Nach Morden in Hanau

Ausstellung „Leben im Krieg“ - ein Ausrufezeichen gegen Hass und Rassismus in Hanau

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Die ausgestellte Nazi-Propaganda zeugt von der Grausamkeit des Regimes.

Die Ausstellung „Leben im Krieg“ ist von Sonntag, 1. März, bis zum 28. Juni in der Galerie des Museums im Schloss Philippsruhe zu sehen und thematisiert das Leben in Hanau während des 2. Weltkrieges. Die Schau soll so zu einem „Ausrufezeichen gegen Rassismus, gegen Hass“ werden.

Hanau – Die Armada schwarzer, ausdrucksloser Gartenzwerge, drapiert auf einer Art Tribüne im Vorraum zur Ausstellung, die rechten Arme zum Hitlergruß erhoben, sie stammt aus einer Installation des Künstlers Ottmar Hörl. „Poisoned,“ vergiftet, betitelt Hörl seine Zwergenarmee, die er bereits 2008 in Gent zum „Dance with the Devil“ hat antreten lassen, um zum Denkprozess über Manipulationsstrategien anzuregen. In Hanau begrüßen sie die Besucher der Ausstellung „Leben im Krieg“, die unter der Leitung von Dr. Victoria Asschenfeldt und mehreren Co-Kuratoren entstanden ist und von Sonntag, 1. März, bis zum 28. Juni in der Galerie des Museums im Schloss Philippsruhe zu sehen ist.

Ottmar Hörls Giftzwerge heißen die Besucher willkommen.

Die Schau erfasst den Alltag in Hanau während des Krieges aus verschiedenen Blickwinkeln und soll so zu einem „Ausrufezeichen gegen Rassismus, gegen Hass“ werden, wie der Leiter des Fachbereichs Kultur, Martin Hoppe, es bei einem Vorabrundgang durch die Ausstellungsräume ausdrückte.

Ausstellungsraum thematisiert Zerstörung Hanaus im Zweiten Weltkrieg

Am 19. März jährt sich das Datum der Zerstörung Hanaus zum 75. Mal. Der Weg dahin, er beginnt im ersten Raum, in dem die Hanauer Verhältnisse um 1938 dargestellt werden: Mit einem Stadtplan, der heute wegen der Kriegsfolgen anders aussieht, und mit Blicken auf die Verhältnisse in Verwaltung, Wirtschaft, Militär, Versorgung und Vereinsleben. In allen Bereichen schienen da die Zeichen bereits auf Krieg gestanden zu haben, so Kuratorin Asschenfeldt.

Gezeigt werden da auch Dinge, „die man nur sehen konnte, wenn man sie sehen wollte.“ Das wollten wohl nicht alle. Und so zeichnet Kurator Jens Arndt in der Abteilung für das Kriegsgeschehen im zweiten Raum ein umfassendes Bild über den Bombenkrieg in Hanau. Eine ausgestellte „Volksgasmaske“ steht für den verzweifelten Versuch, die Bevölkerung zu schützen. Die Dokumentation der Fliegermorde an drei Besatzungsmitgliedern abgeschossener US-Bomber zeigt die Grausamkeit, mit der das Regime selbst 1945 noch seine Ideologie vertrat.

Fotos, Texte und Exponate befinden sich in einer Art engem, begrenzten Gang inmitten des Raumes, lassen Assoziationen an einen Schutzraum zu. Für die Gestaltung der Ausstellung zeichnet Diplom-Designerin Alexandra Streubel verantwortlich.

Mit einem Stadtplan werden die Hanauer Verhältnisse in der Vorkriegszeit um das Jahr 1938 vorgestellt: (von links) Co-Kurator Jens Arndt, Kultur-Fachbereichsleiter Martin Hoppe und Kuratorin Victoria Asschenfeldt.

Ziel der Ausstellung: interaktive Auseinandersetzung mit NS-Zeit in Hanau

Bevor der Krieg Ende 1944 nach Hanau kam, herrschte bei der Zivilbevölkerung auch so etwas wie „Normalität“, wie im Raum drei dokumentiert wird. Dort werden auch die Wirkung der Propaganda dargestellt und die Versorgungslage der Bevölkerung in den Blick genommen. Zwangsarbeit, Schüren von Vorurteilen, „Vernichtung unwerten Lebens“ lassen die vorletzte Themenstation zur Kammer des Schreckens werden. Und an der letzten Station schließlich kommen fünf Zeitzeugen – vier Frauen und ein Mann – zu Wort, die Hanau im Krieg noch erlebt haben. Ihren Berichten können die Besucher über Kopfhörer lauschen. Co-Kuratorin Dr. Alice Noll hat die Zeitzeugenprotokolle aufgenommen und bearbeitet, die mit den Schilderungen einer unbeschwerten Zeit beginnen, die aber im Laufe der Zeit immer mehr vom Krieg geprägt wird. 

Wertvolle Statements, die im Raum für das gemeinsame Erinnern mit seinem großen Stuhlkreis Anregungen geben können für eben das, was die Ausstellung erreichen will: eine interaktive Auseinandersetzung mit einem dunklen Kapitel der Geschichte, das nicht nur Hanau in Not und Elend gestürzt hat. Die Ausstellung, sie bietet zusammen mit ihrem umfangreichen Begleitprogramm auch die Möglichkeit, Fragen an die Geschichte zu stellen. 

Die Eröffnung ist am morgigen Sonntag um 16 Uhr in der Friedenskirche in Kesselstadt. Danach geht es ins nahe Museum zum Rundgang durch die Ausstellung.

Beim Hanauer „Schwab“-Versand droht der Wegfall von weiteren 150 Arbeitsplätzen.

von Dieter Kögel

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