Schulamt in Hanau

Schulpsychologin Sandra Gentsch verrät: Das macht meinen Job aus

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Ansprechpartnerin bei Schulproblemen: Sandra Gentsch in ihrem Büro im Staatlichen Schulamt.

Sandra Gentsch arbeitet seit zehn Jahren im Schulamt in Hanau und betreut aktuell 15 Schulen. Als Psychologin muss sie sich aber nicht nur um die Kinder kümmern. 

Hanau – Wer das Büro von Dr. Sandra Gentsch betritt, dem kommt der Begriff „behaglich“ in den Sinn. Stehlampen in den Ecken tauchen den schmalen Raum in angenehmes Licht, die Röhrenleuchten an der Decke sind ausgeschaltet.

Ihre Gäste sollen sich wohlfühlen, das ist Sandra Gentsch wichtig. Sie arbeitet in der Schulpsychologie des Staatlichen Schulamtes für den Main-Kinzig-Kreis. Zu ihr kommen Eltern, deren Kinder den Schulbesuch verweigern, Jugendliche, die mit der Prüfungsvorbereitung nicht zurechtkommen, oder Lehrer, die ihre Klasse nicht in den Griff kriegen. „Wir beraten die ganze Schulgemeinde“, sagt die Psychologierätin.

Hilfestellung beim Umgang mit schwierigen Klassen ist nur eines von vielen Aufgabenfeldern der neun Schulpsychologen des Schulamtes in Hanau und dem Kreis. Die Heterogenität der Klassen bedeute für die Lehrer oft eine Herausforderung. Haben die Auffälligkeiten bei Schülern im Vergleich zu früher zugenommen? Eine Frage, die die Psychologin auch mit ihren Kollegen diskutiert. Sie glaubt das nicht. Vielmehr seien die Lehrer heute stärker sensibilisiert für psychische Störungen. „Früher war es halt das freche Kind.“ Heute wird eine Diagnose gestellt.

Die Schulpsychologen haben auch eine Fortbildung für Lehrer zum Umgang mit psychischen Erkrankungen entwickelt. Die Nachfrage ist groß, es gibt eine Warteliste. Neben Fortbildungen, auch zu Themen wie Cybermobbing oder Gewaltprävention, bieten die Schulpsychologen pädagogische Fachtage an, arbeiten an Handreichungen des Landes mit und bilden Ansprechpartner für Opfer sexueller Gewalt an den Hanauer Schulen aus.

Schulpsychologin in Hanau: Tipps gibt‘s auch für die Lehrer

Wenn Lehrer sich an Dr. Gentsch wenden, weil sie Probleme mit ihrer Klasse haben, kann ein Unterrichtsbesuch der Psychologin notwendig sein. So kann sie den Lehrern Tipps geben, wie sie in bestimmten Situationen besser reagieren können. „Manchmal reicht es schon, noch eine Bewegungspause einzubauen.“

Sofern es sich um einzelne Schüler handelt, die den Unterricht nachhaltig stören, ist für die Begutachtung eine Einverständniserklärung der Eltern nötig. Sie werden dann auch zu einer Nachbesprechung eingeladen.

In der Regel sind es die Lehrer, die Eltern den Kontakt zur Schulpsychologie vermitteln, wenn ein Schüler erkennbar Probleme hat. Ein Zwang, die Beratung wahrzunehmen, besteht nicht. Das Angebot ist freiwillig. Umgekehrt müssen Eltern die Schule auch nicht informieren, wenn sie von sich aus das Gespräch mit der Psychologin suchen. Um eine Lösung zum Wohl des Kindes zu finden, kann es aber sinnvoll sein, alle Beteiligten einzubinden.

Wann ist es ratsam, einen Schulpsychologen zu konsultieren? „Wenn ein Kind plötzlich sein Verhalten ändert. Wenn körperliche Symptome wie Bauch- oder Kopfschmerzen auftreten und das Kind nicht in die Schule will.“ Angst vor Klassenarbeiten kann ein Auslöser sein. Wenn das Kind die Beschwerden offensichtlich vorschiebt, sei es wichtig, dass Eltern dem nicht nachgeben, sondern das Kind trotzdem in die Schule schicken.

Krisenintervention ist wichtiges Arbeitsfeld

Für manche Ratschläge reicht ein Telefonat aus, in anderen Fällen sind mehrere Beratungstermine oder eine Weitervermittlung nötig. Die Schulpsychologen kooperieren mit anderen Beratungsstellen und mit therapeutischen Einrichtungen.

Ein wichtiges Arbeitsfeld ist die Krisenintervention. „Dafür sind wir sehr gut ausgebildet, und wir können schnell reagieren“, betont Dr. Gentsch. Wenn eine Klasse etwa bei einem Ausflug einen schlimmen Unfall beobachtet oder selbst verwickelt ist, werden die Psychologen aktiv. Und sie geben Informationen an die Eltern weiter und Hilfestellung, wie die Eltern mit ihrem Kind über das Erlebte sprechen können.

Sandra Gentsch arbeitet seit zehn Jahren im Schulamt, betreut aktuell 15 Schulen, darunter die Otto-Hahn- und die Hessen-Homburg-Schule, die Kaufmännischen Schulen und die Hanauer Grundschulen mit Ausnahme von Wolfgang. Die Zahl der Stellen ist über die Jahre aufgestockt worden – unter anderem nach dem Amoklauf von Winnenden im Jahr 2009, als ein 17-jähriger Schüler 15 Menschen und sich selbst tötete. Auch zwei Psychologen aus dem hiesigen Schulamt waren damals zur Unterstützung vor Ort.

Die Beratung durch die Schulpsychologie steht Lehrern, Eltern und Schülern offen und ist kostenlos. Kontakt: Staatliches Schulamt (Hessen-Homburg-Platz 8), z 06181 9062-0. schulamt-hanau.hessen.de

Von Katrin Stassig

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