Wie Hanau ihn zum Ehrenbürger machte

„Es gibt nur ein’ Rudi Völler“: Fußball-Idol wird 60

Die Begeisterung kannte kaum Grenzen, als Rudi Völler im August 2002 Hanauer Ehrenbürger wurde. Damals wurde auch die Sportanlage des TSV 1860 Hanau nach ihm benannt. F
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Die Begeisterung kannte kaum Grenzen, als Rudi Völler im August 2002 Hanauer Ehrenbürger wurde. Damals wurde auch die Sportanlage des TSV 1860 Hanau nach ihm benannt.

Rudi Völler, ein Ehrenbürger von Hanau, wird 60. Er ist ein echtes Kind des Stadtteils Lamboy und bekommt ein besonderes Geschenk.

  • Rudi Völler wird 60
  • Er ist einer der Ehrenbürger von Hanau
  • Rudi Völler ist ein echtes Kind des Stadtteils Lamboy

Hanau – Trotz seiner internationalen Karriere, trotz aller Erfolge, trotz unzähliger Auftritte auf großer Bühne: Rudi Völler ist stets ein Hanauer Bub geblieben. Aufgrund familiärer und vieler freundschaftlicher Bande ist der Kontakt zu seiner Heimat nie abgerissen. Immer wieder kommt er in seine Geburtsstadt, die ihn 2002 zum Ehrenbürger gemacht und ihm damals ein Fest beschert hat wie noch keinem anderen Hanauer zuvor.

Rudi Völler, ein Ehrenbürger von Hanau

Es ist ein einfaches Eckhaus an der Lamboystraße, in dem Rudi Völler am 13. April 1960 zur Welt kam. Unweit davon lebte in seinen Kindertagen auch Margret Härtel. „Unten drin war damals das Lamboy-Café. Vorn war eine Bäckerei, und hinten im Café waren vorwiegend amerikanische Soldaten die Kunden“, erinnert sich die ehemalige Oberbürgermeisterin. „Oben drüber haben die Völlers gewohnt.“

Härtel weiß noch genau, wo sie den kleinen Rudi einst kicken sah: „An der Schwarzenbergstraße war ein Schotterplatz, wo die Buben aus dem Lamboy Fußball gespielt haben. Da habe ich diesen kleinen Stopfen bewundert, der da flink und voller Leidenschaft gespielt hat.“

Auch Rudi Völler erzählt in einem aktuellen Interview mit dem „Hanauer Anzeiger“ von seinen fußballerischen Anfängen: „Erst waren es die Hinterhöfe vor den Garagen, dann der Platz bei der Gebeschusschule und später bei den Sechzigern.“ Das Gelände des TSV 1860 Hanau wurde Völlers zweites Zuhause. Sein Vater Kurt war dort lange Jugendtrainer. Dort kickte auch Rudis älterer Bruder Dieter, der 2014 mit 67 Jahren einem Krebsleiden erlag.

Rudi Völler ist ein echtes Kind des Stadtteils Lamboy. „Er ist ein Mann, der nie seine soziale Herkunft vergessen hat, er ist bodenständig geblieben“, sagt Härtel. 2016 starb Rudis Vater im Alter von 91 Jahren. Mutter Ilse lebt noch heute in Hanau, ihr Sohn besucht sie regelmäßig im Alten- und Pflegeheim.

Hanau: Oberbürgermeister beglückwünscht Rudi Völler – „zwei Deiner größten Bewunderer“

In einem Glückwunschschreiben, das Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) und seine Amtsvorgängerin Margret Härtel (CDU) an den amtierenden Sportchef von Bayer 04 Leverkusen zu dessen 60. Geburtstag am Ostermontag geschickt haben („Lieber Rudi“), bezeichnen sie sich als „zwei Deiner größten Bewunderer“. Und sie erinnern an die Feierlichkeiten des Jahres 2002, als Völler, Trainer der Nationalmannschaft, zum Ehrenbürger ernannt wurde.

Es war eine Initiative in typischer Härtel-Manier. Die damalige Rathauschefin kündigte nach dem erfolgreichen WM-Halbfinale im Alleingang die Ehrenbürgerschaft an – ohne das zuvor mit Parlamentsvertretern abzusprechen, deren Zustimmung es bedarf. Es gab gehöriges Murren. Aber die Ehrenbürgerwürde für Völler kam.

Die Euphorie um ihn war groß – ebenso die Ehrenbürgerfeier: 7000 Menschen versammelten sich am 30. August 2002 auf dem Marktplatz. Sie sangen das Kultlied jener Tage: „Es gibt nur ein’ Rudi Völler!“ Die HSB hatte einen Rudi-Völler-Stadtbus gestaltet, es gab ein riesiges Danke-Transparent, Freibier für alle, auch Cola und Limo – und grenzenlosen Jubel, als Völler den Rathausbalkon betrat. 150 Journalisten und viel Prominenz kamen nach Hanau, darunter der damalige Bundesinnenminister Otto Schily und sein hesssicher Amtskollege Volker Bouffier, aber auch Bayer-Leverkusen-Manager Reiner Calmund.

Es sei nicht allein der Vizeweltmeistertitel gewesen, der Hanau bewogen habe, Völler die höchste Würde seiner Heimatstadt anzutragen, sagen Kaminsky und Härtel im Rückblick. Sondern auch der Stolz darauf, dass er als „geradliniger Mensch seiner Heimat immer treu geblieben“ sei und „den Namen Hanau positiv in die ganze Welt vermittelt“ habe.

Rudi Völler: Stadt Hanau macht ihm ein besonderes Geschenk

Das Ehrenbürgerfest war nicht nur ein rauschendes, sondern auch ein teures. Es kostete 160 000 Euro – von der Großleinwand bis zum opulenten Empfang mit Dinner für die Prominenten in Schloss Philippsruhe. Auch wenn Sponsoren das Gros bezahlten, musste das Stadtparlament 51 000 Euro nachschießen.

Man mag ahnen, dass der Hanauer Bub Rudi Völler den Riesenrummel um seine Person wohl mit gemischten Gefühlen gesehen hat. Schließlich trat und tritt er stets bescheiden auf. Und immer wieder hat er sich für und in seiner Heimatstadt engagiert – sei es bei einem Benefizspiel für den Kauf eines Linearbeschleunigers zur Behandlung von Krebspatienten am Stadtklinikum oder als Teilnehmer der Gedenkfeier für die Ermordeten des rassistischen Anschlags vom 19. Februar.

Zum 60. Geburtstag haben städtische Gesellschaften statt eines Geschenks 6000 Euro bereitgestellt, die Völler für wohltätige Zwecke verwenden kann. Es ist davon ausgehen, dass dies in seinem Sinn ist. Und dass das Geld in seiner Geburtsstadt bleibt, etwa als Zuschuss für die Mannschaftskassen von 60 Jugendteams. Das zumindest ist die Vorstellung von Kaminsky und Härtel.

VON CHRISTIAN SPINDLER UND THORSTEN JUNG

Michael Kutzop: Ein alter Freund von Rudi Völler erzählt wie es zur Freundschaft zwischen den beiden kam.

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