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Tote Kinder in Hanau: Stadt äußert neue Erkenntnisse

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Von: Alexander Gottschalk, Florian Dörr

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Am 11. Mai stirbt in Hanau ein Geschwister-Paar. Der Vater soll sie getötet haben. Bereits zuvor könnte er gewalttätig gewesen sein.

Update vom Freitag, 10. Juni, 11:30 Uhr: Einen Monat nach dem gewaltsamen Tod von zwei Geschwisterkindern in Hanau laufen Aufarbeitung und Ermittlungen zur Tat weiter. In den vergangenen Tagen habe die Betreuung der Mutter der beiden Kinder oberste Priorität gehabt, teilte die Stadt auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mit.

Parallel dazu sei man im Austausch mit dem Freien Träger der Familienhilfe, der die Familie betreut habe. Der Tod der beiden Kinder in Hanau hatte die Frage nach möglichen Fehlern örtlicher Behörden aufgeworfen. Eine abschließende Bewertung sei noch nicht möglich. Nach jetzigem Erkenntnisstand hätten die Mitarbeiter der Stadt „im Rahmen ihrer Möglichkeiten und ihres gesetzlichen Auftrags nach besten Wissen und Gewissen gehandelt und die Mutter auch darüber hinaus beraten“, hieß es.

Tote Kinder in Hanau: Vater sitzt weiterhin in Frankreich in Haft

Am Morgen des 11. Mai war vor einem Wohnhochhaus in der Hanauer Innenstadt ein elfjähriger Junge auf dem Boden liegend gefunden worden. Er starb kurze Zeit später in einem Krankenhaus. Seine Schwester entdeckten die Beamten leblos in der Wohnung, in der die beiden Kinder mit ihrer Mutter lebten. Sie war durch „scharfe Gewalteinwirkungen im Halsbereich“ ums Leben gekommen, wie es bei der Polizei hieß. Nach einer intensiven Fahndung war der Vater in der Nähe von Paris unter Mordverdacht festgenommen worden, er sitzt in Frankreich in Untersuchungshaft. Wann er nach Deutschland ausgeliefert wird, steht nach Angaben einer Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hanau nach wie vor nicht fest.

Der Mann soll vor der Tat in einem Fall wegen häuslicher Gewalt aufgefallen sein, dabei ging es offenbar um einen Fall aus dem Dezember 2021 im Kreis Offenbach. Nach Bekanntwerden familiärer Probleme war das Jugendamt in Hanau aktiv geworden und die sozialpädagogische Familienhilfe war vereinbart worden. Im Beisein städtischer Mitarbeiter des Jugendamtes habe sich der Vater nicht bedrohlich geäußert, hieß es von der Stadt.

Tote Kinder in Hanau: Polizei ermittelte schon vor der Tat gegen den Vater

Erstmeldung vom Mittwoch, 18. Mai, 16.24 Uhr: Gegen den Vater der beiden Kinder, die vor einer Woche in Hanau mutmaßlich gewaltsam zu Tode kamen, hat es offenbar bereits in der Vergangenheit Ermittlungen gegeben. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft Darmstadt auf Anfrage dieser Zeitung. Konkret geht es um eine Tat, die sich im Dezember 2021 im Kreis Offenbach zugetragen haben soll.

Dem 47-Jährigen werden „Körperverletzung und Bedrohung zum Nachteil seiner Ehefrau sowie seiner Kinder“ vorgeworfen. Die Ermittlungen dauern laut der Darmstädter Staatsanwaltschaft an. Derzeit sei die Akte zur Einsichtnahme an einen Rechtsanwalt versandt. Die Staatsanwaltschaft Hanau sei über das Verfahren in Kenntnis gesetzt worden.

Die Polizei habe der Staatsanwaltschaft Darmstadt den Vorgang rund um die Vorwürfe häuslicher Gewalt am Donnerstag (12. Mai) vorgelegt, wie die Behörde mitteilte. Einen Tag nach dem Tod der Kinder in Hanau. Einzelheiten zu dem Fall aus dem Dezember nannte die Staatsanwaltschaft auf Nachfrage nicht. Zuerst hatte der hr darüber berichtet.

Tote Kinder in Hanau: 47-Jähriger unter Mordverdacht

Seit vergangener Woche steht der 47 Jahre alte Mann zusätzlich unter Mordverdacht. Er soll seine siebenjährige Tochter und wahrscheinlich auch seinen elfjährigen Sohn getötet haben. Nach seiner Festnahme am Samstag (14. Mai) in der Nähe von Paris sitzt der Beschuldigte in Frankreich in Haft. Bislang schweigt er zu den Vorwürfen.

Das Mädchen war am Mittwochmorgen (11. Mai) tot auf dem Balkon einer Wohnung im neunten Stock eines Hochhauses in Hanau gefunden worden. Der Junge lag schwerverletzt vor dem Gebäude in der Römerstraße. Er erlag später im Krankenhaus den schweren inneren Verletzungen, die er durch einen Sturz erlitten hatte.

Tote Kinder in Hanau: Polizei ermittelte bereits vor Bluttat gegen Vater

Während die Todesumstände des Elfjährigen noch nicht abschließend geklärt sind, ist zum Tod seiner Schwester bekannt, dass sie durch „scharfe Gewalteinwirkungen im Halsbereich“ starb, wie die Staatsanwaltschaft Hanau zuletzt zu den Hintergründen der Bluttat mitteilte. Es gebe „Anhaltspunkte auf ein Familiendrama“.

Am Tatort in Hanau haben Menschen nach dem Tod zweier Kinder Blumen abgelegt und Kerzen aufgestellt.
Am Tatort in Hanau haben Menschen nach dem Tod zweier Kinder Blumen abgelegt und Kerzen aufgestellt. © Sebastian Gollnow/dpa

Die Mutter war mit den Kindern Anfang des Jahres aus dem Kreis Offenbach nach Hanau gezogen. Den Mordfall behandelt deshalb die Staatsanwaltschaft Hanau, während die Vorwürfe zu häuslicher Gewalt bislang in die Zuständigkeit der Staatsanwaltschaft Darmstadt fielen. In beiden Fällen ermitteln Beamte des Polizeipräsidiums Südosthessen.

Tote Kinder in Hanau: Jugendamt wurde Medienbericht zufolge gewarnt

Der Tod der beiden Kinder in Hanau wirft die Frage nach möglichen Fehlern örtlicher Behörden auf. Das Jugendamt in Hanau wusste eigenen Angaben nach um „familiäre Probleme“ und hatte einen sozialen Träger engagiert, der sich um die Familie kümmerte. Übereinstimmenden Medienberichten nach war es die Polizei am alten Wohnort der Familie gewesen, die das Jugendamt über „das gewalttätige Verhalten“ des Vaters informiert hatte.

In Hanau wohnte die Mutter offenbar allein mit den Kindern in einer Wohnung. Der hr berichtete am Mittwoch (18. Mai), dass der soziale Träger das Jugendamt „wenige Tage“ vor dem 11. Mai gewarnt habe, dass sich „die Lage in der Familie verschlechtern“ würde. Recherchen der Hessenschau-Redaktion zufolge sollen sich Sozialarbeiter noch am Freitag (6. Mai) vor der Tat mit der Mutter getroffen haben.

Tote Kinder in Hanau: Bürgermeister stellt sich schützend vor Jugendamt

Dem hr zufolge stellte sich Bürgermeister Weiss-Thiel (SPD) am Montag (16. Mai) im Hanauer Stadtparlament schützend vor das Jugendamt. „Nach allem, was wir mit Einblick in die Akten wahrnehmen, haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach bestem Wissen und Gewissen gearbeitet“, sagte er dem Bericht nach.

Dennoch kündigte Weiss-Thiel an, dass man den Fall analysieren und gegebenenfalls Konsequenzen ziehen wolle. Neben der Mutter der gestorbenen Geschwister bekommen auch alle, die bei der Stadt mit dem Fall betraut waren, psychologische Unterstützung. Der Fall hatte in Hanau wie in ganz Deutschland für Entsetzen gesorgt. (ag)

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