Porträt der wiedergewählten Stadtverordnetenvorsteherin

Beate Funck ist die erste Bürgerin der Stadt

Gradlinig, empathisch, unverwechselbar: Beate Funck wurde Mitte April zum dritten Mal zur Stadtverordnetenvorsteherin gewählt.
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Gradlinig, empathisch, unverwechselbar: Beate Funck wurde Mitte April zum dritten Mal zur Stadtverordnetenvorsteherin gewählt.

Der Congress Park ist nicht nur das aktuelle Zuhause des Stadtparlaments, sondern auch einer ihrer Lieblingsorte in der Stadt, dessen erste Bürgerin Beate Funck ist. Bei der konstituierenden Sitzung des Parlaments im April ist sie zum dritten Mal zur Stadtverordnetenvorsteherin gewählt worden.

Hanau - Macht sie das stolz? „Natürlich“, sagt Beate Funck, die bei der Kommunalwahl mit 19 150 Stimmen das beste Hanauer Einzelergebnis erreicht hat. Die Wahl zur Stadtverordnetenvorsteherin sei eine wunderbare Bestätigung ihrer Arbeit – und das über Parteigrenzen hinweg. Dass das Votum einstimmig ausfiel, sei ein doppeltes Lob, „immerhin haben die Parlamentarier gewusst, auf was beziehungsweise wen sie sich einlassen“, schiebt Funck, die in wenigen Tagen ihren 73. Geburtstag feiert, mit einem Lachen hinterher.

In Hanau war Funck am Tag ihrer Vereidigung als Lehrerin in den 1970er Jahren zum ersten Mal. Englisch, Deutsch, Religion und „gerne auch Französisch“ hat sie an der einstigen Eberhardschule, einer der traditionsreichsten Realschulen mitten in der Stadt, unterrichtet. Funck erinnert sich an den Zusammenschluss mit der Schule am Schlossplatz und den Umzug. Eine Ganztagsschule sollte damals entstehen, „aber das haben wir nicht durchbekommen“. Statt Ganztagsbetreuung gab es nur AGs und fakultative Angebote und für Beate Funck Anfang der 2000er den Wechsel an das Schulzentrum Hessen-Homburg. Hier blieb sie – nach 42 Jahren als „begeisterte Lehrerin“ – bis zu ihrer Pensionierung.

„Meine beiden Ehemänner waren SPD-Mitglieder“

Beate Funck ist im Taunus geboren, hat ihre Jugend mit einem jüngeren Bruder in Darmstadt verlebt. Eigene Kinder? „Nein“, sagt sie und ergänzt, „abgesehen davon, dass der passende Mann dazu nicht da war, hatte ich auch nie das Bedürfnis – vielleicht, weil ich immer von Kindern umgeben war und privat in der Rolle als Tante aufgegangen bin.“ Dass ihr heute in der Stadt schon ältere Herrschaften begegnen, die sich gern an ihre Schulzeit und ihre Klassenlehrerin erinnern, ist für die Wahl-Hanauerin pure Freude.

Der Brüder-Grimm-Stadt als Heimat hat sie sich langsam genähert, über Frankfurt und Bad Homburg kam sie erst nach Bruchköbel und dann nach „Nord-West“. Hier ist die Pädagogin bis heute zu Hause. Sie liebt „ihren Stadtteil“, in dem 11 000 Menschen leben und zu dem auch die Parkanlage in Wilhelmsbad gehört.

Wie heute die Spaziergänge am Karussell gehört zu ihrem Leben seit Jahrzehnten auch die Sozialdemokratie. „Meine beiden Ehemänner waren SPD-Mitglieder“, erzählt Funck. Statt selbst in die Partei einzutreten, wählte sie „von Anfang an SPD“. In Hanau sei sie politisch zu einer Zeit angekommen, „wo Neues begann“. Funck fand die Menschen sympathisch und beschloss, Mitglied im Ortsverein Nord-West zu werden. Zwölf Jahre lang war sie hier Ortsvereinsvorsitzende. Das Engagement direkt für die Menschen im Stadtteil habe sie sehr geliebt.

Kaminsky: „Überall, wo sie die Stadt repräsentiert, macht sie eine Bella Figura“

Als Stadtverordnetenvorsteherin leitet sie die Sitzungen, dazu gehören akribische Vorbereitung und der Wille, nicht unbedingt Harmonie, aber doch einen Konsens herzustellen im Parlament. Beate Funck, die gerne unterschiedliche Meinungen hört und in sich aufsaugt, ist dessen Vertretung nach außen. Eine sehr ehrenvolle Aufgabe, wie die Sozialdemokratin einräumt.

Auch Oberbürgermeister Claus Kaminsky kann sie als seine Vertreterin mit Aufgaben betrauen. Er tut dies mit einem mehr als guten Gefühl. „Überall, wo sie die Stadt repräsentiert, macht sie eine Bella Figura“, so der OB im Gespräch mit unserer Zeitung und weiter: „Sie vertritt die Stadt auf würdige und würdevolle Art und Weise, hilft mir oft und ist immer mit großer Empathie dabei.“ Seit 25 Jahren sind Funck und Kaminsky politisch miteinander unterwegs. „Sie hat schon an mich geglaubt, als es da bei anderen noch Skepsis gab“, sagt der OB und lacht.

Dass Hanau sich gut entwickelt hat, steht für Funck außer Frage. Das Parlament nennt sie einen „sehr lebendigen Haufen“, freut sich, dass nicht nur die SPD, sondern auch alle anderen Fraktionen junge Leute in ihren Reihen haben. „Es sah ja lange so aus, als ob es keinen Nachwuchs gibt.“

19. Februar hat sie sehr bewegt

Was hat sie besonders bewegt in der zurückliegenden Amtszeit? Das einschneidendste Erlebnis überhaupt sei der rassistische Anschlag am 19. Februar 2020 gewesen. Am Schulzentrum Hessen-Homburg sei Vielfalt das Normalste der Welt gewesen, so Funck. „Ich hätte es nicht für möglich gehalten, gerade, weil ich immer mit Menschen unterschiedlichster Herkunft zu tun hatte und so stolz war, dass wir uns so gut vertragen. Und dann kam der 19. Februar.“

Sprachlos war sie zuletzt zu Beginn des Jahres. Wegen der Verbreitung von rechtsradikalen Hassparolen hatte die Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck Jürgen Lang, einen Stadtverordneten der Republikaner, aufgefordert, sein Mandat niederzulegen. Lang hatte eine Fotomontage auf Facebook gepostet. Mit dem Kommentar „Kommt der Tag wo Gerechtigkeit seinen Namen unterschreiben wird?“, war ein Foto zu sehen, auf dem neben Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und andere Regierungsvertreter als Angeklagte der Nürnberger Prozesse zu sehen sind. Dass ein Mitglied der Stadtverordnetenversammlung, eingeschworen auf demokratische Werte, dies getan habe, könne sie, so Funck, bis heute kaum glauben.

Im Patientenbesuchsdienst und für die Kulturloge aktiv

Aber Beate Funck ist auch auf vielen anderen Feldern ehrenamtlich tätig. Vor fast 25 Jahren hat sie gemeinsam mit vier Frauen den Patientenbesuchsdienst im Klinikum Hanau gegründet. Ihr sei es bis heute wichtig, dass Patienten besucht werden, die vielleicht keine Familienangehörigen haben. „Da kommt immer sehr viel zurück“, sagt Beate Funck. Corona hat die Arbeit, die schon Funcks Tante als sogenannte „Grüne Dame“ im Frankfurter Markus-Krankenhaus ausgeübt hat, vorerst zum Stillstand gebracht. Nicht still steht das Telefon der Hanauerin, die seit vielen Jahren auch als Patientenfürsprecherin am Klinikum Hanau tätig ist. Hier geht’s um Barrierefreiheit, das Essen oder Fragen rund um die Sauberkeit, die Funck an die entsprechenden Stellen im Klinikum weitergibt.

Ihr zweites „Baby“ ist die Kulturloge, ein Verein, der mit Unterstützung von Veranstaltern aus der Umgebung freie Plätze für Konzerte, Festspiele oder andere kulturelle Veranstaltungen zur Verfügung stellt. 2017 gegründet, sind heute 250 Erwachsene und noch einmal so viele Kinder, die sich Kultur nicht leisten können, in der Datei gelistet. Der Kontakt, so die Vereinsvorsitzende Beate Funck, werde auch in Zeiten von Corona gepflegt, „nicht dass sie denken, wir hätten sie vergessen.“

Ob in der Stiftung des Behindertenwerks Main-Kinzig, im Vorstand der Lebensgestaltung oder beim Runden Tisch der Religionen – Beate Funck, leidenschaftliche Leserin und Kunstliebhaberin, geht in jedem dieser Ehrenämter auf. Woher nimmt sie die Energie für all das? „In jedem Ehrenamt kommt ganz viel zurück und das gibt einem die Kraft, weiterzumachen.“ Vor einigen Jahren, als Brustkrebs bei ihr diagnostiziert wurde, hat Beate Funck alle Kraft für sich selbst gebraucht. „Ich wollte da unbedingt durch und ich hab’s geschafft“, blickt sie zurück. Statt sich einzuigeln, kaufte sie sich eine „richtig tolle Perücke“ und ging raus, unter Menschen – am liebsten nach Wilhelmsbad und natürlich in den Congress Park.

Von Yvonne Backhaus-arnold

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