Restaurierung von Hanauer Denkmal läuft

Die Grimms werden wieder schön gemacht

Polieren für den perfekten Glanz: Hendrik Herrmann und Ann-Christin Rincker arbeiten seit Wochen am Brüder-Grimm-Nationaldenkmal auf dem Hanauer Marktplatz.
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Polieren für den perfekten Glanz: Hendrik Herrmann und Ann-Christin Rincker arbeiten seit Wochen am Brüder-Grimm-Nationaldenkmal auf dem Hanauer Marktplatz.

Hendrik Herrmann taucht die Bürste ins Seifenwasser und macht sich dann wieder ans Werk. Seit Mitte Mai ist sein Arbeitsplatz das Brüder-Grimm-Denkmal auf dem Hanauer Marktplatz. „Wir haben hier oben auf jeden Fall den besten Blick“, sagt Herrmann und lacht.

Hanau. Der Ziseleur und seine Kollegin Ann-Christin Rincker hatten einiges zu tun in den vergangenen Wochen, haben sich auf dem Gerüst von oben nach unten gearbeitet „Wir haben Graffiti, Aufkleber, Kaugummi und jede Menge Taubenkot entfernt“, erzählt die Kunstgießerin, die zu Füßen von Jacob und Wilhelm poliert, was das Zeug hält. Vor wenigen Tagen hat sie ihre Ausbildung abgeschlossen. Die Grimms sind das erste Denkmal, an dessen Restaurierung sie beteiligt ist.

Rincker stammt aus der gleichnamigen renommierten Glocken- und Metallgießerei, die ihren Sitz seit 1590 in Sinn bei Herborn hat. „Sie ist die 14. Generation“, schiebt Vater Fritz Georg stolz hinterher. 1984 hat seine Firma das Nationaldenkmal zum letzten Mal restauriert. 1988/89 formten die Rincker-Mitarbeiter die beiden weltbekannten Brüder vor Ort ab. In Silikon. Die 1:1-Kopie des Monuments wurde anschließend für das japanische Glücks-Königreich auf der Insel Hokkaido nachgebildet. Der Freizeitpark dort ist jedoch seit Langem geschlossen. Jetzt, pünktlich zum 125-jährigen Jubiläum, sind die Fachleute erneut gerufen worden.

Nitroverdünnung gegen Eddingspuren

Deutschlandweit sind die Mitarbeiter unterwegs. In Mannheim säubern und versiegeln sie Jahr für Jahr den Zitronenbrunnen. Auch an der Fischauktionshalle in Hamburg waren sie schon am Werk. Eigentlich ist der Guss ihr Hauptaufgabengebiet und das schon seit Jahrhunderten. So sind beispielsweise die Krönungsfiguren an der Alten Oper in Frankfurt von Rincker. „Heute gießen wir für Kunstgalerien, fertigen Unikate, aber auch Kleinserien“, erzählt Chef Fritz Georg Rincker. 18 Mitarbeiter hat seine Firma. Die Restaurierung, glaubt der Chef, werde in den kommenden Jahren und Jahrzehnten an Bedeutung gewinnen. Immerhin gibt es viel zu erhalten, im mit Denkmälern gesegneten Deutschland. Den Experten zur Seite steht der selbstständige Restaurator und Bildhauer Eberhard F. Gutberlet. Er hat nicht nur die restauratorische Leitung, über ihn läuft auch die Kommunikation mit der Denkmalpflege, die die Vorgaben machte. „Am Anfang haben wir die Bronzeskulptur technisch überprüft“, erklärt Gutberlet. Gibt es Risse? Ist alles stabil?

Mit Jacob und Wilhelm war alles bestens, also konnten Herrmann und Rincker zur Tat schreiten. Eddingspuren und Abdrücken von abgestellten Blechbüchsen rückten sie mit Nitroverdünnung zu Leibe. Müll fand sich auch in Höhe der Köpfe, bis zum Kopfende des stehenden Jacob sind es immerhin gute acht Meter.

Am Freitag soll das Gerüst abgebaut werden

Die jüngere Geschichte der Stadt? Jacob und Wilhelm haben sie gesehen. Ihr Denkmal wurde am 18. Oktober 1896 unter großer Beteiligung der Bevölkerung eingeweiht. Im März 1945, als die Innenstadt komplett zerstört wurde, ragte, als Symbol der Hoffnung, das Monument nahezu unversehrt aus den Ruinen empor. Wie durch ein Wunder war es stehen geblieben. „Für die Hanauer ist das Denkmal spätestens seit diesem Tag etwas ganz Besonderes“, ist sich auch Oberbürgermeister Claus Kaminsky sicher. „Es ist eines der Wahrzeichen unserer Stadt.“

Das weiß jetzt auch Hendrik Herrmann. Immer wieder seien alte Hanauer zu ihm gekommen, hätten Fragen zur Restaurierung gestellt. „Sie haben sich alle sehr gefreut, dass es wieder schön gemacht wird“, so der Ziseleur. Kommenden Freitag wollen sie fertig sein mit ihrer Arbeit, danach wird das Gerüst abgebaut und der Blick auf die beiden weltbekannten Märchensammler, Sprachforscher und Demokraten wieder frei sein.

Restaurierung kostet 30000 Euro

Dann ist noch der untere Bereich des Denkmals an der Reihe. „Die Ausschreibung für die Sanierung des Steinsockels aus schwedischem Granit und des Ziergitters läuft“, erklärt Martin Hoppe, der Leiter des Fachbereichs Kultur, Stadtidentität und Internationale Beziehungen. Am Sockel sollen unter anderem Reinigungsarbeiten durchgeführt und Fugen gefüllt werden.

Die Restaurierung von Denkmal und Sockel kostet rund 30 000 Euro. Auftraggeber ist der Fachbereich Kultur. Die Stiftung der Sparkasse und die Stiftung des Sparkassen- und Giroverbands Hessen-Thüringen spenden jeweils 10 000 Euro für das Projekt.

Programm zum 125. jahrestag am 18. Oktober geplant

Zum 125. Jahrestag am 18. Oktober soll es ein, so Martin Hoppe, „kleines, aber feines Programm geben“. Geplant sind unter anderem ein Pop-up-Konzert der Neuen Philharmonie Frankfurt, Führungen und die Herausgabe einer Jubiläumsmünze.

Hendrik Herrmann und Ann-Christin Rincker sind beim Schriftzug Jacob und Wilhelm Grimm angekommen. Mit Lappen tragen sie in Waschbenzin aufgelöstes Wachs auf. „Das Benzin verdunstet, das Wachs zieht ein und macht nicht nur, dass das Material glänzt, sondern schützt es auch vor Umwelteinflüssen“, erklärt Herrmann. Er wird die Zeit an diesem besonderen Arbeitsplatz so schnell sicher nicht vergessen.

Von Yvonne Backhaus-arnold

Hoch oben: Während der sitzende Wilhelm noch einmal mit Säure behandelt werden musste, um den Taubenkot zu entfernen – die Reaktion hat die Bronze Grün werden lassen – ist Jacob schon schick.
Auf Augenhöhe mit Wilhelm Grimm: der selbstständige Restaurator Eberhard Gutberlet (rechts) und Fritz Georg Rincker, Chef der gleichnamigen Firma, die schon die letzte Sanierung 1984 durchgeführt hat.

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