Lokalpolitik

Sie will noch einiges bewegen: Auch ohne Fraktionsvorsitz bleibt Cornelia Gasche in der Stadtpolitik

Politisches Grundverständnis: Fast 20 Jahre lang war Cornelia Gasche Vorsitzende der Hanauer SPD-Fraktion. Dieses Amt hat sie an Max Bieri abgetreten – doch politisch hat sie trotzdem noch einiges vor.
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Politisches Grundverständnis: Fast 20 Jahre lang war Cornelia Gasche Vorsitzende der Hanauer SPD-Fraktion. Dieses Amt hat sie an Max Bieri abgetreten – doch politisch hat sie trotzdem noch einiges vor.

Nach fast 20 Jahren hat Cornelia Gasche die Führung der SPD-Fraktion in der Hanauer Stadtverordnetenversammlung an Max Bieri übergeben. Noch vor dem Ende der Legislaturperiode. Aus beruflichen Gründen, hieß es in der Pressemitteilung, aus Zeitgründen trifft es besser. Also Ende einer lokalpolitischen Ära? Mitnichten. „Es war klar, dass ich bleibe.“ Diesen Satz sagt Gasche ziemlich am Anfang des Gesprächs mit unserer Zeitung. Und der Satz macht deutlich: Diese Frau will in Hanau noch einiges bewegen.

Hanau – Wer mit Cornelia Gasche, die in wenigen Tagen 57 Jahre alt wird, spricht, erlebt eine Politikerin aus Überzeugung. Kein langes Überlegen, keine langen Sprechpausen, sondern klar formuliert. Abnutzungserscheinungen nach fast 20 Jahren Fraktionsarbeit? Keine Spur. Und dennoch: Im Sommer reifte der Entschluss, sich von der Spitze der größten Fraktion im Hanauer Stadtparlament zurückzuziehen. Sie könne aus beruflichen Gründen nicht mehr die Zeit aufbringen, die für ein verantwortliches Ausfüllen der Position nötig ist.

Gasche ist zu „110 Prozent berufstätig“, wie sie es beschreibt – als stellvertretende Leiterin des Amts für Personal, Planung und Organisation des Main-Kinzig-Kreises. Dazu kommen ehrenamtliche Aktivitäten, beispielsweise bei der palliativen Patientenhilfe. Und auch privat war sie in de vergangenen Jahren immer wieder eingebunden in die Pflege und Betreuung von Familienangehörigen.

Wunsch nach besserer finanzielle Ausstattung für die Fraktionsarbeit

Um eine Fraktion zu führen, braucht man wahrscheinlich vor allem zwei Dinge: Zeit und Nerven. Anträge müssen formuliert und vorbereitet werden, formelle Dinge und Fristen beachtet, Einladungen zu Fraktionssitzungen geschrieben werden. Und man muss kommunizieren und vermitteln können. Je strittiger das politische Thema, umso wahrscheinlicher, dass fraktionsintern darüber kontrovers diskutiert wird. Darum ist Gasche das persönliche Gespräch eigentlich lieber als die Kommunikation über das Internet, wie sie coronabedingt derzeit bevorzugt geführt wird beziehungsweise geführt werden muss. „Bei einer Videokonferenz mit 25 Teilnehmern verlierst du welche“, sagt sie, und meint die eher Stillen in der Versammlung. Doch jeder sei gleich wichtig. Das sei ihr Anspruch, schließlich seien die Stadtverordneten letztlich auch diejenigen, die die politischen Entscheidungen in die Stadt tragen.

Für die Fraktionsarbeit wünscht sich Gasche eine bessere finanzielle Ausstattung. Nicht für die ehrenamtlichen Stadtverordneten, deren Aufwandsentschädigung hält die 56-Jährige für angemessen, aber für eine Fraktionsassistenz, die viele der organisatorischen Aufgaben übernehmen könnte. Die Arbeit erleichtern werden die neuen Fraktionsbüros, die zukünftig im sanierten Neustädter Rathaus zur Verfügung stehen werden.

Hanau hat sich seit der Übernahme des Fraktionsvorsitzes von Gasche sehr verändert

„Kalt erwischt“ habe sie ihre Fraktion mit ihrer Rückzugsankündigung. Doch in dem 30-jährigen Max Bieri sieht sie den richtigen Nachfolger. „Max hat die nötige Sensibilität und das Talent. Und er weiß, dass er mich immer ansprechen kann“, macht Gasche deutlich.

In den nicht ganz 20 Jahren, seit Cornelia Gasche im Juni 2001 den Fraktionsvorsitz der SPD übernahm, hat sich Hanau entscheidend weiterentwickelt: Der harte Weg durch den Schutzschirm, die Vollendung des Innenstadtumbaus. Darauf blickt Gasche stolz zurück. Auch von der angestrebten Kreisfreiheit ist sie überzeugt. Das verwundert nicht. Seit Jahren bewegt sich die SPD-Fraktion stets auf Linie mit ihrem Oberbürgermeister und Parteifreund Claus Kaminsky. Und dennoch: „Stimmvieh“ für den Magistrat seien sie und ihre Fraktionskollegen nicht.

Gasche will der Politik erhalten bleiben

Wiederholt spricht Gasche von ihrem politischen Grundverständnis. Dieses habe sie einst zur Kommunalpolitik gebracht, und es sorgt wahrscheinlich auch dafür, dass sie bleibt. Aufgaben für die kommenden Jahre gibt es genug: die weitere Aufarbeitung des 19. Februar und die Bewältigung der Corona-Krise. Es seien, sagt Gasche, „zu viele populistische Bauernfänger unterwegs“. Sie habe den Eindruck, alles diffundiere in Interessengruppen, „das hält unsere Demokratie nicht aus“. Deshalb hat sich die SPD-Politikerin, der die Gleichberechtigung der Geschlechter nach wie vor ein großes Anliegen ist, als eine der wichtigsten politischen Aufgaben für 2021 auf die Fahnen geschrieben, den Zusammenhalt in der Stadt zu stärken. In Zukunft wird Cornelia Gasche zwar nur noch aus der „zweiten Reihe“ agieren, aber sicher nicht mit weniger Überzeugung.

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