkt nichts gewusst, auch über Beute oder Waffen und Maskierungen sei ihm nichts mitgeteilt worden.

Spektakuläre und kuriose Raubüberfälle

Vorgelesen wurde am jüngsten Verhandlungstag auch der Bericht einer Psychologin aus dem April 2013 über das Verhalten des älteren Bruders in der Untersuchungshaft. Damals sei der 31-Jährige durch Wut- und Gefühlsausbrüche aufgefallen und in eine Sicherheitszelle verlegt worden. Mitgefangene hätten sich bei der Anstaltsleitung beschwert und mit Gewalt gegen den Gelnhäuser gedroht, sollte er seine Ausraster nicht unterlassen.

Die Psychologin stellte fest, dass sich der Angeklagte in Selbstliebe gefalle und sich an seiner eigenen Großartigkeit ergötze und diagnostizierte bei ihm auch eine massive Persönlichkeits- und Verhaltensstörung. Ein Verbleib im Regelvollzug sei für die Bediensteten und Mitgefangenen kaum zumutbar. Das Gericht zog deshalb einen psychiatrischen Gutachter hinzu, der Auskunft über den Geisteszustand des Gelnhäusers geben soll, der bereits über 15 Vorstrafen eingesammelt hat. Der Prozess wird fortgesetzt.

azi

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