Bündel an Maßnahmen beschlossen, Anwohner hoffen

Schranke soll Poser am Kinzigbogen in Hanau ausbremsen

Die baulichen Vorarbeiten für die Installation der Schranke am Kinzigbogen laufen schon.
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Die baulichen Vorarbeiten für die Installation der Schranke am Kinzigbogen laufen schon.

Thomas Morlock ist die Erleichterung am Telefon deutlich anzuhören. Auf Initiative der Stadt hatte am vergangenen Donnerstag ein Runder Tisch mit Polizei, städtischem Ordnungsamt und mehreren Vertretern des Center-Managements stattgefunden (wir berichteten). Jetzt liegen Ergebnisse auf dem Tisch, jetzt wird gehandelt.

Hanau - Stadtrat Morlock – das Center Management war für den HA gestern nicht zu erreichen – spricht von einem „Bündel an Maßnahmen“, dass zeitnah auf den Weg gebracht werden soll, um die Autoposer, die in den Abendstunden und manchmal auch mitten in der Nacht am Kinzigbogen aufdrehen, auszubremsen. Die Polizei, die am vergangenen Wochenende Hunderte Autos gezählt, Bußgelder verhängt, Fahrerlaubnisse entzogen und Fahrzeuge stillgelegt hatte, „wird den Kontrolldruck noch weiter erhöhen“, erklärt Morlock.

Eine Stichstraße zur Moselstraße, die in städtischer Verantwortung liegt, und die Zufahrt für Anlieferer zum Baumarkt werden mit festen Pollern abgeriegelt. Zudem würden auf dem gesamten Gelände weitere Kölner Teller verbaut, die das Rasen verhindern sollen. Auch die Beleuchtung des Areals werde reduziert.

Schranke soll am 1. April in Betrieb gehen

Die wichtigste Maßnahme für Morlock ist allerdings eine bauliche, die vom Center Management, das hierfür auch die Kosten übernimmt, aktuell schon vorbereitet wird: An der Abfahrt Richtung Wohngebiet wird eine mechanische Schranke installiert, die geschlossen werden soll, wenn der Rewe Markt seine Türen schließt, also kurz nach 22 Uhr. Die Schranke soll bereits am 1. April in Betrieb genommen werden. Die andere Zufahrt bleibe, so Morlock, geöffnet, werde aber videoüberwacht. „Die Polizei kann hier dann effektiver kontrollieren“, ist sich der Stadtrat sicher.

Komplett abschotten können man den Parkplatz nicht, denn hier befinden sich neben einem Fitness-Studio und einem Restaurant, das nach Corona auch wieder länger geöffnet sein wird als 22 Uhr, auch eine Apotheke, die Notdienste übernimmt. Insgesamt, so Morlock, gehe es darum, die Attraktivität des Geländes für die Poser-Szene, die aus dem gesamten Rein-Main-Gebiet komme, zu reduzieren.

Polizei hat Situation seit Herbst 2020 im Blick

Schon seit Monaten beklagen Anwohner des Wohnviertels unmittelbar neben dem Kinzigbogen zwischen Lamboystraße und Industriegebiet Nord, dass sie von den nächtlichen Treffen der Autoposer um ihren Schlaf gebracht werden. Die Autofahrer nutzen den großen Parkplatz und die Luise-Kiesselbach-Straße, um ihre schnellen Autos zu präsentieren. Sie fahren Runden mit quietschenden Reifen, aufheulenden Motoren und gegenseitigem Anhupen. Denkbar sei von Seiten der Stadt auch der Einsatz eines mobilen Blitzers, um Geschwindigkeitsüberwachungen auf der Luise-Kiesselbach-Straße durchzuführen.

Die Polizei hat die Situation am Kinzigbogen seit Herbst 2020 im Blick. Damals hatten sich Anwohner beim HANAUER ANZEIGER gemeldet und das Thema dadurch in die Öffentlichkeit gebracht. Das Problem: Die Polizei kann die Treffen teilweise nur kurzzeitig verhindern. Anfang März lösten die Beamten ein Zusammenkommen von ungefähr 50 Autofahrern am Kinzigbogen auf. In der Nacht kamen sie wieder, hupten, applaudierten. Am vergangenen Wochenende soll es laut Anwohnern sogar zu Verfolgungsjagden zwischen Posern und Polizei im angrenzenden Wohngebet gekommen sein.

Anwohner hoffen auf Besserung

Auch die Anwohner-Vertreter wurden am Freitag über die Maßnahmen informiert. Ihre Reaktion liegt zwischen Enttäuschung und Hoffnung. „Man sieht, dass das Thema ernst genommen wird“, sagt Susanne T. (Name von der Redaktion geändert). Die beschlossenen Maßnahmen seien ein Schritt in die richtige Richtung, der Hoffnung mache.

Ihre Nachbarin Monika Lang, die kein Problem damit hat, ihren Namen in der Zeitung zu lesen, ist eher skeptisch und enttäuscht. Ihr gehen die Maßnahmen nicht weit genug. Sie hätte sich eine komplette Absperrung des Parkplatzes gewünscht. „Am Donnerstagabend musste ich wieder die Polizei anrufen“, erzählt Lang, „die Beamten fragen mittlerweile gar nicht mehr nach meinem Namen, sondern sagen nur noch, dass eine Streife kommt.“ Es gebe Anwohner, so Lang, die überlegen, ob sie ausziehen, den Kinzigbogen verlassen.

Von Yvonne Backhaus-Arnold

Kommentar: Verbindlichkeit ist gefragt / Von Yvonne Backhaus-Arnold

Stellen Sie sich vor, Sie haben Ihr Erspartes vor einigen Jahren in ein Reihenhaus am Kinzigbogen gesteckt. Ihr Traum vom Eigenheim, bezahlbar, gut angebunden und nah an der Hanauer Innenstadt, ist damit wahr geworden. Längst hat sich der Traum in einen Albtraum verwandelt. Seit Monaten werden die Anwohner in den Abend- und Nachtstunden von Autoposern belästigt. Reifenquietschen, Hupen, aufheulende Motoren. Für die meisten von uns ist das schwer vorstellbar.

Kann man das hinnehmen? Nein, auf keinen Fall! Es war wichtig und richtig, dass die Anwohner schon im Herbst in die Öffentlichkeit gegangen sind und damit auch Öffentlichkeit hergestellt haben für das Problem am Kinzigbogen, das bis dahin im Dunkeln lag.

Geschehen ist lange nichts, nur schlimmer ist es geworden, je länger Corona andauerte. Immer mehr Autos sind da, fast jeden Abend. Am vergangenen Wochenende waren es Hunderte, die sich Verfolgungsjagden mit der Polizei geliefert haben und sogar durch das Wohngebiet gerast sind.

Die Maßnahmen, die jetzt ergriffen werden, sind längst überfällig. Ob Schranke, Poller, verstärkte Polizeipräsenz tatsächlich zum Erfolg führen, muss nachgehalten werden von allen beteiligten Stellen. Nur mit einem verbindlichen Vorgehen kann das verloren gegangene Vertrauen der Anwohner unweit des Kinzigbogens wieder hergestellt werden.

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